In der Stadtverwaltung und bei den Fraktionen haben sie sich schon vorgestellt. Nun heißt es: "Öffentlichkeit aufbauen, Bürger beteiligen und Bedarf ermitteln", sagt Rainer Pfaff. Der Vorsitzende des Vereins "Kulturquartier Lagarde" nennt damit die Punkte, die aktuell ganz oben auf der Agenda der Aktiven stehen.

Doch wer sind sie und was wollen sie? "Unser Vorstand setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Bürgervereins Bamberg-Ost, Aktiven von ,Kontakt - das Kulturprojekt‘ und von ,Bamberger Festivals e.V.‘", erläutert Pfaff.
Gegründet hat sich der Verein, um sich dafür einzusetzen, dass in der ehemaligen Lagarde-Kaserne die kulturelle Nutzung nicht zu kurz kommt. Rainer Pfaff spricht vom Wunsch nach Räumen für "kulturelles, soziales und bürgerschaftliches Engagement". Im Bestand, Neubauten wolle man keine. Herzstück soll ein soziokulturelles Zentrum werden.


"Gegenentwurf zur Hochkultur"

"Wir wollen einen Gegenentwurf zur Hochkultur: Da sitzt jemand an der Spitze und bietet den Bürgern ein Programm an. In der Lagarde sollen die Bürger dagegen selbst gestalten und anbieten können."
Als konkrete Beispiele nennt der Vereinsvorsitzende etwa ein "Kulturfrühstück" oder Räume, in denen sich Vereine treffen können. Genauso soll man seinen Geburtstag feiern können, Konzerte, Schulbälle, Ausstellungen oder Proberäume sowie Werkstätten sollen ebenfalls eine Nische finden. Neben Seniorentreffs sollen Kinder- und Jugendveranstaltungen möglich sein und das Kontaktfestival eine festes und zuverlässiges Zuhause erhalten.

Gerne würde man eine Halle mit einer Kapazität von etwa 1200 Besuchern nutzen und eine attraktive Gastronomie ansiedeln. In Bamberg Ost, einem Stadtteil mit über 20 000 Einwohnern, könne man die Gastronomie an zwei Händen abzählen. Auch mit Kultureinrichtung sehe es mau aus.
Pfaff deutet an: Eine "Einzellösung" wie mit der Alten Seilerei auf dem Schaeffler 2.0-Areal in Bamberg Nord könne man sich nicht vorstellen. "Wir wünschen uns einen ganzheitlichen Ansatz, ein Quartier."
Gerade im Bürgerverein Bamberg Ost gebe es Hoffnungen auf eine "städtebauliche Mitte", sagt Pfaff. "Wir wollen zum Beispiel einen attraktiven Kirchweihplatz, einen Weihnachtsmarkt, einen Ostermarkt oder einen schönen Biergärten." Auch Public-Viewing-Veranstaltungen seien eine Option.
"Die Schranke in den Köpfen soll fallen. Bamberg Ost soll auch psychologisch angebunden werden." Wer ein Raumproblem habe, möge sich an den Verein wenden. "Wir wollen Bürgerbeteiligung statt reiner Bürgerinformation."

Eine Aussage, die in Richtung Stadt geht. "Unser Eindruck ist, dass wir hingehalten und vertröstet werden, während im Hintergrund Fakten geschaffen werden", sagt Pfaff. Man stehe in Kontakt mit der Verwaltung und sei bereits dazu aufgefordert worden, ein Betriebskonzept zu erarbeiten. "Doch uns fehlen konkrete Vorgaben, wie etwa die Größe des Areals", moniert Pfaff. Zusätzlich würden in der Öffentlichkeit immer wieder Schlagworte wie "hochverdichteter Wohnungsbau, Gewerbe, Kongress und Tagung" fallen.
Der Vereinsvorsitzende zeigt sich irritiert, dass für ein digitales Gründerzentrum bereits Ausschreibungen liefen, in Sachen Kultur jedoch parallel nichts voran gehe.
Doch Kulturreferent Christian Lange (CSU) beschwichtigt. Er stellt klar: Zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) und der Stadt gebe es eine Vereinbarung, dass die Stadt als Käuferin mit den Planungen für das Digitale Gründerzentrum vorzeitig beginnen darf. Denn noch sei der Kauf der Lagarde-Kaserne nicht durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.
Ist dies passiert - wovon ausgegangen wird - werde der "Rahmenplan Konversion" in einem Workshop von den Stadträten weiter bearbeitet und schließlich im Konversionssenat diskutiert. "Es wird um Kultur im Allgemeinen und auf der Lagarde im Besonderen gehen", sagt Lange.

Gleichwohl bittet er um Verständnis: Zunächst brauche man ein nachhaltiges Betriebskonzept und vor allem "noch etwas Zeit". In jedem Fall zeigt sich der Bürgermeister erfreut über das bürgerschaftliche Engagement und deutet an: "Ich weiß, dass sich die Menschen so etwas wie das alte Freizeitwerk wünschen."
Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar erklärt außerdem zum Thema Gerüchte: Diese entstünden auch deswegen, "weil immer wieder ohne Denkverbote über Alternativen gesprochen wird. Vor allem die Reithalle ist Zentrum ganz unterschiedlicher Ideen und Begehrlichkeiten: Vom Kammermusiksaal bis hin zum Teil eines Kongresszentrums".
Von einer Hinhaltetaktik könne nicht die Rede sein, vielmehr würden Planungsprozesse wie bei der Lagarde-Kaserne immer viel Zeit in Anspruch nehmen.


Für Interessenten:

Aufruf Der Verein "Kulturquartier Lagarde" ruft kulturell, sozial und bürgerschaftlich Aktive auf, ihren Bedarf an Räumen und Infrastruktur zu melden.

Kontakt Wer aktiv mitwirken möchte, findet under www.kulturquartier-lagarde.de weitere Informationen. Möglich ist auch eine direkte Mail an vorstand@kulturquartier-lagarde.de.

Kommentar der Autorin:

Verkannte Liebe im Osten

Wenn du heim kommst und es riecht nach Malz - wahlweise Vedag -, dann weißt du: Du bist zu Hause in Bamberg Ost. Was am Anfang befremdlich ist, verbindest du irgendwann mit deinem Stadtteil wie den Gang zum Bäcker um die Ecke. Natürlich findet man auch im Osten was zu meckern.
Man kann aber auch einfach das Schöne an diesem bodenständigen, etwas herben Stadtteil mögen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Bewohner hier wohl fühlen. Lebensmittelmärkte und Bamberger Gärtner sind schnell erreicht, im Schwimmbad, der Gastro oder im Hauptsmoorwald kann man seine Freizeit verbringen. Der kurze Weg auf die Autobahn und zum Bahnhof bringt einen hinaus in die Welt. Abgehängt ist hier niemand.