In Hallstadt gibt es einen besonders überzeugten "Reichsbürger". Mit dem Mann hatten die Beamten der Polizei Bamberg-Land schon öfter zu tun. Aufgefallen ist der 54-Jährige erst vor wenigen Tagen wieder: abermals wegen Fahrens ohne Führerschein.

Zuletzt war der Mann vor eineinhalb Jahren ins Visier der Polizei geraten, als er bei einer Kontrolle den staunenden Beamten ein Fantasie-Dokument vor die Nase hielt. Statt eines Ausweises führte er einen Pass mit dem Namen "Reichs-Karte des Deutschen Reiches" bei sich. Inzwischen läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn.


Behörden langwierig beschäftigt

"Reichsbürger" sind nicht erst seit den tödlichen Schüssen im Oktober auf einen Polizisten im Landkreis Roth in der Region auffällig. Das Beispiel aus Hallstadt zeigt, dass die Personen der Gruppierung bisher zwar in der Regel nicht körperlich aggressiv auftreten. Doch beschäftigen sogenannte Reichsbürger meist langwierig die Behörden.

Wie viele es sind, ist meist schwer zu sagen: "Eine genaue Bezifferung ist nicht möglich, da die Zugehörigkeit zu dieser Gruppierung selten aktiv geäußert wird", erklärt Kreisjurist Steffen Nickel vom Landratsamt. Unter einem Dutzend sind der Stadt Bamberg bekannt, im Landkreis hält man sich mit Schätzungen bedeckt. Doch dürfte die Anzahl der "Reichsbürger" nach Recherchen dieser Zeitung im mittleren zweistelligen Bereich liegen.


Noch keine körperliche aggressiven Vorfälle bekannt

"Diese Personen fallen uns bei Kontrollen oder Ermittlungen auf, weil sie die Polizei und den Staat ablehnen und dies deutlich äußern", sagt Albert Häfner, Polizeichef der Inspektion Bamberg-Land. Auch er bestätigt: Körperlich aggressive Vorfälle seien bisher nicht bekannt geworden.

Heftige Drohungen, wie sie aktuell im Landkreis Forchheim aufgekommen sind, hat es demnach im Landkreis Bamberg noch nicht gegeben: In der vergangenen Woche soll ein "Reichsbürger" Angehörige und Bewohner in Hallerndorf bedroht haben. Das bestätigten Ermittler am Wochenende.

Verbal müssten sich die Beamten im Bamberger Landkreis dennoch einiges anhören, erklärt Häfner. Was immer mitschwinge: der Stolz, Reichsbürger zu sein.


Waffenbesitz auf dem Prüfstand

Das Beispiel des Mannes, der in Hallstadt auffällig wurde, zeigt außerdem, dass es sich in erster Linie um ein Männerphänomen handelt. Zumindest bei der Stadt Bamberg sind momentan keine Frauen aktenkundig: ",Reichsbürgerinnen‘ haben wir bisher noch nicht gehabt", sagt Steffen Schützwohl, Sprecher der Stadt Bamberg.

Nachdem ein männlicher "Reichsbürger" im Oktober im Landkreis Roth mit seiner legal besessenen Waffe einen Polizisten erschossen hatte, rückte jüngst Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Waffenbesitz in den Fokus. Ein generelles Waffenverbot für Personen, die als "Reichsbürger" bekannt seien, müsse kommen. Entsprechende Prüfungen scheinen nun zu laufen. Derzeit wollen weder Landratsamt noch Stadt Bamberg Angaben über den Waffenbesitz von "Reichsbürgern" machen.

Die hiesigen Behörden sind nach dem Vorfall im Landkreis Roth sensibilisiert. So will das Landratsamt Bamberg "die Sachlage beobachten und entsprechend intern prüfen, um so die Sicherheit der Landkreisbevölkerung aber auch die unserer Beschäftigten zu gewährleisten", heißt es.

Reichlich wirr klingt jedenfalls, was die Polizeibeamten von dem 54 Jahre alten Anhänger der "Reichsbürger"-Bewegung neulich in Hallstadt zu hören bekamen: Er hatte sich von den Einsatzkräften nicht als Bürger mit seinem Namen identifizieren lassen. Vielmehr sollten die Polizisten doch endlich begreifen, dass er ein "Mensch" sei.

Mehr wollte der Mann gegenüber den Beamten nicht mehr sagen - deren Legitimation erkennt er ja schließlich auch nicht an.