Sein Mandant tue sich schwer, über das Unglück zu reden, schickte Rechtsanwalt Manfred Tysiak voraus. Und so war es auch: Der junge Mann aus einem Ort im östlichen Landkreis beantwortete am Donnerstag zwar alle Fragen von Jugendrichter Martin Waschner, sagte aber kein Wort mehr als unbedingt nötig. Meist saß der 18-Jährige mit gesenktem Blick in Sitzungssaal 031 des Bamberger Amtsgerichts.

Peter (Name von der Redaktion geändert) musste sich für einen Unfall im April 2015 verantworten, an dessen Folgen ein sehr guter Freund starb. Ein anderer Kumpel und Beifahrer wurde so schwer verletzt, dass er sein Leben lang an den Verletzungen leiden wird.

Nach Waschners Urteil hat sich der Angeklagte einer fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht.


Tempolimit inzwischen geändert

Der tragische Unfall passierte auf der nicht befestigten Straße, die von Lindach steil hinunter nach Melkendorf führt und mehrere Bodenwellen beziehungsweise große Schlaglöcher aufweist. Damals waren dort 50 Stundenkilometer erlaubt. Nach dem Unglück wurde das Tempolimit auf 30 km/h gesenkt.

Zurück zum April 2015. Peter verlor auf einer 17,5 Prozent steilen Gefällstrecke die Gewalt über den Wagen. Das Auto fuhr trotz einer Vollbremsung gegen einen Baum. Der 20-jährige Beifahrer war angegurtet und überlebte schwer verletzt. Ein 18-Jähriger, der auf der Rückbank saß und nachweislich nicht angeschnallt war, erlitt schwerste Kopfverletzungen: Er war erst gegen den Überrollkäfig im Fahrzeug gedrückt und dann aus dem Auto geschleudert worden. Zwei Tage später starb der junge Mann. Der Fahrer, der ebenfalls angegurtet war, kam mit einer verletzten Lippe davon.


Zu schnell für das Gelände

Unfallursache war ein für das Gelände zu hohes Tempo. Nach den Berechnungen eines Kfz-Sachverständigen muss der Wagen zwischen 55 und 61 Stundenkilometer schnell gewesen sein. Die Spurenlage bestätigte, dass es eine Vollbremsung gab. Sie blieb auf dem rutschigen Untergrund aber erfolglos, wie der Experte sagte.

Er berichtete auch von einem Selbstversuch mit einem Kfz ähnlichen Typs und Alters wie das Unfallfahrzeug. Seine Erkenntnis: Das Unglück wäre wohl auch mit - theoretisch erlaubten - 50 km/h passiert. Er empfand schon seine Testfahrt mit 44 km/h als "gewagt".


Als Schlittenstrecke bekannt

Die steile Bergstrecke war den drei Freunden bekannt. Erstens, weil die im Winter für Kraftfahrzeuge gesperrte Straße wohl eine beliebte Schlittenabfahrt ist. Zweitens, weil sie die Ortsverbindung erst kurz vor dem Unfall bergauf befahren hatten.

Weil es dort so steil ist, habe Peter bergauf anhalten und die Allradfunktion zuschalten müssen, erinnerte sich der Beifahrer als Zeuge. Es handelt sich um einen 20-jährigen Mechatroniker.

Er erlitt beim Unfall unter anderem Brüche dreier Brust- und eines Halswirbels und büßte die Beweglichkeit des rechten Zeigefingers ein. Seit dem Apriltag ist er krankgeschrieben und berufsunfähig. Er müsse wohl eine Umschulung machen, gab er Auskunft. Hoffnungen, dass seine Schmerzen im Rücken und der Hand vergehen, hätten ihm die Ärzte nicht gemacht.Sein heutiges Verhältnis zu Peter nannte der Zeuge "schwierig". Er mache ihm schon Vorwürfe - auch wenn der andere seiner Meinung nach "fertig" ist.

Auffallend gerast ist der Wagen mit den jungen Leuten wohl nicht. Das zeigte die Zeugenaussage eines Rentners. Der Bamberger war damals auf der selben Waldstraße unterwegs gewesen und hatte das von hinten nahende Auto passieren lassen: nicht, weil er sich bedrängt gefühlt hätte, sondern, weil er gemütlich weiterfahren und sich umschauen wollte.
Der 75-Jährige war wenig später als Erster an den Unfallort gekommen und hatte einen Notruf abgesetzt.


Urteil soll erzieherisch wirken

Das Urteil atmet den Geist des Jugendstrafrechts: Nicht der Sühnegedanke steht im Vordergrund, sondern der erzieherische Effekt. Der Angeklagte muss 800 Euro an seinen Beifahrer zahlen, ein Aufbauseminar für Fahranfänger besuchen und er darf zwei Monate lang kein Kraftfahrzeug führen. Das entspricht weitgehend dem Plädoyer des Verteidigers.

Der Richter sprach, was die rechtliche Würdigung des Unfalls angeht, von einem "Grenzbereich". Der Angeklagte sei zwar nach dem Gesetz erwachsen gewesen, aber nur knapp über 18. Er lebe auch noch zu Hause, was jugendtypisch sei. Zu seinen Gunsten sprach seine Entschuldigung bei den Eltern des getöteten Freunds und ein eingeordnetes Leben ohne schädliche Neigungen. Alkohol war nicht im Spiel.

Staatsanwalt Thomas Heer hatte für eine Jugendstrafe von sieben Monaten und drei Monate Fahrverbot plädiert.

Der überlebende Mitfahrer und die Eltern des Opfers waren Nebenkläger im Verfahren. Wie der Rechtsanwalt der Familie sagte, hätten seine Mandanten lange überlegt, ob sie Nebenklage erheben.

Sie hätten es getan, um in zwei Dingen Klarheit zu erhalten. Sie wollten aus dem Mund des Unfallfahrers hören, was passiert ist; und sie möchten wissen, ob stimmt, was man im Dorf erzählt: dass Peter kurz nach dem Unfall recht wild mit seinem Moped unterwegs gewesen sei.
Das stritt der Angeklagte ab. Er will das Moped nach Erhalt des Führerscheins abgemeldet haben.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.