Was bewegt die regionale Politprominenz, auf freiem Feld einen Kniefall zu machen oder eine sehr tiefe Verbeugung - im Anzug, mit Schlips und Kragen? Es ist das "königliche Gemüse", der Spargel, heiß ersehnter Gaumenschmaus im Frühling, dem da die Reverenz erwiesen wird. Regierungs- und Bezirkstagspräsidenten machen sich krumm, Parlamentarier des Bundes und des Landes stehen Pate, Landrat und Bürgermeister stimmen ein Loblied an: Hurra, der neue Spargel ist da! Jeder sticht ein paar Mal zu und schon ist ein Kilo geerntet. Pfarrer Eckhard Mattke richtet ein Wort des Dankes an den lieben Gott für diese gute Gabe.

Qualität und Frische
Die Spargelprinzessin Daniela I. schaut glücklich drein, denn ihre Regentschaft geht ins zweite Jahr. Und sie freut sich darauf, noch mehr Zeitgenossen das Beste aus heimischer Erde wärmstens zu empfehlen. In der ersten Runde tat sie es nach Kräften, bei der Prunksitzung in Burgkunstadt ebenso wie beim Maifest im Möbelhaus XXXL oder beim Kreiserntedankfest und vielen anderen Terminen. Ja, sie esse und koche selbst gerne Spargel, verrät die Prinzessin mit der silbernen Spargelkrone auf dem Haupt. "Fragen Sie vor dem Kauf gezielt nach der Herkunft des Spargels", empfiehlt die Studentin allen Feinschmeckern und Gesundheitsbewussten, die sich eine Spargelmahlzeit gönnen wollen.

Qualität und Frische schmeckt man. Wer es nicht glaubt, kann ja mal zum Beispiel frischen Hirschaider Spargel mit solchem vergleichen, der mitten im Winter nach einer Weltreise auf den Markt kommt.

"Wir sind unsere eigenen Polen!"
"Spargel macht schlank!" Ungeniert behaupten können das zumindest die Spargelanbauer, für die jetzt eine achtwöchige Fitnesswelle anläuft: Zweimal täglich muss - Beet für Beet - in tief gekrümmter Körperhaltung der Spargel gestochen werden, um Verluste zu vermeiden und den Markt, beziehungsweise den Endverbraucher, stets mit ganz frischer Ware zu versorgen. "Wir sind unsere eigenen Polen!", lacht Melanie Först. Die Tochter aus dem Spargelhof Büttel will damit sagen, dass die meisten Familienbetriebe die mühsame Saisonarbeit ohne fremde Hilfe stemmen. Das bestätigt auch Christine Müller, Fachberaterin für Gemüse am Gartenbauzentrum Kitzingen: In Oberfranken teilen sich 100 Betriebe 100 Hektar Spargelanbaufläche. In anderen Anbauregionen würden von einzelnen Spargelanbauern bis zu 100, häufig ausländische Saisonkräfte beschäftigt. Dabei dürfte ab sofort der in der Landwirtschaft von 7,40 auf bis zu 9,10 Euro steigende Mindestlohn auf die Marktpreise durchschlagen.

Bundesweit sei wegen des Mindestlohns, des damit verbundenen Verwaltungsaufwands und der Kontrollen durch den Zoll mit einer bis zu zehnprozentigen Preiserhöhung zu rechnen, meint die Expertin.

Die Spargelernte sei eben zu 100 Prozent Handarbeit, Spargel die arbeitsintensivste Freiland-Gemüsekultur. Trotzdem ist es erfreulich, dass der Spargelanbau noch immer gern betrieben wird. Für Unterfranken kann Christine Müller sogar über eine Steigerung der Anbaufläche von 1984 bis 2014 um 25 Prozent berichten. Tradition hat der Spargelanbau seit 1702.

Die Spargelzüchter lassen sich einiges einfallen, um ihr Produkt zu verbessern und die Saison zu verlängern. Hans Ott, der Sprecher der Hirschaider Spargelgemeinschaft, verweist auf Fortschritte in der Pflanzenzucht und bei der Ernteverfrühung. So sei vor 25 Jahren die Saisoneröffnung in der Regel um den 27./28. April erfolgt, heute sei man zehn Tage früher dran.

"Spargel macht schlank!" Das behaupten auch so stämmige Mannsbilder wie Regierungspräsident Wilhelm Wenning oder Hirschaids Bürgermeister Klaus Homann. Dass das bei ihnen jedoch nicht so recht mit dem Abnehmen durch Spargelmahlzeiten klappen mag, liege daran, dass es den Spargel nicht ganzjährig gebe, schränken sie augenzwinkernd ein.

Des Landrats Geheimnis
Johann Kalb verrät, dass er sich überhaupt nur deshalb um das Amt des Landrats beworben habe, um zu dem erlauchten Gästekreis des Spargel-Anstichs in Hirschaid zu gehören. Dass er das Gemüse auch trefflich zuzubereiten verstehe, will Kalb im Wettstreit mit dem Züchter Hans Ott unter Beweis stellen. Und seiner Cousine Hilde, der Kraus'n Wädda, zeigen, was er am Kochtopf drauf hat. Die freilich ließ die illustre Gästeschar nicht lange darben und kredenzte Spargel. Satt.

Gut, dass früh am Morgen ein Spargelbauer schon einen Korb voll weißer Stangen gestochen hat, dass fleißige Küchenhelfer die Stangen geschält haben und ein versierter Koch das Feingemüse auf den Punkt gegart hat. Denn kaum ist das Spargeljahr offiziell eröffnet, gibt's auch schon die erste Mahlzeit mit frischem Spargel, Bratwurst, Schnitzel, zerlassener Butter oder Sauce hollandaise und Kartoffeln dazu.
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