Wohin steuert die Stadt? Auf vier DINA-3-Seiten stehen komprimiert alle Projekte, die hohe Priorität für Bamberg haben. Diese Liste ist für Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) wie ein Wegweiser. "Mit ihr lege ich fest, wo ich meine Schwerpunkte setze und ich aktualisiere regelmäßig den Stand nach Rücksprache mit den Referaten", fügt er im Gespräch mit dem Fränkischen Tag an. Bald schon könnte diese Wunschliste um einen Punkt ärmer, und die Domstadt dafür um eine reizvolle Attraktion reicher sein.



Sterzermühle verfällt weiter

Seit Jahrzehnten nämlich sorgt ein Schandfleck - nur einen Steinwurf von Schloss Geyerswörth entfernt - für reichlich Frust bei Bürgern wie Touristen: das Untere Mühlenviertel an der Regnitz. Ungenutzt verfällt der Bau. Etliche Planungen sind in den vergangenen Jahren entstanden, wurden verworfen. Fast schon trotzig leistete die Brache allen Ideen erfolgreich Widerstand. Zuletzt gab es 2009 einen Wettbewerb für eine mögliche Bebauung mit einem Hotel. Geblieben sind davon nur aufwendige Illustrationen. Investoren aber blieben aus: zu aufwendig, zu teuer und zu wenig Rendite schreckte mögliche Bauherren ab.

Doch nun kommt Bewegung in das Projekt Untere Mühlen. "Es handelt sich schlicht und einfach um eine der wichtigsten Hausaufgaben für die Stadt Bamberg", betont Starke. Dank eines Investors aus München gebe es eine neue Ausgangslage. "Er setzt seine Prioritäten bei der Umsetzung nicht nur auf knallharte Renditen zum Geldverdienen. Sondern er möchte vielmehr eine Lösung finden, die auch dem Welterbe Bamberg zugute kommt", stellt der OB fest.


Ein Wasserkraftwerk

Doch was ist nun angedacht? Am Standort Untere Mühlen soll in den kommenden Jahren ein Besucherzentrum Welterbe entstehen. Verknüpft mit einer Gastronomie und einer Freischank-Fläche. "Außerdem plant der Investor dort ein Wasserkraftwerk zu installieren", ergänzt Starke. Allerdings soll die saubere Energieerzeugung unsichtbar unter der Wasseroberfläche stattfinden, um so das Ensemble der Altstadt am Fluss nicht zu stören.
In den vergangenen Monaten wurden die Planungen für das Welterbe-Zentrum ganz dezent vorangetrieben.

Erste Entwürfe existieren bereits und wurden dem Stadtgestaltungsbeirat präsentiert. Am Wochenende nun verschickte OB Starke Briefe an die Stadtratsfraktionen, die über den aktuellen Stand informieren. Darin heißt es unter anderem: "Ganz besonders wichtig ist an dieser sensiblen Stelle die Größe der Kubatur und die Architektursprache, die hohen und qualitätsvollen Ansprüchen genügen muss. Es ist vorgesehen, den Stadtrat in der Sitzung des Bau- und Werksenates am 16. September 2015 zu informieren, nachdem der Stadtgestaltungsbeirat in seiner nichtöffentlichen Sitzung "Arbeitsaufträge" an den planenden Architekten erteilt hat. Das Ergebnis soll dann auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden."



"Nicht protzen"

Ein moderner Bau mit viel Beton, Glas oder Stahl komme jedoch nicht in Frage. "Wir wollen hier nicht protzen", legt Starke dar. Architekt Heinz Rosenberg favorisiert eine zurückgenommene Planung des Baus, die sich in das bestehende historische Umfeld einfügt. Es wird bewusst eine Formensprache gewählt, die nicht nur auf eine hohe Aufmerksamkeit abzielt.

Ausdrücklichen Dank sagt der Oberbürgermeister dabei der CSU-Fraktion: "Sie hat den Kontakt zu dem jetzigen Investor vermittelt und hergestellt." Bereits im Januar 2014 hatte der Geschäftsmann - Johannes Kraus aus München - angefragt, ob er die Sterzermühle kaufen und herrichten könne. Kraus besitzt bereits Immobilien sowie Wasserkraftwerke in Bamberg und hat sich auch als verlässlicher Verhandlungspartner bewährt. Auch die Vogtherrenmühle gegenüber der Unteren Mühle befindet im Besitz des Investors.

Die Unteren Mühlen gehören übrigens aktuell den Stadtwerken Bamberg. Angedacht sei zunächst, dass die Immobilie verpachtet werden soll. Ein späterer Verkauf an den Investor sei geplant. Die Investitionssumme soll sich laut FT-Informationen auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen.

Treibende Kraft in Sachen Untere Mühlen war vor allem Patricia Alberth. Die Leiterin des Welterbe-Zentrums Bamberg sei maßgeblich an der Planung beteiligt gewesen, so Starke.



Stadtgeschichte erlebbar machen

Doch was genau erwartet Besucher in solch einem Besucher-Zentrum? Dort soll Stadtgeschichte erlebbar gemacht werden. In der Regensburger Einrichtung im Salzstadel etwa lautet das Motto "Entdecken Sie im Heute das Gestern". In den Räumen stehen laut Eigenwerbung eindrucksvolle Exponate und Objekte, aber auch interaktive Spielstationen und Medieninstallationen.


Über Pläne informieren

Rund 350 Quadratmeter Ausstellungsfläche sollen in Bamberg entstehen - inklusive eines Welterbe-Shops. Wie geht es nun mit der Planung konkret weiter? "In den kommenden Monaten suchen wir als Stadt den Kontakt zu allen relevanten Gruppen Bambergs, um sie über die Planungen zu informieren. Zudem werden auch Denkmalschützer und das Wasserwirtschaftsamt die Entwürfe prüfen", betont Starke. Er hofft darauf, dass der Bau noch in dieser Legislaturperiode - also bis spätestens 2020 - fertig gestellt ist.

Dann könnte der OB einen neuen Haken hinter ein fertiges Projekt auf seiner Wunschliste setzen. Übrigens vielleicht nicht den einzigen in nur kurzer Zeit - schließlich steht am 27. Juli ein weiteres städtebauliches Projekt im Terminkalender von Andreas Starke. Als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsbeirates der Sparkasse entscheidet er mit über die Zukunft des Quartiers an der Stadtmauer. Auch hier zeichnen sich Lösungen ab, wie Handel, Wohnen und Gewerbe in der Innenstadt nach fast 18 Jahren Planungszeit endlich neue Flächen in attraktiver Lage bekommen können.