Ab Montag um 16.00 Uhr hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten in sämtlichen Briefsortierzentren in Bayern (Augsburg, Kempten, Bayreuth, Amberg, Freising, Landshut, München, Nürnberg, Rosenheim, Starnberg, Straubing, Regensburg, Würzburg und Bamberg) zu unbefristeten Warnstreiks aufgerufen.

"Wir werden nun täglich die Anzahl der in den Streik einbezogenen Zustellkräfte in Bayern erhöhen und so den Druck auf die Post steigern", kündigte Anton Hirtreiter von ver.di Bayern an.

"Wir wollen mit dem unbefristeten Arbeitskampf die Tarifauseinandersetzung zuspitzen. Deshalb werden die Briefsortierzentren nun so lange bestreikt, bis Verdi den Arbeitskampf für beendet erklärt", wird Landesbezirksfachbereichsleiter Anton Hirtreiter von Verdi Bayern in einer Pressemitteilung zitiert.

Für die Postkunden wird es nach Einschätzung der Gewerkschaft diesmal noch härter kommen.

"Es wird zwangläufig größere Berge an Briefen und Pakten geben", ist sich Verdi-Sprecher Jan Jurczyk sicher. Nach der Nadelstich-Taktik der vergangenen Wochen werde es nun darum gehen, "möglichst effizient" zu streiken und auch Wirkung zu erzielen.

"Wer nach sechs Verhandlungsrunden mit zehn Verhandlungstagen nicht in der Lage ist, einen tragfähigen Kompromiss mit Verdi zu vereinbaren, der will offenbar keine Lösung am Verhandlungstisch", sagte Hirtreite in einer Pressemitteilung. "Einem kerngesundem Unternehmen, das jährlich steigende Gewinne und Dividendenerhöhungen verkündet, dürfe man es nicht durchgehen, dass es sich durch Vertragsbruch zu Lasten der Beschäftigten bedient. Die Post hatte fast zehn Wochen Zeit, einen Streik zu verhindern, jetzt gibt"s keine Streikpause mehr", sagt Hirtreiter.

Durch den unbefristeten Poststreik werde die Briefbearbeitung weitgehend zum Erliegen kommen, kündigte Hirtreiter an.

Nach sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden ist die Stimmung auf beiden Seiten mehr als angespannt. Während Verdi offen über ein Imageproblem der Post durch eine "große Verunsicherung" der Beschäftigten und zunehmend "chaotischere" Betriebsabläufe spricht, kontert Post-Sprecher Dirk Klasen: "Das ist Unsinn." Verdi solle sich stattdessen Gedanken über das eigene Image machen.

In dem seit Monaten schwelenden Konflikt sieht die Gewerkschaft nun aktuell keinen Gesprächsbedarf mehr und will stattdessen aufs Ganze gehen.

Vergangene Woche hatte die Post ein Verdi-Ultimatum verstreichen lassen und sich damit den Zorn der Gewerkschaft zugezogen.

Auf eine nach der Satzung mögliche Befragung der Mitglieder per Urabstimmung habe man vor der Entscheidung zum Streik bewusst verzichtet, so Jurczyk. Hintergrund sei eine "tiefe Verankerung" der Gewerkschaft in der Belegschaft und ein "hoher Organisationsgrad". Genaue Zahlen dazu möchte Verdi allerdings nicht nennen.
Verdi geht davon aus, dass auf den Bonner Logistikkonzern durch die unbefristeten Streiks gewaltige Probleme zukommen. "Ich habe keine Ahnung, wie die Post das bewältigen will", sagt Jurczyk. Nach der Erfahrung der wochenlangen Warnstreiks gibt man sich bei der Post dagegen noch betont gelassen.

Die Streikauswirkungen hätten sich tatsächlich bislang "in Grenzen" gehalten, sagt Post-Sprecher Klasen. Hintergrund sei auch eine mit Millionenaufwand seit Mitte der 90er Jahre betriebene Modernisierung der Brief- und Paketzentren. Während Zusteller nicht ohne Weiteres zu ersetzen seien, könnten etwa Verwaltungsbeschäftigte in den Verteilzentren eingesetzt werden. "Die gehen dann mal Pakete auflegen", so Klasen.

Erst vergangenen Monat hatte das Arbeitsgericht Bonn entschieden, dass die Post im aktuellen Tarifkampf weiter Beamte als Ersatz für streikende Angestellte einsetzen darf.

Neben ihren rund 140.000 Angestellten hat die Post auch etwa 38.000 Beamte, die nicht streiken dürfen.

Mittlerweile muss jedoch pro Tag bei der Post eine Flut von durchschnittlich etwa 3,5 Millionen Paketen bewältigt werden. Welche Vorbereitungen der Konzern für die seit Tagen angekündigte Eskalation des Tarifkonflikts getroffen hat, will der Sprecher nicht verraten. "Wir werden alles tun, damit die Auswirkungen so gering wie möglich gehalten werden", heißt es lediglich.

In dem Tarifkonflikt geht es um Bezahlung und Arbeitszeit für rund 140.000 Beschäftigte.

Kern des Streits aber sind die angekündigten Sparmaßnahmen des Unternehmens mit dem Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung, bei denen rund 6000 Paketboten nicht mehr nach dem Haustarif der Post, sondern nach den oft niedrigeren regionalen Tarifverträgen der Logistikbranche bezahlt werden.

Hintergrund: Was Paketboten verdienen


Deutsche Post AG: Die Deutsche Post zahlt nach eigenen Angaben Durchschnittslöhne von 17,72 Euro pro Stunde. Das variiert, je nachdem, wie lange der Paketbote beim Unternehmen ist. Das Einstiegsgehalt liegt bei 11,78 Euro, dazu kommen aber Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Inklusive Zuschläge zahle die Post ein Einstiegsgehalt von 13,72 Euro.

Delivery GmbH: Bei den ausgegliederten regionalen Gesellschaften werden pro Stunde im Schnitt 13 Euro gezahlt. Das variiert je nach Region, die Bandbreite reicht laut Post von 10,32 Euro bis 18 Euro pro Stunde. Dazu können leistungsbezogene Zuschläge und Zuschläge nach regionalen Tarifverträgen kommen. Weihnachts- und Urlaubsgeld gibt es der Gewerkschaft Verdi zufolge nicht.