Die Titeloptik des Fränkischen Tags, der Bayerischen Rundschau und des Coburger Tageblatts vom 14. Januar setzt sich herausragend mit dem Wert der Pressefreiheit auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt der Bayerische Journalistenverband (BJV). Die Titelseite zeigt Mitarbeiter der Redaktion mit einem Schriftzug "#Lügenpresse". Der Begriff war am Vortag zum Unwort des Jahres gekürt worden.

Nach den Terroranschlägen auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" hatte der BJV diesen Wettbewerb angestoßen. Der Mordanschlag , so hieß es in der Ausschreibung, war der grausame Höhepunkt, wie Zensur und Gewalt im Namen der Religion die Pressefreiheit beschneiden. Die Preisverleihung fand am Sonntag Tag der Pressefreiheit im Presseclub München statt.

"Wo ist bei der Pressefreiheit der Stolz, Erster sein zu wollen?", sprach der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbandes, Michael Busch, am Sonntag bei der Preisverleihung im Presseclub München den weltweit zwölften Rang Deutschlands bei der Pressefreiheit an. Das erst kurze Jahr 2015 mit den Anschlägen von Paris und dem Absturz der Germanwings-Maschine werde sich tief in das Bewusstsein auch von Journalisten einprägen. "Es ist keine Mohamed Karikatur", leitete er zur Preisverleihung über. "Weil andere Werke besser waren. Und weil wir uns - auch aus Furcht vor möglichen Anschlägen zum Beispiel auf unsere Geschäftsstelle - selbst einer Zensur unterworfen haben.

Die Redaktion zeigt Gesicht
"Es handelt sich um eine Sache des Augenblicks, eine Sache des Sehens. Das erfordert auch Mut", würdigte Michael Anger, stellvertretender Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, die ausgezeichnete Titeloptik mit dem Unwort des Jahres. Es gehe darum, den Einfall zu haben. "Die Redaktion stellt sich hin. Sie zeigt Gesicht." Wer wisse, dass es in Oberfranken zum Beispiel auch eine aktive rechte Szene gebe, könne das nur wertschätzen. "Die Redaktion bekennt sich sichtbar zur ihrer Arbeit und zu ihrem Selbstverständnis. Es gehört Mut dazu, sich im Rahmen der Anfeindungen und zwischen Wügida (Würzburg) und Nügida (Nürnberg) zu seiner Haltung bekennen. Sie greifen das Unwort des Jahres 2014 auf und bebildern es auf fast satirische Weise", begründete die Jury ihre Entscheidung. Michael Busch überreichte Ronald Rinklef, stellvertretend für die Redaktion, einen Scheck über 500 Euro.

Foto: Ronald Rinklef


"Wir freuen uns, dass unsere Titeloptik den Wert der Pressefreiheit offensichtlich ideal verkörpert. Die Idee ist sehr spontan bei der Morgenkonferenz entstanden", so der Chefredakteur der Mediengruppe Oberfranken, Frank Förtsch. "Unser Ziel war es, den pauschal diffamierten Medien mit dem Unwort des Jahres ein Gesicht zu geben, unser Gesicht. Wir wollten zeigen, dass hinter unseren Produkten - ob digital oder print - Menschen stehen. Menschen, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen. Menschen, die auch nach den feigen Anschlägen in Paris kritisch, differenzierend berichten werden. Wir wollten allerdings auch zeigen, dass sich jeder mit unserer Arbeit auseinandersetzen kann und soll. Gerne in gleicher Weise kritisch."

Der Chefredakteur der Mediengruppe weiter: "Uns war es ein Bedürfnis, jeden einzuladen, seine Meinung frei zu äußern. Das ist auch zu dieser Titeloptik selbst geschehen. Das Bild hat polarisiert. Die Meinungen gingen weit auseinander. Sie reichten von unterstützender Anerkennung bis unverhohlener Ablehnung. Intern wie extern. Ich bin den Kollegen dankbar, die diese Idee geboren haben. Genauso wichtig waren uns die differenzierenden Meinungen derjenigen Kollegen, die diese Optik nicht angesprochen hat. Unterschiedliche Meinungen. Meinungsvielfalt gerne auch in der Redaktion."