Der Konversionssenat der Stadt Bamberg ist gewöhnlich nicht der Ort, wo die Emotionen hochkochen. An diesem Tag ist das anders. Bevor es im Rathaus um Fragen des Grunderwerbs auf früherem US-Gelände und um die Wohnungen der Pines-Housing-Area geht, bahnt sich eine Welle der Empörung durch die Fraktionen. Peter Neller (CSU) und Daniela Reinfelder (BUB) lassen ihrem Unmut freien Lauf.

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ist sichtlich verärgert. Nach der Sitzung wird er beim Bundesforstbetrieb in Hammelburg intervenieren. In seinem Schreiben ist von "massiven Einschlägen" die Rede. Schneidende Worte: "Man fragt sich, ob hier noch von Verkehrssicherung oder Waldpflege gesprochen werden kann?", formuliert der OB.


Vollernter im Einsatz

Der Grund für die Unruhe ist seit Mitte der Woche im Hauptsmoorwald dort zu besichtigen, wo die Mitglieder des Golfclubs Hauptsmoorwald ihre Bälle abschlagen. Binnen weniger Stunden hat ein Holzunternehmen im Auftrag der Bundesforsten Fakten geschaffen. Wie Mikado-Stangen liegen die Stämme vieler alter Kiefern im Wald verstreut. Vor allem entlang der Wege häufen sich die abgesägten Bäume, die Vollerntemaschinen haben ganze Arbeit geleistet.


"Wir sind die Bösen"

Ist das noch ordnungsgemäße Forstwirtschaft? "Wir sind die Bösen", begrüßt der zuständige Revierleiter Jens-Eckhard Meyer den Reporter beim Ortstermin mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen. Die Aufregung der Stadträte versteht er nicht. Die Bundesförster sprechen von Verkehrssicherung und dem langfristigen Aufbau eines Lärm- und Sichtschutzwaldes. Der letzte Durchholzung liegt acht Jahre zurück. In dieser Zeithabe die 40 Hektar große Fläche im Osten der Stadt an Holzmasse stark zugenommen.


Kiefern schützen nicht vor Lärm

Hört man Meyer, sind es gerade die langen Kiefernstangen, die dem auch im Regionalplan verankerten Ziel des Lärmschutzes im Weg stehen, weil sie mit kleinen Kronen auf großer Höhe die Schallwellen nicht wirklich bremsen können, wohl aber das Wachstum der unteren Baumschicht. "Indem wir die langen Kiefern rausnehmen, bekommen die mittelgroßen Laubbäume, vor allem die Eichen die Chance, einen breiten, astigen Wuchs zu entwickeln."

Wie wüchsig der sandige Hauptsmoorwald gerade für Laubbäume ist, zeigt die Fülle der Arten, die im Unterholz nach oben streben und dicht an dicht stehen. Man findet hier Traubeneichen, Feld- und Bergahorn, Birken, Vogelbeeren, Erlen, Kirschen und sogar die seltene Elsbeere. "Kiefern würden im Hauptsmoorwald in Reinkultur nie vorkommen" ist Revierleiter Anan Adeili überzeugt.


Den Bürgern ans Herz gewachsen

Freilich: Weil die Altvorderen auf den sandigen und im Untergrund stets auch feuchten Böden vor allem die genügsame Lichtbaumart kultiviert haben, ist es heute in erster Linie die Kiefer, die mit ihren unverwechselbaren rotbraunen Schäften die Bestände im Bamberger Osten prägt. Die ältesten haben 140 Jahre und mehr auf der Rinde und sind - wen wundert es? - den benachbarten Gartenstädtern ans Herz gewachsen.

Doch anders als die Spaziergänger haben die Forstleute nicht nur den Wald der Gegenwart, sie haben vor allem den der Zukunft vor Augen. Die Entnahme von jetzt über 400 Bäumen ist nur ein Schritt auf einem langfristigen Weg. In den nächsten Jahrzehnten soll der Kiefernforst in einen artenreichen Mischwald umgewandelt werden, bei dem der Nadelbaum nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Den Vorwurf, hier sei aus Renditegründen über Gebühr zugeschlagen worden, weist Meyer ebenso zurück wie die Kritik, Wald und Wege zu verunstalten. An einer Stelle im Wald will der Bundesforst eine etwa 300 Quadratmeter große Fläche auf Wunsch des Golfclubs aufgelichtet haben. Dass es eine solche Bitte gegeben habe, kann Golfer-Präsident Klaus Dirks aber nicht bestätigen.