Deutschland hat gewählt. Und wie es nun scheint, ist die größte Schwierigkeit für Politiker gar nicht das Regieren, sondern das Bilden einer Regierung. Das weist eine gewisse Ähnlichkeit zum Studium auf.

Ich glaube nämlich mittlerweile nicht mehr, dass die schwierigste Aufgabe eines Studenten das Studium ist, sondern vielmehr das Bilden des Stundenplans. So entbrannte in diesem Semester, auch für die neuen Studenten, der Kampf gegen den bürokratischen Leviathan. Ich tue mich damit immer sehr schwer. Es gibt unterschiedliche Fristen und verschiedene Anmeldeformalitäten. Die meisten sind digitaler Form. Ich klicke mich also jedes Semester aufs Neue durch verschiedene Internetseiten. Was ich da genau mache, verstehe ich nicht und lebe immer mit der Angst, gerade eine Waschmaschine oder einen teuren Mobilfunkvertrag bestellt zu haben. Ich bin aber auch kein großer Freund des Internets - verglichen mit der Güte und Sachlichkeit des Papiers wirkt das Internet auf mich wie ein um Aufmerksamkeit quengelndes Kleinkind.

Bei der Auswahl der Kurse darf man auch nicht zu sehr auf eigene Vorlieben achten. Wichtiger ist, ob man dafür genug "ECTS-Punkte" bekommt - quasi die Währung für Studenten, mit der man sich am Ende seinen Abschluss kaufen kann. Wer darauf nicht acht gibt, kann noch so fleißig lernen, fertig mit dem Studium wird er nicht.

Um die Beschreibung nicht zu sehr ins sachlich Trockene abgleiten zu lassen, an dieser Stelle noch eine kurze Anekdote, die sich für den einen oder anderen als hilfreich erweisen könnte. Denn trotz zuweilen komplizierter Anmeldesysteme kann es passieren, dass zu viele Teilnehmer in einem Kurs erscheinen und ausgelost wird, wer bleiben darf.

Ich durfte miterleben, wie Dozenten mit einem Jutebeutel durch den Raum liefen und von den Studenten Zettel mit deren Namen einsammelten. Am Ende spielten die Lehrkräfte Glücksfee. Der ganze Raum schien nervös. Ich allerdings blieb ruhig, weil ich mir mit der Zeit einen Trick erarbeitet hatte. Die meisten meiner Kommilitonen rissen kleine, nahezu winzige Zettelchen von ihren Blöcken und schrieben ihre Namen darauf. Ich hingegen benutzte ein komplettes DIN A4 Blatt, das ich zu einem spitzen Trichter formte. Meine Theorie dahinter war, dass der Mensch - und der Dozent ist ja schließlich auch ein Mensch - ein neugieriges Wesen ist und von einem formschönen Trichter haptisch eher angesprochen werden würde als von einem schmalen Fetzen. Ich bekam schließlich Recht und Platz. Die Form ist eben doch wichtiger als der Inhalt.

Doch nicht nur der Start ins Studium, sondern auch der Wechsel von einer Universität zur anderen, bringt Probleme mit sich. Da ich bereits an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt zwei Semester studiert hatte, wollte ich mir einige der dort erbrachten Leistungen in die Bamberger Otto-Friedrich-Universität übertragen lassen. Seit der Bologna-Reform, die schließlich die internationale Vergleichbarkeit von Universitäten zum Ziel hatte, sollte das kein Problem sein. Soweit der Grundgedanke. Das internationale Konzept scheiterte allerdings schon hinter der hessischen Landesgrenze.

Nach einem bürokratischen Hürdenlauf erhielt ich für meine 22 Frankfurter "Credit-Points" schließlich 13 Bamberger "ECTS-Punkte". Aber wie meine Oma immer sagt: "Besser als nichts!".

Außerdem habe ich dabei etwas gelernt: Wenn man zusammen mit Universitätsangestellten über europäische Bildungspolitik schimpfen will, muss man nur versuchen, sich Leistungen einer anderen Hochschule anrechnen zu lassen. Das gibt indirekt auch Sympathiepunkte, denn nichts vereint so sehr wie ein gemeinsamer Feind. Aber vielleicht wird das alles nach Bildung einer neuen Regierung, wenn es denn wieder eine geben sollte, auch etwas leichter.

Das sind ja auch alles nur Kleinigkeiten im Vergleich zu den Herausforderungen, die uns das echte Leben stellt. Und natürlich hat das Studentenleben mehr zu bieten als das Zusammenstellen eines Stundenplans. Ich freue mich auf die Zeit in Bamberg und bin gespannt auf die Geschichten, die in diesem Semester geschrieben werden wollen.