Wer "Peixe" essen wollte, ist zu den Portugiesen nach Gaustadt gegangen. Vor allem im Sommer war das Vereinsheim des ARP beliebtes Ziel für viele Bamberger. Der "Volksgarten", der 400 Gästen Platz bietet, war meist voll besetzt. An einem Wochenende im Sommer gingen hier alleine über 200 Doraden über die Theke.
Trotz Stress erinnert sich Carlos Pinto gerne an diese Tage zurück. "Es waren schöne Begegnungen", sagt der 55-Jährige. Er ist zweiter Vorsitzender des portugiesischen Vereins. Doch die schöne Zeit - sie ist nun wohl passé. Der Verein hat sich entschieden, nicht mehr weiter zu machen.


Jedes Wochenende Stress

"Es will einfach keiner mehr arbeiten", nennt Pinto den Grund. Der Vorstand habe jedes Wochenende ran gemusst, meistens seien es dieselben Leute gewesen, die die Bewirtung des Vereinsheims übernommen hätten. "Es geht nicht mehr", meint Pinto.

Die Bewirtung des Biergartens ist dem kleinen Verein über den Kopf gewachsen. Laut Pinto und dem Vorsitzenden José A. Leites hatte man sich mehrmals getroffen, diskutiert, doch sei man schweren Herzens zu dem Entschluss gekommen, an diesem Wochenende das Vereinsheim das letzte Mal zu öffnen. Es wird noch mal "Bacalhau" (Stockfisch), Doraden und portugiesischen Wein geben. Und dann war's das wohl. Die Portugiesen werden aus dem Haus, das der Caritas gehört, ausziehen.

Wenn es nach Daniela Reinfelder geht, soll allerdings noch nicht ganz die Hoffnung aufgegeben werden, dass es nicht doch noch weitergehen könnte. "Der portugiesische Biergarten ist ein echtes Kulturgut in Gaustadt", sagt die Bürgervereinsvorsitzende. Die Feste und Feiern seien ein gelungenes Beispiel für Völkerverständigung. Aus ihrer Sicht würde etwas fehlen. Sie glaubt: Wenn der Verein außerhalb seiner Gruppe Helfer finden würde, könnte noch mal ein Versuch für ein Jahr gestartet werden.

Doch die Mitglieder zweifeln. Sie glauben nicht, dass sich jemand ehrenamtlich in die Küche stellt, denn dort "klemme" es am meisten. Zur Bewirtung des Biergartens braucht der Verein insgesamt zwischen zehn und 15 Helfer. Sie müssten jedes Wochenende öffnen, sonst sei die Pacht nicht zu stemmen, heißt es vom Verein.


Verein will kleineres Heim

Das Ende des Biergartens bedeutet nicht das Ende des Vereins: Eine neue Gruppe, alles junge Leute, hat sich bereits zusammengetan und will den Verein künftig weiterführen - doch eben nicht mehr in der bisherigen Dimension. Der Nachwuchs will mehr einen Treffpunkt im Kleinen für sich organisieren. Alles andere sei zu viel Arbeit, sagt Marco Mirra (34). Die Wochenenden sollen für die Familien reserviert bleiben. Der Verein ist noch bis Ende März 2016 im Volksgarten, dann könnte er ins Sängerheim in Gaustadt wechseln.

"Es ist sehr, sehr schade für alle", sagt auch Maria Ritter. Die 58-Jährige war früher jahrelang im Vorstand aktiv. Ihr Vater hatte vor 40 Jahren den Verein mitgegründet. Immer wieder sei der Vorstand davor gestanden, das Ganze hinzuschmeißen. Nun scheint es tatsächlich so weit zu sein.

Maria Ritter erinnert sich an die schöne Zeit bei den Weltmeisterschaftsspielen der deutschen und portugiesischen Fußballmannschaften: Sie stand Arm in Arm mit Bambergs Oberbürgermeister beim Public Viewing im Volksgarten und hat gefeiert.

Ein Fest, das es aller Voraussicht nach nicht mehr geben wird.