Kenn' ich den nicht? Das ist doch ... Genau! Wer in diesen Tagen das Schlenkerla in Bamberg aufsuchte, zum Beispiel zu einem zünftigen Frühschoppen, konnte Tony Marshall entdecken, wie er sich sein Rauchbier schmecken ließ. Der Schlagerstar nutzte die Gelegenheit zu dem Abstecher nach einer Vertragsunterzeichnung mit dem Burgebracher Künstlermanagement Thomann. Der Vertrag sieht vor, dass Joseph "Johnny" Thomann ab sofort weltweit das persönliche und exklusive Management für Tony Marshall übernimmt.

"Wir freuen uns riesig über die Zusammenarbeit. Damit sind wir für das komplette Livegeschäft mit 80 Konzerten und einem großen Abschiedskonzert zuständig", schilderte Joseph Thomann. Ferner produziere, veröffentliche und vertreibe sein Künstlermanagement die demnächst im März erscheinende Abschieds-CD. Denn Tony Marshall möchte in den nächsten zwei Jahren ein letztes Mal durchstarten. Bis zu seinem 80. Geburtstag will er noch 80 Livekonzerte geben (eines auch in Bamberg) und sich dann mit einem großen Konzert in Baden-Baden endgültig von der Bühne verabschieden.

Tony Marshall selbst bestätigte, dass er und Johnny Thomann sich seit Langem kennen und auch schon öfters miteinander kooperiert hätten. Da die "Chemie" zwischen beiden stimme und er dem Frankenland mitsamt seinem Rauchbier und dem Frankenwein eh sehr angetan sei, habe er die Vertragsunterzeichnung gerne besiegelt.


Von der Oper zur "Maid"

Auch sonst zeigte sich der Schlagerstar sehr redselig und kramte gemeinsam mit der Lokalredaktion in alten Erinnerungen. So gestand er, dass er eigentlich alles andere als ein Schlagersänger werden wollte. "Ich bin Jahrgang 1938 und in meiner Kindheit gab es kein allzu großes Musikangebot. Wir hörten viel Klassik und ich war schon immer vom großen Enrico Caruso begeistert", erzählte Marshall. Daher beschloss er später auch, in die Fußstapfen des berühmten Opernsängers zu treten und studierte an der Musikhochschule in Karlsruhe Operngesang.

Nur durch Zufall traf er im Jahre 1971 auf den Erfolgskomponisten Jack White. "Ich dachte, wir produzieren zusammen ein paar Chansons oder Opernlieder. Doch Jack gab mir zu verstehen, dass dies keiner hören wolle und komponierte einfach das Lied ,Du schöne Maid'." Als Marshall es dann zum ersten Mal hörte, sei er zunächst aus allen Wolken gefallen und wollte sich weigern, das Lied zu singen. Aber da er vertraglich an White gebunden war, hatte er keine Wahl. "Meine letzte Hoffnung war, dass er mich rausschmeißt. Also kam ich betrunken ins Studio und sang alle Töne falsch." Doch Marshall hatte nicht mit der Gerissenheit des Komponisten gerechnet: Denn anstelle eines Rausschmiss mischte White den Song so ab, dass der Chor den Sänger übertönte und so am Ende dessen Misstöne gar nicht weiter auffielen.

Der große Durchbruch gelang ein Jahr später in der Fastnachtsendung "Mainz wie es singt und lacht". Die "schöne Maid" wurde zum Faschingshit. Bis heute verkaufte sich das Lied über drei Millionen Mal weltweit und wurde mit sechs goldenen Schallplatten ausgezeichnet.

Was folgte, ist bekannt. Tony Marshall wurde immer erfolgreicher und ging als der "Fröhlichmacher" in die Schlagerszene ein. Nur 1976 musste er einen Tiefschlag hinnehmen. "Ich gewann die deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Wurde aber kurz danach disqualifiziert, weil eine israelische Sängerin behauptete, mein Lied vor mir schon einmal öffentlich in einer Disco gesungen zu haben." Zwar stellte sich nach einem halben Jahr heraus, dass das nicht stimmte, aber da war der Contest bereits entschieden - ohne Tony Marshall.

Seine Entscheidung, der Schlagerbranche treu zu bleiben, hat Marshall, wie er betont, nie bereut. Er habe viel erlebt, sei in der ganzen Welt herumgekommen und mit großen Künstlern aufgetreten. "Ich habe bis heute noch großen Spaß auf der Bühne und mit meinen Fans. Dennoch: Mit 80 Jahren ist Schluss. Ich will schließlich nicht als alter Tropf bemitleidet werden."

Und es werde auch kein Comeback geben. Denn Tony Marshall möchte sich dann ganz seiner Frau, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist, sowie seinen vier Kindern, fünf Enkeln und einem Urenkel widmen. "Und natürlich sage ich nicht nein zu einem guten Essen und einem guten Wein oder Rauchbier", scherzt er. Somit werden wir ihn sicherlich noch öfters in Bamberg und Umgebung antreffen. Spätestens aber am 6. Januar 2017 in der Konzerthalle ...