Die Rede ist nicht von Büchern, sondern Medien. Denn in den vergangenen Jahren sind sie zum gedruckten Buch und zur Zeitung dazugekommen, die Musik-CDs, Hörbücher, CD-Roms, DVDs, Videos, Spiele, Bücher zu Fremdsprachen und Sprachkursen und natürlich die E-Books ("elektronische Bücher").

Alles Medien. 135.000 stellte die Stadtbücherei im vergangenen Jahr zur Verfügung, rund 10.500 aktive Benutzer haben sie ausgeliehen - 625.561 mal. Zahlen aus dem Jahresbericht, die eines aussagen: Die Bücherei wird genutzt. Leiterin Christiane Weiß betont: "Es ist Aufgabe einer Bücherei, die Teilhabe der Bürger am Lesen zu ermöglichen, und zwar zu einem anständigen Preis."

Es ist ein Satz, der so oder so ähnlich mehrmals während des Interviews fällt. Was die Büchereileiterin auch klar stellt: "Eine Bibliothek ist mehr als die Ausleihe von Medien." Sie spricht die "hohe Aufenthaltsqualität" der Einrichtung im Deutschen Haus in der Oberen Königsstraße 4a an, dass man sehr glücklich über den Neubau sei, in den man 2002 umgezogen ist. Und, dass die Bücherei für manchen Besucher den Tag strukturiere. "Wenn zum Beispiel jemand arbeitslos ist und regelmäßig hierher kommt", merkt Weiß an.

Andere, die regelmäßig kommen, sind die Veranstaltungsgäste. 322 Veranstaltungen und Bibliotheksführungen hat es vergangenes Jahr gegeben. Puppentheater, die erste Bamberger Büchernacht oder die zwei Ferienprogramme "Sommer-Leseolympiade" für Vier- bis Elfjährige und "Lesen-was-geht" für Elf- bis 16-Jährige sind Beispiele. Die Leseförderung kann in der Bücherei laut deren Leiterin bei Kleinkindern im Alter von einem dreiviertel Jahr ansetzen und sie bis zum sechzehnten Lebensjahr begleiten.

Angebot für Väter und Großväter

Da gibt es etwa das Projekt "Lesestart", ein bundesweites Programm zur Sprach- und Leseförderung. In Bamberg hat man nicht nur kostenlose Lesestart-Sets verteilt, sondern einmal im Monat samstagsvormittags ein Angebot speziell für Väter und Großväter eingeführt. Die Erwachsenen lesen dem Nachwuchs vor und "stellen fest, wie toll das ist", sagt Christiane Weiß.

Doch nicht alles ist "toll". So kritisiert sie ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes. Während Bücher als kulturelle Güter einem verminderten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent unterlägen, gelte dieser für die elektronischen E-Books nicht. Hier würden 19 Prozent fällig, da es sich nicht um physische Dienstleistungen handle. Christiane Weiß fordert eine Gleichstellung von E-Book und Printbuch. "Wann ist ein Buch ein Buch?", fragt sie.

Auch das Thema "Onleihe", also eine Plattform, auf der Leser mit Büchereiausweis das Medium ihrer Wahl auch online ausleihen können, beschäftigt Weiß. Die Stadtbücherei Bamberg ist eines von 21 Häusern im Verbund der "Franken Onleihe". 26.000 Medien stehen dort zur Verfügung, rund 38.500 mal wurden sie über das Bamberger Haus angefordert. Allerdings: Bibliotheken können laut Weiß zahlreiche Besteller zwar als gedrucktes Buch, nicht aber als Hörbuch ausleihen.

Eine Frage der Lizenzen

Nach dem geltenden Urheberrecht hätten Bibliotheken keinen Anspruch auf den Erwerb und Verleih elektronischer Medien - im Gegensatz zu gedruckten Büchern und Hörbüchern. Der Knackpunkt ist die Lizenzgebühr, über die es zwischen einigen Verlagen und Bibliotheken keine Einigkeit gibt. Leseratten merken das daran, dass sie beispielsweise ein E-Book über die Bibliothek ausleihen wollen, dieses aber nicht zur Verfügung steht. Bei vielen Lesern sind nach wie vor auch klassische Printmedien gefragt.

Georg Zirker etwa kommt zwei bis drei Mal pro Woche ins Deutsche Haus. Dort liest er Magazine, die "Süddeutsche Zeitung" oder die "Welt". Immer eine gute Stunde nimmt er sich Zeit. "Ich mag es, dass ich hier mehrere Zeitungen zur Auswahl habe, da kann ich Vergleiche ziehen", sagt er.

Dagegen interessiert sich eine Bücherei-Besucherin, die nicht namentlich genannt werden möchte, für Bücher, DVDs und Zeitschriften. Sie kommt jede Woche, seit 25 Jahren, und findet: "Für einen geringen Jahresbeitrag kann ich hier viel ausleihen." E-Books sprechen sie nicht an. "Ich bin eher der Papiermensch." Auch Büchereileiterin Christiane Weiß hat die Erfahrung gemacht, dass viele Besucher am "Knistern und den Geruch des Buches" hängen.

Rund 204.000 Gäste sind 2014 in die Bücherei gekommen. 60 ehrenamtliche und 19 hauptamtliche Angestellte gibt es, die den Informationsdurst der Besucher stillen helfen. Die Stadtbücherei, die von der Stadt Bamberg und dem Erzbistum gemeinsam getragen wird, hat Zweigstellen in der Gartenstadt, Bamberg Ost und der Wunderburg.

Da sind sie wieder, die Fakten und Zahlen. Und hier noch welche für Lesefans: Am 9. Mai geht die Bamberger Büchernacht in die zweite Runde. Vergangenes Jahr waren zahlreiche Interessierte gekommen - 200, um genau zu sein.

Die zweite Büchernacht

Termin Die zweite Bamberger Büchernacht findet am Samstag, 9. Mai, ab 17 Uhr statt.

Veranstaltungsorte sind die Buchhandlung Hübscher (Grüner Markt 16) und die Stadtbücherei (Obere Königsstraße 4a)

Karten und Informationen gibt es an den Veranstaltungsorten. Eine Karte berechtigt zum Besuch von vier Lesungen und kostet acht Euro.