Montagabend. In der Bamberger Innenstadt ist es kurz nach 22 Uhr. Es ist die erste Nacht nach dem WM-Finale. Wo noch rund zwanzig Stunden zuvor kräftig der Titel gefeiert wurde, ist inzwischen angenehme Ruhe eingekehrt. Auch auf der Unteren Brücke.

Zwar sitzen dort rund 100 junge Menschen, aber von allzu großem Lärm keine Spur. Das Rauschen des Wassers ist deutlich lauter als die Stimmen. Lediglich hört man hier und da ein Lachen.

Dennoch setzt die Polizei ihre im Mai begonnenen Gespräche mit den dort versammelten meist jungen Studenten fort. Damit wollen sie diese für die Einhaltung der Nachtruhe sensibilisieren - ohne Sanktionen zu verhängen. Vor Ort ist diesmal neben dem Ordnungsamt der Stadt auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD).
Die Stimmung auf der Brücke ist gut und gelassen - trotz der Anwesenheit der Polizei. Gelassen gehen sowohl Starke als auch der Bamberger Polizeichef Udo Skrypczak auf die einzelnen Grüppchen zu und suchen das Gespräch. Das fällt auch nicht schwer. Die jungen Leute sind meist aufgeschlossen und haben ein offenes Ohr. Eine Gruppe bietet dem OB und dem Polizeichef sogar Gummibärchen und Chips an. Beide langen zu.

Doch man kommt schnell auf den eigentlichen Anlass zu sprechen. "Wir wollen niemandem den Aufenthalt auf der Brücke verbieten. Auch nach 22 Uhr nicht. Wir müssen allerdings ebenso die Rechte der Anwohner auf Nachtruhe schützen", sagt Bambergs Stadtoberhaupt. Die sieben Mädels und der junge Mann, alle sind Studenten der Sozialpädagogik im zweiten Semester, zeigen dafür durchaus Verständnis. Betonen aber auch, dass die Brücke ein beliebter "Treffpunkt des kulturellen Austausches" sei und gerade im Sommer zum Verweilen einlade. "Ich finde nicht, dass wir gerade laut sind. Wir haben weder Musikboxen dabei, noch grölen wir herum", argumentieren sie.

Die Anwohner sollten mal eine Nacht im Wohnheim verbringen, dann würden sie sich nach der "Ruhe" auf der Unteren Brücke sehnen. "Wir wollen keinem den Schlaf rauben, aber wer in die Innenstadt zieht, sollte etwas toleranter sein", so die Studentin Chiara.

Vielleicht könnten schallisolierte Fenster ja helfen, schlägt Christoph vor. Er wohne in der Langen Straße, würde aber von dem Verkehrslärm oder den nächtlichen Kneipenbesuchern nichts mitbekommen.
Die Situation ist festgefahren. Eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Zumal die Studenten ihren Szenetreffpunkt mit der schönen Aussicht nicht verlieren wollen. Sie versprechen aber, sich jetzt und künftig so leise wie möglich zu verhalten.

Eine andere Gruppe von Studenten zeigt ebenfalls Verständnis für die Nachtruhe der Anwohner. Das eben mit dem Oberbürgermeister und der Polizei hingegen stattgefundene Gespräch halten sie für überflüssig. "Das reine Zur-Schau-Stellen hätte man sich sparen können. An der Situation wird sich nichts ändern. Wir wollen hier abhängen und die Anwohner wollen uns loswerden", bringt es Placido auf den Punkt.

Die Sache mit der Sperrstunde

Und da es in Bamberg an einem zentralen Alternativplatz mangele, werde man sich weiter auf der Unteren Brücke treffen. Auch dürften die Bamberger nicht vergessen, dass die Studierendenzahlen in den letzten Jahren um mehr als 3000 angestiegen seien. Die müssten ja nun auch irgendwohin. "Vielleicht aber", schlägt Fabian vor "könnte eine Verlängerung der Sperrstunde für Entzerrung sorgen. Jetzt drängen alle um 2 Uhr aus den Kneipen. Da trifft man sich dann schon noch mal auf der Unteren Brücke."

Und wie bewerten Starke und die Polizei die Gespräche? "Wir wollen natürlich den jungen Leuten ihren Aufenthalt auf der Brücke nicht madig machen, müssen aber einen Interessenausgleich finden, um die Nachtruhe zu gewährleisten", erläutert der OB. Da er an diesem Abend nur verständnisvolle Studenten angetroffen habe, hoffe er nun, dass diese die Botschaft weitertragen und sich alle künftig so umsichtig wie möglich verhalten würden. Der Bamberger Polizeichef betont, dass es in den letzten Wochen mehr als 60 Gespräche auf der Unteren Brücke gegeben habe. Damit wolle man eine Eskalation verhindern und um Verständnis für die Nachtruhe werben. Drastische Maßnahme wie das Aussprechen von Platzverweisen oder eine Brückenräumung will die Polizei derzeit nicht anwenden.