Seit 100 Jahren kümmert sich ein Verein um die Belange der Kinder und Jugendlichen in Hirschaid. Am Wochenende wird das Jubiläum gefeiert. Als sich am 28. Oktober 1912 auf Initiative des königlich bayerischen Reichsbahninspektors Franz Weißenberger einige Hirschaider Honoratioren in der Brauerei Friedel trafen, um den "Verein für ambulante Krankenpflege und Kinderfürsorge" zu gründen, konnten sie nicht ahnen, dass 100 Jahre später aus ihrem Verein der maßgebliche Pfeiler der Sozialarbeit im Ort geworden war.

Zwar hat die Initiative zwischenzeitlich mehrfach ihren Namen gewechselt und heißt heute "Netzwerk e.V. für Kinder und Jugendliche", geblieben ist aber die Sorge um das Wohl des Nachwuchses am Ort. Heute betreibt der Verein mehrere Kindergärten und Krippen, organisiert die Mittagsbetreuung an Schulen, kümmert sich um die Jugendsozialarbeit und hat mit dem "FamilienZentrum" in der Nürnberger Straße eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um Dienstleistungen für Familien geschaffen.

Begonnen hatte alles mit den Schwestern der "Kongregation zur Kindheit Jesu" aus Oberzell bei Würzburg, die ab 1914 die neue "Kinderbewahranstalt St. Josef" betreuten. Zwei Schwestern bezogen das Vereinsgebäude in der Nürnberger Straße, in dem die Fäden des "Netzwerks" bis heute zusammenlaufen. Zwar haben sich die pädagogischen Ansätze der Kindererziehung immer wieder geändert, geblieben ist allerdings das große bürgerschaftliche Engagement, das den Verein auszeichnet.

Selbstverständlicher Bestandteil


Für die Hirschaider ist der Kindergarten St. Josef seit einem Jahrhundert ein selbstverständlicher Bestandteil der Kindheit. Die druckfrisch erschienene Festschrift berichtet gar von der Familie Lerch, aus der vier Generationen die Einrichtungen des Vereins besucht haben. Den Anfang machte Tina Lerch, die 1932 als Dreijährige in den Kindergarten St. Josef kam, ihr Sohn Stephan folgte ihr 20 Jahre später, Enkel Christoph besucht den Kindergarten von 1977 bis 1981 und Urenkel Niklas spielt heute in der Arche-Noah-Gruppe.

1981 erhielt der Josefskindergarten mit einem Neubau ein modernes Gesicht. Auch zu dieser Zeit kümmerten sich noch die Oberzeller Schwestern um die Kindererziehung. Als fünf Jahre später das Mutterhaus nahe Würzburg geschlossen wurde, war auch die Zeit der Schwestern in Hirschaid zu Ende, und die Leitung des Kindergarten ging in weltliche Hände über. Wenige Jahre später übernahm auch ein weltlicher Träger, nämlich die Marktgemeinde Hirschaid, die Verantwortung für den Kindergarten.

Neue Ausrichtung


Zu Beginn der 1990er Jahre und mit der Vorstandschaft von Klaus Busch änderte sich auch die Ausrichtung des Vereins. Neben der Betreuung des Kindergartens St. Josef wurde ein Behindertentreff eingerichtet, ein Babysitterdienst etabliert und bald auch eine integrative Kindergartengruppe erfolgreich gestartet. Bis heute sind noch vieler weitere Standbeine und Einrichtungen dazu gekommen. Die jüngsten Kinder des "Netzwerks" sind der Waldkindergarten "Eulennest", das "FamilienZentrum" und seit dem neuen Kindergartenjahr die bilinguale Gruppe "LionKids", in der viel Englisch gesprochen wird.

Um dieses runde Jubiläum zu feiern, findet am Samstag ein Festakt statt, und am Sonntag lädt das "Netzwerk" zum Familienfest in die Regnitzarena ein. Nach einem Gottesdienst wird um 11.30 Uhr die Spielstraße eröffnet und bis 16.30 Uhr gibt es Mitmachaktionen, Musik, Speis und Trank sowie ab 13 Uhr einen Workshop zum Thema "Gewalt".