Einstimmig votierte der Stadtrat für ein elf Millionen Euro teueres Maßnahmenpaket, das die Grundlage für die Ansiedelung der Brose-Gruppe an der Bamberger Breitenau darstellt.

Ob es wirklich zum Bau eines Kompetenzzentrums kommt, entscheidet am heutigen Donnerstag die Brose-Gesellschafterversammlung, die in Bamberg tagt. In Bamberg gehen viele davon aus, dass es zu einem positiven Ergebnis kommen wird. Verkündet werden soll der Beschluss von Brose am Freitag in einer Pressekonferenz.

Als wichtige Grundlage für die Entscheidung des Automobilzulieferers wurde auch das einstimmige Votum des Stadtrats bezeichnet. Damit signalisiere der Stadtrat, dass er die Ansiedlung von Brose als eine große Chance für die Stadtentwicklung betrachtet, werden Teilnehmer der Sitzung zitiert.

Trotz der Einmaligkeit einer Ansiedlung eines Unternehmensstandorts für anfänglich 500, später 900 hochqualifizierte Arbeitsplätze, war das Maßnahmenpaket im Stadtrat nicht unumstritten. Vor allem der Zeitdruck, die Nichtöffentlichkeit wurden kritisiert . Auch die Finanzierung der elf Millionen Euro teueren Infrastrukturprojekte warf eine Reihe von Fragen auf.

Dennoch stimmten am Ende auch die Bamberger Grünen für die Voraussetzungen, die eine Ansiedelung möglich machen. Sie umfassen unter anderem den Abriss der Park- und Rideanlage an der Breitenau. Das 1999 fertiggestellte Parkhaus steht dem Neubau eines repräsentativen Firmengebäudes im Weg. Für Ersatz des mit Fördergeldern finanzierten und häufig unterbelegten Hauses soll an anderer Stelle gesorgt werden.

Auch die Umsiedelung der Sportplätze im Besitz der Stiftung des TSV Eintracht, die derzeit vom FC Eintracht genutzt werden, stellte keinen Stolperstein dar. Die Stiftungsräte haben einem Abriss des Vereinsheims zugestimmt, weil ihnen ein Neubau im Volkspark zugesichert wurde. Dort sollen auch die fehlenden Sportflächen realisiert werden. .

Sollte Brose die Entscheidung des Stadtrats bestätigen, wird sich an der Breitenau so gut wie alles verändern. Neben dem Abriss der Park- und Rideanlage geht es um die Umsiedelung des Traditionsvolksfestes Plärrer und um eine Erdverkabelung der 110-Kilovolt- Starkstromleitung, die vom Umspannwerk Bamberg Nord zur Kreuzung Berliner Ring /Memmelsdorfer Straße führt und zum Teil auch das Flugplatz-Gelände tangiert. Sie soll aus Sicherheitsgründen und gestalterischen Motiven in die Erd verlegt werden, was Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro verursacht. Wegen eines Ersatzstandortes für den Plärrer wird bereits verhandelt. Unter anderem ist der Bereich am Margaretendamm unweit der Stadtwerke-Zentrale im Gespräch.

Kostenmäßig am meisten wird die Aufrüstung des Flugplatzes zu Buche schlagen. Mit seinem Votum genehmigte der Stadtrat unter anderem die Verbreiterung der Landebahn auf 25 Meter, die Errichtung einer Toweranlage und eines Abfertigungsgebäudes sowie die Umzäunung des Flugplatzgeländes, zusammen 4,6 Millionen Euro. Die Nähe zum Flugplatz und dessen zeitgemäße Ausstattung war eine der wichtigen Kritierien einer gesamtfränkischen Standortanalyse, die die Brose-Gruppe vor wenigen Wochen vorgestellt hatte.

In der Diskussion war mehrfach von einer historischen Chance für Bamberg die Rede, wie Teilnehmer verrieten. CSU-Fraktionschef Helmut Müller, den wir am Rande der Stadtratssitzung um seine Einschätzung baten, nannte die Ansiedlung von Brose eine einmalige Möglichkeit der Stadtentwicklung für Bamberg. Zusammen mit den C Chance, die sich aus der Konversion ergäben, böte sich Bamberg die Aussicht, bis zum Jahr 2100 auf 100000 Einwohner zu wachsen. "Bamberg kann eine Großstadt werden."

Auch die Grünen stellten ihre Bedenken zurück. "Die Stadt muss viele Kröten schlucken, aber der Gewinn an zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen von 500 plus x, ist für uns so interessant, dass wir zugestimmt haben. Die Chancen überwiegen die Risiken", sagte Fraktionssprecherin Ursula Sowa.