Im Rathaus sieht man auch die Wirtschaft in der Pflicht.

Für US-Präsident Barack Obama war es eine Unterschrift unter dem Verteidigungshaushalt der Vereinigten Staaten, die Einsparungen in Milliardenhöhe bedeutet. Für den 56-jährigen Eduard Mayer aus Bamberg heißt sie, dass ein Teil seines bisherigen Lebens zu Ende geht: "Wir sind mit Jeans aufgewachsen und haben AFN gehört. Wenn die Amerikaner Bamberg verlassen, verliert die Stadt ein Stück Multikulti. Sie haben diese Stadt geprägt, wie es heute die Studenten tun."

Bamberg verliert mit dem Abzug der US-Streitkräfte nicht nur eine traditionsreiche Garnison. Es sind auch viele Jobs, die ersatzlos verschwinden. Eduard Mayer ist einer von über 400 Mitarbeitern der Zivilverwaltung, die vor einer ungewissen Zukunft stehen. Als Betriebsratsvorsitzender blickt er wie die meisten seiner Kollegen mit Wehmut auf die Ereignisse, die sich dieser Tage jenseits des großen Teichs abspielen. Das Dokument, in dem der US-Präsident die Standortschließungen der US-Truppen in Europa verfügt hat, liegt seit Anfang der Woche dem Kongress zum Beschluss vor. Jeden Tag rechnet man in Bamberg damit, dass die Standortstilllegung nun auch offiziell verkündet wird. Und mit ihr der Zeitplan. Denn noch immer fehlt die so genannte Schließungsliste. Aus ihr wird hervorgehen, wann in der Bamberger Kaserne die Lichter ausgehen werden.


Sorge vor dem sozialen Loch


Im Papier, das Obama unterschrieb, war von einem Zeitraum zwischen 2013 und 2015 die Rede. Dies ist die gute Nachricht in der schlechten, sagt Mayer: Die Beschäftigten des US-Standorts werden nicht von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern können sich darauf vorbereiten.

Die nächsten Monate wollen Mayer und seine Betriebsratskollegen nutzen, um dafür zu kämpfen, dass kein Beschäftigter der Army nach dem Abzug in ein soziales Loch fällt. Alle, die möchten, sollen die Perspektive für eine Weiterbe schäftigung erhalten. Wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sich die Arbeitgeber der öffentlichen Hand zum 1971 geschlossenen Tarifvertrag für soziale Sicherheit bekennen, der die bevorzugte Übernahme von US-Beschäftigten im Falle eines Abzugs verspricht.

Zumindest aus der Stadt gibt es Signale, dass man die Zivilbeschäftigten nicht im Regen stehen lassen will: "Wir fühlen uns verantwortlich für die Ersatzbeschaffung der Arbeitsplätze. Dazu bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung von allen Kräften", sagte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Als erster Schritt soll ein runder Tisch einberufen werden, an dem auch Vertreter des Landkreises, der Gewerkschaft, von Handwerk und Wirtschaft sitzen. Ziel ist es, für jeden Mitarbeiter entsprechend seiner Qualifikationen Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten zu prüfen.

Starke geht von bis zu 250 zu vermittelnden Personen aus. Keine Kleinigkeit, selbst wenn viele Behörden helfen. Auch die Unternehmen sieht der OB deshalb in der Pflicht: "Ich erwarte einen Solidarbeitrag der Wirtschaft, um diese schwierige Aufgabe zu meistern."

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