Was genau passieren könnte, weiß keiner so recht. Eigentlich sind es nur Kästen, die sich aus- und wieder einfahren lassen. "Senkelektranten" heißen sie offiziell. Und dann gibt es noch Stromentnahmestellen in Zylinderform, verbunden mit den alten Straßenlaternen. Leuchten wie Stromverteiler sind in die Jahre gekommen.

Ein Elektrant gegenüber der Martinskirche lässt sich zum Beispiel gar nicht mehr vollständig im Boden versenken - Stolpergefahr. Eine andere Stromentnahmestelle ist nicht viel mehr als ein Provisiorium. Es befindet sich im Bereich Lange Straße/Grüner Markt und wird von einer grauen Plastikbox abgedeckt.
Dass diese "Kiste" gerade am Eingang der Fußgängerzone steht, bezeichnete Birgit Dietz (CSU) in der Sitzung des Bau- und Werksenats als "traurig." Ursula Sowa von der Grün-Alternativen Liste (GAL) fände es "schrecklich, wenn sich die Stadt mit diesen Stümpfen blamiert".

Doch irgendeine Stromzufuhr ist notwendig, zum Beispiel für die Verkaufswagen der Marktbeschicker. Deren Gebühren zugunsten neuer Strom-Entnahmestellen zu erhöhen, mit diesem Gedanken spielte mancher Stadtrat in der Sitzung. Pankraz Deuber (BUB) merkte allerdings gleich an: "Das über die Marktgebühren mit reinzukriegen, sehe ich kritisch. Das gibt Feuer auf dem Dach."

Auch Ralf Haupt, Ordnungs- und Umweltreferent, sagte prompt: "Ich lade gerne die Fraktionssprecher zu einem Gebühren-Gespräch mit den Marktkaufleuten ein." Doch wie kommt man überhaupt auf diese? Es ist die Suche nach Geld. Nicht nur Heinz Kuntke (SPD) gab zu, dass er in Sachen Deckungsvorschläge ratlos sei.
Ursprünglich hatte der Bau- und Werksenat vergangenes Jahr dem Finanzsenat die Bündelung zweier Maßnahmen empfohlen: erstens den Austausch der alten Straßenlaternen am Grünen Markt ("Winklerleuchten") gegen neue Lichtstelen. Diese Arbeit laufen derzeit. Und zweitens die Erneuerung der Stromversorgung. Denn die ist teilweise an die Winklerleuchten angebunden.

So kommt es zu dem Erscheinungsbild, dass die alten Laternen "abgeschnitten" sind, die Stromentnahmestellen als Stumpf aber weiter bestehen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, sieht derzeit am Grünen Markt sämtliche Stadien.
Soweit kommen konnte es, weil der Finanzsenat 2014 eben nicht das Komplett-Paket verabschiedet, sondern nur Mittel für den Austausch der Leuchten bereitgestellt hatte. Für eine Erneuerung der Stromversorgung wurde das Geld nicht bewilligt.

Stadtrat Norbert Tscherner (BBB) regte sich über diese "Fehlplanung" auf. Denn wie sich im Verlauf der Sitzung herausstellte, bereitete die Sicherheitsfrage den Stadträten Bauchschmerzen. So führte Ordnungsreferent Ralf Haupt zwar aus, dass man den nicht mehr einfahrbaren Stromkasten mit Baken umstellen könnte, damit niemand darüber stolpert. "Das würde allerdings die Hässlichkeit noch mehr erhöhen."

Ebenfalls nicht ansehnlich, jedoch sicher sei das Provisorium mit Plastikkiste an der Langen Straße. Angespannter wurde die Diskussion nach der Äußerung von Klaus Rubach, Geschäftsführer der Stadtwerke: "Die elektrische Installation dient allen Veranstaltungen in diesem Bereich. Das Blues- und Jazzfestival oder ,Bamberg zaubert‘ ziehen viel Strom."

Leistungsgrenze erreicht

Einige der Entnahmestellen haben laut Ralf Haupt ihre Leistungsgrenze allerdings erreicht. So sprach Stadtwerke-Chef Rubach von einer teilweise "abenteuerlichen Stromversorgung". Eine Formulierung, die bei Michael Bosch (BR) die Alarmglocken schrillen ließ. "Dieser Zustand ist nicht tragbar!" Er sehe nicht nur die Gefahr, dass jemand über einen Kasten falle. Sondern, "dass bei einer Veranstaltung etwas passiert". Kommentar von Klaus Rubach: "Ich kann die Aussage von Herrn Bosch nur bestätigen. Der Finanzsenat hat sich damals bewusst über die technische Einschätzung hinweggesetzt."

Die aufgebrachten Stadträte einigten sich, dass man zumindest die zwei kritischen von insgesamt vier alten Stromentnahmestellen austauschen müsse - und zwar noch dieses Jahr. Ursprünglich war das erst für 2016 vorgesehen.
Referent Ralf Haupt hatte in der vorausgegangen Diskussion angemerkt: "Da rennen Sie bei mir offene Senkelektranten-Türen ein."

Allerdings: Es handelt sich bei dem Beschluss, noch 2015 tätig zu werden, nur um eine Empfehlung an den Finanzsenat - betreffend den Stromverteiler an der Langen Straße (mit grauer Kiste) und jenen herausstehenden auf Höhe der Hausnummer Grüner Markt 1.
Die 20 000 Euro hierfür möge der Finanzsenat aus der allgemeinen Rücklage abgreifen. Im kommenden Jahr solle die gleiche Summe für die zwei anderen Stromentnahmestellen - die immerhin bisher noch einigermaßen gut funktionieren - bereitgestellt werden. Zudem soll im Finanzsenat über die Sicherheitssituation berichtet werden. Der tagt wieder am 23. Juni. Dann möglicherweise mit einem neuen Tagesordnungspunkt.