Wieder war es eine sehr aufwendige Aktion! Schon Ende März war ein Hubsteiger zum Einsatz gekommen, um für Heidi und Heiner, das zweite Storchenpaar auf dem Stolzenrother Heinershof, ein neues Nest zu bauen. Die beiden Neuen hatten sich auch in diesem Jahr auf dem Schornstein des Backofens niedergelassen, obwohl man ihnen bereits im vergangenen Jahr ein neues Nest angeboten hatte. Auf dem Backofen konnten sie jedoch aus versicherungstechnischen Gründen nicht bleiben. Denn dort bäckt Heinershof-Chefin Tina Sickmüller mit ihrem Team allwöchentlich Brot. Das Storchenpaar überlegte lange, bis es das neue Nest annahm.

Bei der jüngsten Aktion ging es allerdings um etwas anderes: Ein Storchenbaby von Ali und Aline musste gerettet werden. Die Storcheneltern waren die ersten im Heinershof. Seit der Eröffnung des Schulbauernhofs 2013 wohnen sie auf dem steilen Dach. Fünf Junge waren vor kurzem geschlüpft. Sehr zur Freude der Montessori-Schüler aus Erlangen, die mit ihren Lehrern einige Tage im Schulbauernhof - eine Art Schullandheim - verbrachten.

Es war vor dem Gewitter am Dienstag letzter Woche: Die Kinder hatten gerade Vorlesestunde, als ein Mädchen beobachtete, dass ein Storchenkind aus dem Nest gefallen war und in der Dachrinne liegen blieb. Es war wohl das zuletzt geschlüpfte Baby von Ali und Aline. Aus Sorge, es könnte bei dem Regen in der Dachrinne ertrinken, wurde die Feuerwehr zu Hilfe gerufen.

Aufpäppeln im Tierpark

Die Steppacher Wehr rückte an, barg mittels Feuerwehrleiter das Junge aus seiner gefährlichen Situation und nahm es zur weiteren Betreuung erst einmal in ihre Obhut. Alle zwei Stunden wurde es mit eigens dafür ausgegrabenen Regenwürmern gefüttert. "Es hat sich gut erholt und war richtig fit", berichtete Karl Volland. Der Steppacher hat sich von Anfang an um die Stolzenrother Störche gekümmert.

Am nächsten Tag wurde der Höchstadter Storchenvater Edmund Lenz zu Rate gezogen. Lenz organisierte sogleich einen Hubsteiger und brachte das junge Storchenkind wieder hoch zum Nest. Dort musste er jedoch feststellen, dass die vier Geschwister etwa doppelt so groß waren, wie das aus dem Nest gefallene. Die Gefahr schien groß, dass das etwa drei Tage alte Baby wieder aus dem Nest fallen oder sogar herausgeworfen werden könnte. Junge Leute aus Steppach brachten das Kleine schließlich nach Nürnberg in die Aufzuchtstation des Tierparks, wo es sicher gut aufgepäppelt wird.

Weit weniger glücklich endete die Geschichte von Heiner und Heidi, die im Mai 2014 im Heinershof eingezogen waren. Nachdem sie eine Zeit lang zwischen den beiden freien Nestern pendelten, hätten sie sich doch für das im März für sie errichtete "Luxusappartement" auf dem Dach des Schulbauernhofs entschieden, erzählt Tina Sickmüller. Anfang Mai sei jedoch einer der beiden Störche plötzlich ganz apathisch vor der Haustür des Schulbauernhofs gelegen. "Ob es Heidi oder Heiner war, kann nur ein Tierarzt feststellen", erklärt Sickmüller. Auch das ruhige Krankenlager, das man ihm im Stall einrichtete, konnte das Tier nicht mehr retten. Der Storch starb in den Armen von Karl Volland. "Als hätte er auf Beistand gewartet", sagt Volland im Nachhinein. Storchenvater Edmund Lenz vermutete, dass der Storch etwas Vergiftetes - möglicherweise eine Maus - gefressen hatte.

"Total emanzipiert"

Somit leben derzeit auf dem Heinershof drei Störche und vier Jungvögel. Normalerweise bleiben Störche ja ein Leben lang zusammen, sagt Tina Sickmüller. Sie findet es toll, dass sich die Partner "total emanzipiert" gemeinsam um den Nachwuchs sorgen. Das heißt, dass sie sich das Brüten und Füttern teilen. Im Fall ihres verwaisten Storchs vermutet sie, dass er bereits wieder versucht, einen neuen Partner anzulocken: "Sobald er einen anderen Storch sieht, ist er fleißig am Klappern", hat Sickmüller beobachtet.

Jahrezehntelanger Kampf

350 Storchen-Brutpaare gibt es derzeit in Bayern, weiß Storchenvater Edmund Lenz zu berichten. Um 1900 habe man gerade mal 150 Brutpaare gezählt. Im Durchschnitt schlüpfen pro Paar jährlich vier Junge. Früher seien häufig drei davon durch die "Vernassung" der Nester oder durch Energieversorgungstrassen zu Tode gekommen, so dass nur noch ein Jungstorch übrig blieb. Michael Zimmermann (aus Erlangen) und Edmund Lenz kämpfen zusammen seit mehr als 30 Jahren für die Störche und machen die Nester wasserdurchlässig. Schließlich trug auch der Energieversorger durch das Einrichten von "Sitztraversen" dazu bei, dass mehr Jungtiere überleben. Das erkläre auch, weshalb im Aischgrund die größte Storchendichte in ganz Bayern zu finden sei.