Sie kämen auf jeden Fall wieder, wenn der deutsch-holländische Stoffmarkt ein zweites Mal oder regelmäßig in Bamberg stattfände. Das versicherten uns vier Frauen einer Patchwork-Gruppe aus Forchheim, die gestern eigens nach Bamberg gefahren waren, um sich auf dem Maxplatz einzudecken.

Sonja Grasser, Brigitte Achhammer, Ingrid Kunz und Marlies Treitl trugen mittags schon prall gefüllte Kunststoffbeutel, die sie eindeutig als Kundinnen der eintägigen Veranstaltung auswiesen.

Ziemlich begeistert wirkte das Quartett, das schon andere Stoffmärkte besucht hat und sich ein Urteil zutraut. Auswahl, Qualität und Preise befanden sie gut. Vor allem lobten sie, dass es zwischen den Ständen ausreichend Bewegungsfreiheit gab.

Obwohl die angeblich 75 Händler alle Hände voll zu tun hatten, herrschte nirgends Gedränge. "Der Platz ist super", befand etwa Werner Kunz, ein Fierant aus dem Westerwald. Er beschickt ausschließlich Stoffmärkte, hat unter anderem Füllwatte, Vlieseline und Futterstoffe dabei, und könnte sich vorstellen, dass der 1. deutsch-holländische Stoffmarkt in Bamberg nicht der letzte war.

Ein Kollege von ihm zeigte sich nach den ersten Stunden ebenfalls schon sehr zufrieden mit dem Zuspruch. Ob es eine Wiederholung geben wird, sei aber ausschließlich die Sache des Organisators und Veranstalters.

Kritische Kommentare zu der farbenfrohen Veranstaltung hörten wir bei einer nichtrepräsentativen Befragung vor allem von älteren Besuchern.

Der Stoffmarkt mache dem örtlichen Handel Konkurrenz, deshalb fänden sie ihn nicht gut, gaben mehrere Gesprächspartner zu verstehen. "Die Mess' reicht für Bamberg" sagte beispielsweise ein älteres Paar, das gleichwohl ein Stück Wachstuch gefunden hat.

Auch Barbara und Manfred Heinz aus Bamberg schauten sich um. Beide kamen zu dem Schluss, dass man am Gardasee und in Baunach genau so gut und sogar günstiger Stoffe einkaufen könne.

Beeindruckt zeigten sie sich jedoch vom riesigen Angebot an Kurzwaren. Da sei eine Lücke in Bamberg entstanden. "Es fehlt der Kaul", stellte Manfred Heinz fest und seine Frau vermisst auch das Sortiment, das das Kaufhaus Honer früher bereit hielt. Beide Geschäfte waren Jahrzehnte lang nicht wegzudenken aus der Innenstadt und sind doch seit einiger Zeit Geschichte.

Stoffmärkte - es gibt zwei Veranstalter in Deutschland - profitieren von einer Renaissance des Schneiderns bei jungen Leuten. Das sagt Marko Krstic von der Expo Concept GmbH Essen, die Bamberg jetzt erstmals im Programm hatte. Tatsächlich fielen auf dem Maxplatz die vielen jungen Frauen mit Kinderwagen auf, die sich umschauten und einkauften.

Am Stand von Resi Tolle aus dem Sauerland war vor allem die Ecke mit Stoffresten für Kindersachen umlagert. Es hat sie nicht erstaunt. Wenn sie in ihrem Laden Kindernähkurse anbiete, seien die immer gleich ausgebucht, sagte die Händlerin.

Und was ist es, das bei jungen Leute die Lust auf Handarbeiten neu geweckt hat? Geld sparen sei eher zweitrangig, antwortete uns eine 30-Jährige auf die Frage. Für sie stehe das Selbermachen im Vordergrund.

Ihr kleiner Sohn bekommt jedenfalls neue Mützen und Schnullerbändchen aus bunten Stoffen, die seine Mama gestern für ihn gekauft hat.