"Kraut füllt die Haut", zitierte Georg Bogensperger ein allgegenwärtiges altes Sprichwort. Ein danach befragter Arzt habe dies jedoch widerlegt: Nicht das Kraut, sondern vielmehr die Beilagen wären dafür verantwortlich, "wenn die Haut gut gefüllt ist", erklärte der stellvertretende Landrat. An das Kraut einstampfen, "ein Vorgang, den wir als Kinder genossen haben", erinnert sich der Kommunalpolitiker noch heute gerne. "Sauerkraut und Ketchup" ist der Titel einer Sonderausstellung, die Bogensperger in Vertretung des Landrats am Wochenende im Frensdorfer Bauernmuseum eröffnete. Darin geht es nicht nur um das fränkische Kraut, das nachweislich hervorragende Wirkungen auf den menschlichen Organismus hat, sondern allgemein um die Vorratshaltung von einst.

In den Vitrinen sind neben Bohnen, Erbsen und Linsen, luftgetrocknete oder geräucherte Lebensmittel zu sehen, die noch vor einigen Jahrzehnten die Bevölkerung über den Winter brachten. Auch die dazu gehörigen Geräte, wie Weckgläser, Flaschen, steinerne Töpfe, Krauthobel und Fässla hat Museumsleiterin Birgit Jauernig zusammen mit ihren Kollegen Annette Späth aus Schloss Aschach bei Bad Kissingen und Lothar Hofmann, dem Leiter des Gerätemuseums Coburger Land, zusammengetragen.


Fleisch und Wurst aus der Dose



Daneben gab es bereits einfache Maschinen, um Blechdosen luftdicht zu verschließen. In Dosen machte in den 50er und 60er Jahren die ländliche Bevölkerung Fleisch und Wurst haltbar. Johanna Pohl, Malerin aus Bischberg wurde beim Anblick der einfachen Vorratsdosen von der Erinnerung überwältigt: "Ein Traum" schwärmte sie und ließ sich selbst gemachte Sülze und eingewecktes Fleisch "mit a bissla Fett" rein gedanklich auf der Zunge zergehen. Auch Linsen und Bohnen zu kochen - ein typisches Wintergericht, da sehr eiweißhaltig - habe sie noch von der Mutter gelernt, erzählte Pohl. Erstaunt stand sie dennoch vor der Vitrine: Wie Linsen wachsen, war ihr, wie vielen anderen, die sich vor der Auslage dicht an dicht drängten, bislang völlig fremd.

Auch Silvia Pfister überkamen Erinnerungen bei dem Gedanken an Obstverwertung und Marmelade kochen. "Das Bild habe ich noch ganz klar vor Augen", sagte die in Lohndorf aufgewachsene Besucherin. Ihre erste Arbeit als Kind sei "das Auskerndeln" von Hülsenfrüchten gewesen, eine Lieblingsbeschäftigung, die ihr erhalten geblieben ist. Noch heute greife sie zu, wenn auf dem Markt frische Erbsenschoten angeboten werden.
Renate Koch kam aus Gosberg im Landkreis Forchheim, wo nach ihren Worten besonders viel Kraut angebaut wird. Einst habe man "Holzfässla" für das Haltbarmachen von Kraut verwendet. Später seien sie durch "Plastikschefftla" abgelöst worden. Das Sauerkraut habe damit aber seinen typischen Geschmack verloren, findet die Fränkin.


Früher war Verfügbarkeit nicht selbstverständlich



Dass die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln keine Selbstverständlichkeit ist, macht die Ausstellung deutlich. "Früher war Weitsicht gefragt", stellte angesichts der Exponate Georg Bogensperger fest. Die Bevölkerung habe sich für den Winter gerüstet und Lebensmittel haltbar gemacht. Was hat nun Ketchup in dieser Ausstellung zu suchen? Man glaubt es kaum, aber der Ursprung der viel geliebten roten Soße geht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück.

Dass es in den 60er Jahren in Deutschland noch eine gesetzliche Verordnung gab, die vorschrieb, wie viele Nahrungsmittel in jedem Haushalt auf Vorrat zu halten sind, dürften viele Besucher erst aus dem Vortrag von Lothar Hofmann erfahren haben. Der Leiter des Coburger Museums wusste auch viel Geschichtliches über Hungersnöte und Missernten zu berichten und was in diesen Zeiten alles verspeist wurde, um zu überleben. Der eigentliche Siegeszug des "Einweckens" habe Ende des 19. Jahrhunderts mit Carl Johann Weck begonnen. Ihm sei das Einkochen in Gläser mit Gummi zu verdanken. Einwecken sei daher bis heute das einzige deutsche Verb, das von einem Firmennamen abgeleitet wurde.

Die Sonderausstellung "Sauerkraut und Ketchup- Ein Streifzug durch drei Jahrhunderte Vorratshaltung" ist bis 31. Oktober im Bauernmuseum Bamberger Land in Frensdorf zu sehen. Geöffnet ist jeweils Dienstag bis Samstag von 14 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Für Gruppen und Schulklassen sind Besichtigungen nach Vereinbarung möglich.