Die Gemeinde Stegaurach hat sich ein Filetstück mitten im Ort gesichert. Das Böttingersche Landhaus, auch als Böttinger-Schlösschen oder nur Böttingerhaus - nicht zu verwechseln mit dem in Bamberg - bekannt, ist sicher das eindrucksvollste historische Bauwerk im Ort. Es soll nun zu einem öffentlichen Gebäude werden.

In das barocke Landhaus, das der fürstbischöfliche Hofbeamte Johann Ignaz Michael Tobias Böttinger Anfang des 18. Jahrhunderts hier von Johann Dientzenhofer errichten ließ, sollen künftig Teile des Rathauses einziehen. Nach den Vorstellungen von Bürgermeister Thilo Wagner (FW-FL) kann dort der Sitzungssaal für den Gemeinderat eingerichtet werden. Ebenso kann hier ein repräsentativer Trauraum entstehen. Beides befindet sich derzeit im dritten Stock im Dachgeschoss des Rathauses - und ist weder sehr ansehnlich noch barrierefrei zugänglich.
Vor allem Letzteres ist ein wesentliches Argument für einen Teilumzug des Rathauses. Denn über die Rückseite ist ein ebenerdiger Zugang zum Gebäude möglich. Und auch wenn der künftige Sitzungssaal nicht auf dieser Ebene - unter wertvollen denkmalgeschützten Stuckdecken - sondern unterm Dach Platz findet, sei ein kleiner Aufzug problemlos einzubauen. Das habe auch eine Begehung mit dem Denkmalschutz bestätigt, erklärt Wagner. Zudem könnten Verwaltungs-, Besprechungs- und Tagungsräume eingerichtet werden.

Damit kann diese Investition helfen, an anderer Stelle Kosten zu sparen. Bei der notwendige Sanierung des Rathauses - es steht dort, wo früher die Stallungen für Pferde und Vieh des schlossartigen Landhauses waren -, ist man nun - etwa beim barrierefreien Ausbau - sowohl zeitlich als auch räumlich flexibler.

Ganz umsonst ist diese Lösung natürlich nicht. Für das Haupthaus samt Nebengebäuden und Garten auf rund 5600 Quadratmeter Grund zahlt die Gemeinde dem Bürgermeister zufolge 1,25 Millionen Euro Wie viel der Umbau kosten wird, das lasse sich noch nicht beziffern, schließlich könne man nun erst anfangen Pläne zu machen.

Als die Immobilie der Gemeinde angeboten wurde, habe sich der Gemeinderat "einstimmig für den sofortigen Kauf" ausgesprochen, so Wagner. Und das, obwohl bei anderen Großinvestitionen, wie derzeit etwa beim geplanten Kinderhaus mahnende Stimmen nicht fehlen. "Die Gemeinde wird das auch weiterhin ohne Neuverschuldung schultern", ist sich der Bürgermeister sicher. Und die zukunftsorientierten Investitionen würden schließlich den Bürgern zugutekommen.


Das Böttinger-Schlösschen


Bauherr des schlossartigen barocken Landhauses war der fürstbischöfliche Hofbeamte Johann Ignaz Michael Tobias Böttinger (1675-1730). Erbaut wurde das Anwesen in den Jahren zwischen 1693 und 1725 nach Plänen von Johann Dientzenhofer.

Böttingerhäuser Bis heute bekannt geblieben ist der Bauherr vor allem als Auftraggeber des Böttingerhauses in Bamberg, das zwischen 1707-13 erbaut wurde, Bereits wenige Jahre später ließ Böttinger ein noch größeres Haus für sich und seine Familie mit zwölf Kindern erbauen, das heute als Villa Concordia bekannt ist. Ein weiteres Landhaus von Böttinger befindet sich in Kolmsdorf (heute Gemeinde Walsdorf) im Aurachtal wenige Kilometer oberhalb von Stegaurach.