Innerhalb weniger Monate hat sich das Netz der Stromtankstellen nahezu flächendeckend über den Landkreis Bamberg ausgebreitet. Fast 30 neue Ladesäulen in 24 Gemeinden sind dazu gekommen - oder werden in nächster Zeit aufgestellt -, nachdem es vom Landkreis eine finanzielle Förderung gab.

Einige Skeptiker - auch in den Gemeinderäten die sich gegen das Landkreisangebot aussprachen - sind der Meinung, dass die immer noch sehr geringe Zahl der Elektrofahrzeuge die Anschaffung nicht rechtfertige. Dass die Neuzulassungen von Elektroautos in den vergangenen Monaten nicht ebenso stark gestiegen ist wie die Zahl der Stromzapfsäulen, überrascht Robert Martin, den Klimaschutzbeauftragten des Landkreises und treibende Kraft in Sachen Elektromobilität, jedoch kaum.


Dynamische Entwicklung

"Da ist derzeit so viel in Bewegung", stellt er fest. Zum einen ist das die staatliche Förderung, die schon länger im Gespräch war. Aber erst seit dem 18. Mai erhalten Käufer von neuen Elektroautos einen Zuschuss von 4000 Euro, für Hybridfahrzeuge sind es immerhin 3000 Euro. Viele Kaufinteressenten haben deshalb im Frühjahr ihre Entscheidung vertagt. Ob der Zuschuss dazu beiträgt, dem Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 näher zu kommen, lässt sich also noch nicht sagen. Im Landkreis Bamberg müssten es dann anteilsmäßig an die 2000 Stromautos sein. Aktuell liegt die Zahl noch im niedrigen dreistelligen Bereich.

Ein weiteres Kaufhemmnis, weiß Martin, ist die Aussicht auf einen entscheidenden Fortschritt in der Technologie - und die Hoffnung auf niedrigere Preise. Derzeit haben Elektroautos eine durchschnittliche Reichweite von etwa 140 Kilometern - stark abhängig vom Fahrstil, aber auch von der Außentemperatur -, bis sie nachgeladen werden müssen. Die Neupreise liegen zudem in der Regel deutlich über denen nahezu baugleicher Benziner-Modelle.

Nun hat zum Beispiel der US-Hersteller Tesla ein "Model 3" mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometer angekündigt, das zudem für gut 30 000 Euro zu haben sein soll - allerdings frühestens Ende kommenden Jahres. Bereits in diesem Sommer will in der gleichen Preisklasse BMW einen neuen i3 mit immerhin 200 Kilometer Reichweite auf den Markt bringen. Auch bei der Ladegeschwindigkeit erwartet Martin in nächster Zeit technische Weiterentwicklungen. "Es ist viel Dynamik im Markt, da muss man verstehen, dass viele Leute immer noch abwarten, obwohl sie der Elektromobilität aufgeschlossen gegenüberstehen", sagt Martin, der weiterhin optimistisch ist, dass sich das Modell durchsetzen kann. "Leasen statt kaufen", ist eine Empfehlung, die er den Unentschlossenen mitgeben kann.


Viele Karten

Mit der flächendeckenden Präsenz von Ladestationen will der Klimaschutzbeauftragte den Landkreis dafür rüsten. Ein möglichst einheitliches und weit verbreitetes Abrechnungssystem soll zur Akzeptanz beitragen. Denn die Vielzahl an Ladeverbünden, Ladekarten und Abrechnungssystemen schreckt möglicherweise so manchen Interessenten ab. "Am besten wäre es natürlich, wenn es einfach mit der EC-Karte funktionieren würde, die hat jeder", würde sich Robert Martin wünschen. Er verweist aber darauf, dass es auch zahlreiche Karten, Dienste im Internet oder Apps gibt, die helfen einen Weg durch diesen Dschungel zu finden.