Erst im Dezember war eine Weißbuche gefällt worden, die auf der Landzunge unter der Oberen Brücke stand und der darauf stehenden Kreuzigungsgruppe zu nahe gekommen war. Begründet wurde die Aktion seinerzeit mit den Gefahren, die von den wild gewachsenen Bäumen ausgehen können - sowohl für die historische Brücke als auch die Denkmäler dort.

Wie real das Risiko ist, zeigte sich am Wochenende. In der Nacht zum Samstag riss vermutlich eine Sturmböe einen starken Ast ab und drückte ihn so unglücklich in Richtung der Kreuzigungsgruppe, dass die Figur der Maria vom Sockel gestoßen wurde.

Glück im Unglück war wohl, dass es zu dieser Zeit heftig geregnet hat. Deshalb waren kaum Passanten unterwegs, als der Ast brach und auf die Brücke fiel. Sonst wären womöglich auch Menschen zu Schaden gekommen. Freitags um 22 Uhr halten sich gewöhnlich viele Leute auf den beiden Rathausbrücken auf, sitzen bei schönem Wetter auch gern auf den Brüstungen. Insofern sei es Glück im Unglück gewesen, meinte am Sonntag Ulrike Siebenhaar, die Pressesprecherin der Stadt.

Wie hoch der entstandene Schaden ist, muss erst ermittelt werden. Von der gestürzten Figur brach der Kopf ab; auch der Korpus hat stark gelitten. Beides konnte man am Wochenende hinter dem Gitter liegen sehen, das die historische Figurengruppe vom Passantenstrom trennt.


2005/06 aufwendig restauriert

Die 300 Jahre alte Kreuzigungsgruppe ist ein Wahrzeichen der Oberen Brücke und ein Werk des Bildhauers Johann Leonhard Gollwitzer. Erst vor gut zehn Jahren war das barocke Ensemble mit großem Aufwand und für viel Geld restauriert worden.

Dem Zahn der Zeit mag man damals ein Schnippchen geschlagen haben. Doch alles restauratorische Können kann nichts gegen mechanische Einwirkungen wie jener von Freitagnacht ausrichten.

Prompt gibt es eine erste Forderung, alle Bäume auf der Landzunge zu entfernen. "Die Bäume (...) haben dort nichts zu suchen", stellt Andreas Stenglein fest. Der 88-jährige Bamberger argumentiert nicht nur mit der Gefahr, die die Bäume darstellen könnten, sondern auch damit, dass "sie vor dem Gebäude nichts zu suchen haben und die Draufsicht verhindern".

Tatsächlich war die Landzunge bis zum Wiederaufbau des im Krieg gesprengten Brückenbogens 1956 kahl. Erst danach wuchsen die Gehölze in die Höhe. Für viele Bamberger gehören sie heute zum Stadtbild. Entsprechend kritisch wurden in der Vergangenheit Eingriffe von Stadt und Wasserwirtschaftsamt am Baumbestand kommentiert und begleitet.


Mit Leitern, Sägen und Boot

In der Nacht zum Freitag war es die Freiwillige Feuerwehr, die - nach einem bei der Integrierten Leitstelle eingegangenen Alarm - auf der Oberen Brücke das Nötige unternahm. Der Einsatz gestaltete sich nach Angaben der Agentur News5 kompliziert. Um keinen zusätzlichen Schaden am Denkmal anzurichten, ging man mit Leitern und Sägen von oben und - mit Hilfe eines Boots - unten vor.

Weitere Sturmschäden aus Bamberg sind Feuerwehr und Polizei nicht bekannt. Im Hain hat es zumindest einen Baum erwischt, der an der Stengelallee stand. Weil er zum Hollergraben hin umfiel, war der viel begangene Weg am Wochenende dennoch ungehindert passierbar.