Das Beste hob sich Bürgermeister Wolfgang Desel für den Schluss der öffentlichen Gemeinderatssitzung auf: Die ersehnte Südumgehung zur Erschließung des Gewerbegebiets Breiter Weg befinde sich wider Erwarten nun doch "auf einem guten Weg".

Die Bahn sei am 1. Juni bei einem weiteren Behördentermin aufgefordert worden, ihre alten Pläne für eine Unterquerung des Schienenstrangs im Zug des Auwegs vorzulegen, um sie einer neuen Beurteilung zu unterziehen. Und die Gemeinde Strullendorf ist am Zug, ihre Pläne für eine Überbrückung des Schienenstrangs südlich des Auwegs einzureichen.


Anderer Zugang

Mit Rücksicht auf das Siedlungsgebiet möchte die Gemeinde auf einer neuen Trasse über den Bahnkörper. Nach Einschaltung der Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn (CSU) und Andreas Schwarz (SPD) ist Bewegung in die stockende Problematik gekommen. Das wird in der Gemeinde mit Erleichterung zur Kenntnis genommen: Der Bürgermeister sieht in dem Fragenkomplex eine "überlebensnotwendige Thematik" für Strullendorf.

Wie berichtet, hatte sich die Bundesbahn zuletzt auf den Standpunkt versteift, langfristig genüge die Erschließung des Gewerbegebietes im Nordwesten des Hauptortes mit dem "Nordring", der an die frühere B 4 angebunden ist. Dieser Hauptzugang zum Gewerbegebiet über die sogenannte Nordbrücke wird täglich von rund 3000 Fahrzeugen in beiden Richtungen frequentiert. Eine südliche Zufahrt gibt es noch über den Stockweg, doch hat die Gemeinde diese Anbindung mit einer Belastungsgrenze belegt: fünf Tonnen Gesamtgewicht.

Die Bahn will beim Ausbau der ICE-Strecke den höhengleichen Bahnübergang des Stockwegs "auflassen". Dieser Übergang dient als zweiter Ast der Erschließung des Gewerbegebiets sowie der Pflanzenbaufirma und der Biogasanlage. Es sollte jedenfalls kein 1:1-Ersatz geschaffen werden, höchstens ein Tunnel für Fußgänger und Radfahrer. Die Vertreter der Bahn verwiesen darauf, dass diese Zufahrtsstraße doch schon für Fahrzeuge über fünf Tonnen Gesamtgewicht gesperrt sei.

Das Ziel einer Südumgehung behielt Strullendorf die ganze Zeit im Auge. Ohne finanzielle Beteiligung des Staats und der Bundesbahn hätte sich die Gemeinde an den vier bis fünf Millionen Euro Kosten für die Straßenbrücke über die vier Schienen jedoch leicht verheben können.

Für die Gemeinde ist ein zweiter Zuweg zum Gewerbegebiet allein schon aus Sicherheitsgründen ein Muss. Wenn der Bahnübergang des Stockwegs aufgelassen sei, bestünde bei einem Unfall oder einer sonstigen Störung auf der Nordzufahrt kein Zugang zum Gewerbegebiet, in dem über 30 Menschen wohnen und rund 600 arbeiten, gibt Bürgermeister Desel zu bedenken.

Die Firma Kramp, Europas größter Landtechnikhändler mit Hauptsitz in Strullendorf (300 Beschäftigte) plane 2017 einen Erweiterungsbau. Gesichert werden müsse auch der Betrieb der Firma Pflaum-Logistik, die bundesweit 550 Lastwagen im Einsatz habe und am Standort Strullendorf 110 Kräfte beschäftige. Zudem verweist Desel darauf, dass in dem seit 2000 rechtskräftig ausgewiesenen Gewerbegebiet Stockweg Süd"auf der gleichen Bahnseite die erste Betriebsansiedlung erfolgte.


Zufahrt für Rettungskräfte

Schon um den Einsatz von Rettungskräften zu gewährleisten, müsse wegen des jederzeit möglichen Ausfalls der Nordbrücke eine zweite leistungsfähige Zufahrt westlich der Bahnstrecke her. Die erhoffte Südumgehung hätte freilich auch den Vorteil, dass der Schwerverkehr aus und in Richtung Autobahnanschlussstelle Hirschaid aus dem Ortskern ferngehalten werden könnte.

Bürgermeister Desel hat nach dem jüngsten Behördentermin mit der Regierung von Oberfranken, der DB-Netz, dem Freistaat Bayern sowie dem Bamberger Landrat Johann Kalb das Gefühl, dass das Verständnis für das Anliegen Strullendorfs gestiegen sei. Jedenfalls unterstütze jetzt die Bezirksregierung die Gemeinde beim Ziel einer vollverkehrstauglichen Ersatzmaßnahme für den bisherigen Übergang des Stockwegs.

Und nachdem eine von der Bahn anvisierte Untertunnelung im Wasserschutzgebiet der Bamberger Brunnen praktisch vom Tisch ist, bleibt nur der Brückenneubau. Desel hofft auf eine Dreiteilung der Brückenkosten: Staat, Bahn und Gemeinde. Noch offen ist die Finanzierung der Zufahrten. Mit der Rad- und Fußgängerunterführung am Stockweg geht es um rund acht Millionen Euro.