"Voller kann es hier ja nicht mehr werden", sagte Bürgermeister Werner Hippelius (CSU) bei seiner Begrüßung in der VHS. In der Tat: der große Saal der Volkshochschule platzte sprichwörtlich aus allen Nähten. Alle Stuhlreihen waren besetzt, auch auf der Empore. An den Seiten standen Besucher, etliche saßen vor der Bühne auf dem Boden oder auf den Bühnenaufgängen.

Kein Wunder bei dem Thema: Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Günter Dippold referierte über "Die ‚Hexenpolitik‘ der Bamberger Fürstbischöfe" - als Auftakt für die diesjährigen Themenwochen der VHS und des diesjährigen Semesters. Aufgrund des riesigen Andrangs versprach Redner Dippold, den Vortrag noch einmal zu wiederholen.

Der Kulturwissenschaftler begann seinen Vortrag mit einem Zitat aus der ersten historischen Studie über die Bamberger Prozesse gegen angebliche Hexen und Zauberer, die durch den Bamberger Appellationsgerichtspräsident Maximilian Graf von Lamberg verfasst wurde: " ‚Unter die Gräuel, welche das siebzehnte Jahrhundert belasteten, gehört unstreitig das barbarische Verfahren über ein eingebildetes Verbrechen, worüber die gesunde Vernunft erröthet, und wobei Menschen, im Verkehr mit dem Teufel zu stehen, vermuthet wurden.‘" - Günter Dippold schilderte die "barbarischen Verfahren", ging ins Detail bei den Folterungen und Verbrennungen und zitierte aus Vernehmungsprotokollen sowie Briefen.

Kopfschütteln bei Folterschilderungen


Chronologisch wurden die Ereignisse geordnet, stets mit Beispielen aus Bamberg gespickt. Routiniert und spannend war der geschichtlich-ethnologische Vortrag, die Zuhörer in der VHS hingen an den Lippen des Professors für Europäische Ethnologie, etliche machten sich Notizen. "Ebenso stehen wir verständnislos kopfschüttelnd, wenn wir sehen, wie Obrigkeiten, angetrieben vom Eifer, Sünder auszurotten und so eine gottgefällige Gesellschaft zu schaffen, wie sie in solcher Haltung Hunderte von Menschen quälten und ermordeten.", sagt Dippold.

So manches Kopfschütteln war im Saal zu sehen, angesichts der Folterschilderungen, beispielsweise von der Bamberger Wirtin Barbara Schwarz, die trotz der Folter nichts gestand. Ihre Vernehmung fand am 6. Oktober 1627 statt, danach bleib sie erst wieder ein halbes Jahr in ihrem Kerker: "Im April 1628 wurde sie herausgezerrt, wieder gefoltert, wieder blieb sie standhaft", erzählt Dippold weiter - aus dem Publikum ist ein leises "Oh Gott" zu vernehmen.

Nach dem ausführlichen Vortrag dankte die begeisterte Zuhörerschaft Dippold mit langem Applaus. Es fasziniere ihn an diesem Thema, so Günter Dippold, das was man nur an wenigen Beispielen der Geschichte sehen könne: "Das was der Mensch mit dem Menschen anstellen kann, vor allem wenn er Ideologie über Menschlichkeit stellt". Mehr lesen Sie am Montag im Fränkischen Tag.