Mit spitzbübischem Lächeln schleicht er in schwarzen Stoffslippern auf die Bühne, die wilde, schon immer irgendwie ergraute Lockenmähne wippt im Takt seiner Schritte. Bedächtig stellt er sich ans Mikrofon und beginnt, klar artikuliert und zugleich samtig weich flüsternd, aus dem Evangelium des Johannes vorzutragen. Dabei legt Angelo Branduardi, italienischer Liedermacher und Geiger, die Sentenz "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." im Sinne des Vollblutmusikers aus, der das Wort durch den Klang ersetzt. Auf diese Weise stimmt Branduardi seine rund 600 Zuhörer in der Bamberger Konzerthalle am Freitag auf einen Abend mit seiner Geige, mit gelegentlich philosophischen Exkursen und mit Vertonungen mittelalterlicher Texte ein.

Mit Retrospektive auf Deutschlandtour

Branduardi tourt derzeit, begleitet von einer vierköpfigen Band und unter dem Motto "Camminando Camminando", einer Retrospektive auf sein Werk, durch Deutschland. Bei seinen Konzerten spielt der mittlerweile 62-Jährige seine musikalischen Erfolge, etwa "Si puo‘ fare", "Fou de love" und "Domenica e lunedi", die auch auf dem Album "The Platinum Collection" zu finden sind. Branduardi unterhält sein Publikum mit den für ihn typischen Geschichten, gelegentlich spirituell angehaucht, etwa über Franz von Assisi.

Adaptionen und Übersetzungen alter Gedichte, Sagen, Märchen und Texte aus der jüdischen Überlieferung: Das ist der Fundus, aus dem der schüchterne Balladen-Interpret mit den exzentrischen Tanzbewegungen schöpft, meist auf Italienisch vorgetragen, dann wieder auf Französisch, Spanisch oder gar Lateinisch. Im Stile eines mittelalterlichen Barden will Branduardi mal unterhalten, dann wieder zum Nachdenken anregen. Das gelingt ihm auch bei seinem Bamberger Publikum augenscheinlich aufs Beste.

Auch wenn Branduardis Tonmeister nicht seinen besten Tag erwischt hatte, klingt die Band doch häufig zu laut und lassen die Boxen gelegentlich ein verdächtiges Rauschen hören, so dass die Musik bisweilen blechern und übersteuert von der Bühne schallt.

Stehende Ovationen

Mit der elektronisch verstärkten Geige wirbelt Branduardi, der den Soundtrack zur Verfilmung von Michael Endes "Momo" (1986) mit Armin Müller-Stahl und Mario Adorf in den Hauptrollen komponierte, über die Bühne, um dann wieder ruhig auf einem Barhocker zu sitzen und als Zugabe seines zweistündigen Konzerts auf der Gitarre "O sole mio" zu zupfen. Vom Publikum gibt es dafür stehende Ovationen und "Grazie, Angelo"-Rufe.