Angeblich ist keine Gefahr in Verzug. Trotzdem ankern im Alten Kanal neuerdings rote Bojen vor jenem Abschnitt der historischen Kanalmauer, der seit Jahren darauf wartet, saniert zu werden.

Die Schwimmkörper seien als eine "Art Verkehrssicherung" und "frühzeitige Warnung" für die Boots- und Gondelfahrer gedacht, sagt Hans-Jürgen Rost vom Wasserwirtschaftsamt Kronach auf Anfrage.


Im 19. Jahrhundert errichtet

Akuten Handlungsbedarf an der Konstruktion aus großen Steinquadern - einem technischen Denkmal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - soll es nach wie vor nicht geben. Nach den 2010 sichtbar gewordenen Schäden wurde sie provisorisch gesichert und von der Last eines gusseisernen Krans befreit. Außerdem steht sie permanent unter Beobachtung. Man hat kleine Gipsstücke, sogenannte Spione, eingebracht. An ihnen lässt sich ablesen, ob sich die Mauer bewegt. Das ist laut Rost nicht der Fall. Sie sei schon längere Zeit stabil.

Trotzdem würde das Wasserwirtschaftsamt Kronach die Sanierung lieber heute als morgen angehen, ehe eines Tages wirklich Gefahr in Verzug ist. Doch der Fachbehörde sind nach Auskunft des zuständigen Abteilungsleiters die Hände gebunden, so lange die Stadt Bamberg nicht mit im Boot ist. Dazu müsste sie eine längst ausgehandelte Vereinbarung über die anteiligen Planungskosten für beide Seiten unterschreiben. Es geht um zunächst etwa 250 000 Euro. Die Stadt soll ein Fünftel übernehmen, also 50 000 Euro.

Der Bamberger Baureferent Thomas Beese nennt auf Anfrage zwei Gründe für die bislang verweigerte Unterschrift. Erstens habe man Sorge, dass die "Quotelung" eine Vorfestlegung für die eigentliche Baumaßnahme bedeuten könnte. Zweitens seien keine Haushaltsmittel vorhanden: "Und deshalb unterschreiben wir nichts!"


"Ein Trauerspiel"

Die Haltung der Stadt ruft bei Rost inzwischen Kopfschütteln hervor. Er spricht sogar von einem "Trauerspiel", weil in der Sache seit Jahren nichts vorangeht. Die Befürchtung des Baureferenten, Bamberg würde sich mit der Anerkennung des Planungskosten-Anteils quasi schon zur Übernahme von 20 Prozent der Baukosten binden, nennt Rost unbegründet: Die Planungskosten seien das eine, die Baukosten "etwas ganz anderes".

Wie teuer die Instandsetzung tatsächlich sein wird, steht noch nicht fest. 2014 legte das Wasserwirtschaftsamt eine Kostenschätzung von ungefähr 1,3 Millionen Euro vor - sofern es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Die sind bei einer über 150 Jahre alten Mauer, die noch auf Holzpfählen gründet, nicht ausgeschlossen.

Die 2010 aufgetretenen Schäden sollen von Ausspülungen im Füllmaterial hinter der Mauer herrühren.