Es sind klare Worte, die Richter Nino Goldbeck in seiner Urteilsverkündung findet: "Sie wussten, dass das verboten ist. Aber Sie haben sich von Ihren sexuellen Vorlieben hinreißen lassen."
Vorlieben, die Sebastian L. (Name geändert) nun für vier Jahre ins Gefängnis bringen. Dabei muss ihm bewusst gewesen sein, wohin ihn sein Verhalten bringt, wenn er so weiter macht - bereits 2013 stand die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl bei ihm vor der Tür, es folgte das erste einschlägige Urteil. Doch noch während der Ermittlungen wurde der 31-jährige Bamberger rückfällig. "Das zeigt das Ausmaß der sexuellen Störung, die hier vorliegt", stellte Richter Goldbeck fest.

Genauer gesagt handelt es sich um eine "sexuelle Präferenzstörung, eine Pädophilie", wie der Sachverständige Christoph Matern in seinem psychiatrischen Gutachten präzisierte. Der Angeklagte empfinde seine sexuellen Fantasien in Bezug auf "prä-pupertäre Jungs" nicht als krankhaft.
Diesen Trieb könne Sebastian L. zwar nicht ablegen, man könne ihm jedoch helfen, diesen zu unterbinden. Sei es durch "medikamentöse Dämpfungsmaßnahmen" oder eine längere Sexualtherapie in Haft. Der Sachverständige empfahl dazu eine entsprechende Einrichtung in Bayreuth, wohin der Angeklagte nun auch verlegt werden wird - das aktuelle Urteil ist bereits rechtskräftig.
Das Landgericht sieht es als erwiesen, dass Sebastian L. schuldig ist des sexuellen Missbrauchs von Kindern, der Verbreitung, des Erwerbs und Besitzes sowie der Herstellung kinderpornografischer Schriften in jeweils mehreren Fällen.

Etwa 3000 Bilder und 1700 Videos fanden die Fachleute der IT-Forensik auf Speichermedien des 31-Jährigen, sei es auf dem Handy, einem USB-Stick oder Festplatten. Der Angeklagte habe seine homosexuelle Pädophilie auf zwei Arten ausgelebt: Einerseits durch entsprechende Videos und Bilder, die Richter Goldbeck als "abscheulich und menschenverachtend" beschrieb. "Man möchte sich nicht vorstellen, wie diese Filme und Bilder entstanden sind."
Zu sehen sind meist Jungen unter 14 Jahren, die dabei gezeigt werden, wie sie entweder an sich selbst oder anderen Kindern sexuelle Handlungen vornahmen; die Dateien zeigen zudem Kinder im sexuellen Kontakt vor oder mit Erwachsenen.

Diese Medien konsumierte Sebastian L. nicht nur, er verbreitete sie auch über entsprechende Programme im Internet weiter und teilte sie in einer Art Tauschbörse mit weiteren Nutzern. Doch das war nicht alles.
"Sie haben noch einen zweiten Weg eingeschlagen. Sie haben in Chatrooms Kontakt gesucht zu anderen Personen, auch Jungs, die noch unter 14 waren. Und Sie haben keinen Hehl daraus gemacht, was Sie wollten", sagte Richter Goldbeck in der Urteilsbegründung an Sebastian L. gewandt.
Staatsanwalt Stefan Weidinger sagte in seinem Plädoyer: "Er hat Köder ausgelegt und darauf gewartet, dass sich Kinder melden, mit denen er machen konnte, was er wollte." Dabei ging es in erster Linie um sexuelle Handlungen vor der Kamera, bei denen L. den Ton angab. Die Jungen sollten ihm per Webcam zum Beispiel ihren Intimbereich nackt oder mit Boxershorts zeigen, an ihrem Genital manipulieren oder eine Erektion zeigen. Von Handlungen wie diesen fertigte der Angeklagte Videos an oder ließ sich Bilder schicken.

Sebastian L. selbst beteuerte vor Gericht: "Niemals habe ich real Kinder berührt. Ich denke daran, dass ich deren Kindheit zerstören würde, dabei würde ich mich sehr schlecht fühlen." Doch Staatsanwalt Weidinger entgegnete darauf: "Er blendet aus, dass auf jedem Video und Bild ein Kind leiden musste."
Klar ist: Der Angeklagte hielt es nur kurze Zeit ohne das kinderpornografische Material aus, als er nämlich in einer Beziehung war. "Mein Freund hat an einem Wochenende Schluss gemacht, relativ bald danach kam der Rückfall."
Dabei war ihm offenbar klar, dass er bereits ins Visier der Behörden geraten war. "Ich habe damit gerechnet, dass die Polizei mir auf der Spur ist. Ich habe nichts verschlüsselt." In der Tat hatte die Zentralstelle für Cybercrime in Bamberg in Zusammenarbeit mit der Kripo, dem BKA und auch dem FBI - der Angeklagte hatte auch mit einem Jungen in den USA per Video gechattet - ermittelt.

Die Taten ereigneten sich zwischen 2013 und 2016. Als L. vergangenes Jahr schließlich festgenommen wurde, zeigte er sich von Anfang an kooperativ und legte ein Geständnis vor Gericht ab. Diesem ist durchaus klar, dass Sexualstraftäter im Gefängnis einen schweren Stand haben. In der JVA hat L. mittlerweile eine Einzelzelle.