Kaspar Stappenbacher ist fit, das sieht man ihm an. Sein durchtrainierter Körper deutet an, was er bereits geschafft hat: "Zwei Mal den Halbmarathon, zwei Mal den 11-Kilometer-Lauf", sagt der 70-Jährige. Das ist seine persönliche Weltkulturerbelauf-Bilanz. Der Burgebracher strahlt, denn gleich geht er wieder an den Start.
Dieses Rennen findet außer Konkurrenz statt: Stappenbacher ist einer von fünf Lesern, die sich mit FT-Chefreporter Michael Wehner am Donnerstagabend die Weltkulturerbelauf-Strecke in aller Ruhe angeschaut haben. Zwei Wochen vor dem großen Wettkampf-Tag - sind die Läufer die Original-Route des Brose-Laufs (10,9 Kilometer) abgelaufen.

Eine besondere Herausforderung, die derzeit viele Läufer durchmachen: Wer die Strecke testen will, muss auf Autos, Fußgänger und Radfahrern achten. "Meditatives Laufen ist da nicht drin", sagt Michael Wehner. Nach dem Start an der Weide, wo auch der Beginn des Weltkulturerbelaufs (WKEL) ist, geht es hoch zum Bamberger Weg Richtung Michelsberg. Ein anstrengender Teil gleich zu Beginn. Wehner macht die Läufer immer wieder auf Besonderheiten der Strecke aufmerksam, zeigt die Schönheiten, weist die Teilnehmer aber auch auf die besonderen Hürden hin.

Anspruchsvolles Profil

Eine Hürde stellt sicherlich das holprige Pflaster dar: Besonders am Domplatz müsse man vorsichtig sein, sagt Thomas Haderlein aus der Laufgruppe. Die Steine sind teilweise spitz. Der 42-Jährige aus Dörfleins hat bereits vor zwei Jahren den 11-Kilometer-Lauf absolviert und will diese Mal den Halbmarathon bezwingen - dennoch merkt er schnell: Wenn die Strecke nicht abgesperrt ist, wie am Wettkampftag, dann geht die Orientierung flöten. An manchen Stellen der Altstadt ist der Weg kompliziert: An der Klosterbräu geht es gleich links, dann wieder rechts zur Oberen Mühlbrücke. Haderlein gibt zu, dass er sich da nicht mehr sicher war.

Kleinteilig ist die Strecke, aber wunderschön, finden alle Läufer. Auch Vitus Bräunig. Der 25-Jährige aus Hirschaid ist bereits für größere Aufgaben vorbereitet. Er läuft an diesem Sonntag den Marathon in Bonn. Der Brose-Lauf in Bamberg ist für ihn ein reiner "Genusslauf", sagt der Medizinstudent.

Der Genusslauf führt die Sportler weiter in den Hain, durch den Hollergraben wieder in die Innenstadt zum Schönleinsplatz. Dann zum Adenauer ufer und später zurück in die Altstadt. Für Marion Burkhardt ist der Lauf etwas Besonderes. Schließlich hat die junge Coburgerin die Domstadt so bisher noch nie erkundet: Eine Stadtführung für Jogger, an der Gundi Nagengast aus Hirschaid gefallen findet, sie wird ebenso wie Burkhardt den Brose-Lauf zum ersten Mal absolvieren.

Das Ziel am Maxplatz erreicht die Gruppe nach einer Stunde und 13 Minuten. Danach lässt sich Thomas Haderlein zu einem Lob hinreißen: "Der Lauf war wahrscheinlich noch schöner als am 3. Mai, weil dann ist jede Menge los auf der Strecke."