Es war Zufall: Das Fastenopfer, für das sich Pfarrerin Cornelia Meyer im Pfarrbrief stark macht, ist in diesem Jahr für die evangelisch-lutherische Kirche in der Ukraine bestimmt. Sonst hat sie nie so für eine Kampagne geworben wie dieses Mal. Zufällig war die Tochter Lena von Gabriele Schuster aus dem Kirchenvorstand im vergangenen Jahr in der Ukraine. Und: in zwei Wochen wird sie sich wieder auf den Weg dorthin begeben. Zufall.

Lena Schuster studiert an der Universität in Chemnitz Europa-Studien, in denen Wirtschaft und Sprachen die Schwerpunkte bilden. "Ich würde später gerne einmal in internationalen Unternehmen arbeiten", formuliert sie ihr Berufsziel.

Zufällig hat die TU Chemnitz, vermutlich noch aus DDR-Zeiten, eine Partnerschaft mit der Universität Tomsk nahe Novosibirsk, Sibirien. "Englisch spricht jeder, mit Russisch ist das schon anders", erklärt die 23-Jährige zu ihrer Motivation, zum Auslandssemester nach Sibirien zu gehen, um hier Russisch zu lernen.

Zufällig ist der Freund der jungen Frau Russlanddeutscher. Wenn er sich mit der Familie unterhalten hat, verstand sie nichts. Das hat sie gewurmt und den Ehrgeiz geweckt, Russisch zu lernen. Russisch, das wird verstanden in Weißrußland, Kasachstan, Estland, Lettland, Litauen, Moldawien und in der Ukraine, klärt sie auf.
Zufällig in die Ukraine ging die aus dem unterfränkischen Untersteinbach stammende Studentin gleich im Anschluss an das Auslandssemester in Sibirien. Denn hier konnte sie ein Praktikum in der kleinen evangelisch-lutherischen Kirche der Ukraine in Odessa absolvieren. Von Januar bis April 2014 kümmerte sie sich um arme alte Leute, um Obdachlose, um Kinder.

Schwierige Zeit

Zufällig entbrannte kurz nach dem Wechsel von Sibirien in die Ukraine der Konflikt um die Krim mit Russland. "Ich kam und eine Woche später der Konflikt, schlechter hätte es für mich nicht laufen können", sagt die Studentin. Eine ganz schwierige Zeit also für die junge Frau aus dem beschaulichen Steigerwald, und eine gefährliche obendrein: "Unser Pfarrer wurde bei einer Demonstration zusammengeschlagen." Auch in Odessa wurde demonstriert. Für den Anschluss an Russland und dagegen.

"Zum Glück hat man mich nicht nach meiner Meinung gefragt", zeigt sich Lena Schuster erleichtert. Russen und Ukrainer seien sich im Grunde sehr ähnlich, hat sie bei ihrem Auslandsaufenthalt festgestellt. Beide seien etwa sehr stolz und auch sprachlich verwandt. Man könne sich das so vorstellen wie etwa Deutsche und Holländer. Russen würden allerdings mehr verdienen als Ukrainer. Wohl ein Grund, warum etliche Richtung Russland streben. Andere wiederum orientieren sich eher nach Westen, das Gros der Ukraine.

Zufällig, als ihre Mutter zu Besuch war, gerieten die Beiden mitten in eine Demonstration hinein. Irgendjemand hatte ihr eine Ukraine-Fahne in die Hand gedrückt. Ein tolles Souvenir, fand sie und schwenkte das Fähnchen eine zeitlang, um das Erinnerungsstück dann einzupacken. Zufällig genau rechtzeitig. Denn nur wenig später kamen Pro-Russland-Ultras - ohne Polizei-Begleitung - anmarschiert.

Lena Schuster war vor Ort, als an einem Tag besonders gewalttätiger Demonstrationen etliche Menschen zu Tode kamen. Aber nicht so, wie die Berichte westlicher Reporter und Medien wiedergaben, hat sie übers Internet erfahren. "Die haben ganz eindeutig gelogen, das war falsch, was sie berichtet haben." Pro-Russland-Demonstranten, die vor einem Verwaltungsgebäude der Regierung campten, wurden plötzlich von ukrainischen Ultras angegriffen. "Das sind Nazis."

Die Separatisten flohen in das Haus, die Ultras zündeten es einfach an. "Da waren Menschen, drinnen!", schaudert die Studentin jetzt noch. Und es waren nicht die Separatisten, die das gemacht haben, betont sie. Ebenso, "ich bin weder für die einen noch für die anderen, aber man muss doch die Wahrheit berichten, auch wenn man aus dem Westen ist." Wer nun Recht hat, wird wie immer wohl wie immer in der Mitte liegen. Aber so wie vieles im Westen ankomme, habe sie es in der Realität in der Ukraine nicht erlebt, betont Lena Schuster.

Statt einer Andacht habe sie direkt auf die Spendenaktion für die Ukraine-Aktion der Kirche hingewiesen, kommt die Pfarrerin nach den Schilderungen wieder auf ihren Beitrag zu sprechen. Wie es der Zufall wollte, fragte sie Lenas Mutter, ob die Tochter nicht ihre eigenen Erfahrungen aus dem Land schildern könnte, in das die Spende gehen soll. Kein Problem, Lena Schuster macht das gerne, auch weil sie weiß, wie dringend die Ärmsten und Schwächsten Hilfe benötigen. In einem Konfliktgebiet, das nicht mal 2000 Kilometer entfernt ist.

Spende dabei

Zufällig reist sie demnächst wieder nach Odessa, um dort zwei Wochen Urlaub zu machen und zu helfen. Und da überbringt sie die Spenden gerne und überlässt nichts dem Zufall.