Der Erweiterungsbau für das Staatsarchiv an der Hainstraße nimmt Gestalt an. Aus elf Entwürfen, die zu einem Architektenwettbewerb des Staatlichen Bauamts eingereicht worden waren, ging der von Peter W. Schmidt (Pforzheim) als Gewinner hervor.

Alle neun Juroren - unter ihnen auch Archivdirektor Stephan Nöth als künftiger Nutzer und Bambergs Baureferent Thomas Beese - sprachen sich für Schmidts Entwurf aus.

Entwürfe ausgestellt

Bis er realisiert sein wird, dürfte es Herbst 2018 werden, schätzt Architekt Hubert Wagner vom Staatlichen Bauamt Bamberg, welches das 8,8-Millionen-Euro-Projekt im Auftrag und auf Kosten des Freistaats umsetzen wird.

Als Modell und in Form von Skizzen ist das geplante Bauwerk - zusammen mit anderen Wettbewerbsarbeiten - in der kommenden Woche von Montag bis Donnerstag in der ehemaligen Dominikanerbibliothek am Sitz des Staatlichen Bauamts, Kasernstraße 4, (jeweils von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr) zu sehen.

Dort wurde am Freitag der Siegerentwurf vorgestellt. Es handelt sich um ein gut 14 Meter hohes Bauwerk aus Beton mit einer vertikal gegliederten Fassade. Die innere Aufteilung über sechs Ebenen sieht man ihm nicht an.

Über Struktur und Farbe der Gebäudehülle ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Beides soll am fertigen Bau mit Hilfe von Farbmustern an Ort und Stelle entschieden werden - eine Herangehens-weise, die namentlich Schmidts Baumeister-Kollegen Beese und Wagner ausdrücklich begrüßten.

Kein Wunder. Der Neubau entsteht in einem besonderen städtebaulichen Spannungsfeld im Hainviertel: flankiert vom schlossartigen Archiv-Gebäude an der Ecke Hainstraße/Sodenstraße, neben dem Magazinbau an der Sodenstraße, das die Formensprache der 1960er Jahre trägt, und in direkter Nachbarschaft zu großbürgerlicher Wohnbebauung.

36 km Regalmeter

Schmidts Entwurf wird nach dem einstimmigen Urteil der Jury sowohl der Umgebung als auch den funktionalen Vorgaben am Besten gerecht. Nöth freut sich vor allem über die zusätzlichen Kapazitäten: Statt der geforderten 28 000 laufenden Regalmeter werden es 36 000 sein.

Luxus sei das nicht, sagte Nöth: Ein Archiv könne nie genug Platz haben. Zumindest auf absehbare Zeit dürfte der Neubau die Raumnot des Bamberger Staatsarchivs beheben. 300 bis 500 laufende Meter Akten muss Nöths Team pro Jahr unterbringen. Es handelt sich in der Hauptsache um Unterlagen aus staatlichen Behörden wie Regierung und Gerichten. Weil die Möglichkeiten schon lange erschöpft sind, hat das Staatsarchiv schon vor Jahren Akten auslagern müssen.

Seit Jahren geplant ist auch der Magazin-Neubau, der nun in greifbare Nähe rückt. Sein Standort wird die große Wiese hinter dem alten Magazinbau sein. Neues und bestehendes Magazin verbindet Schmidts Entwurf über transparente Brücken, so dass der Neubau nahezu frei stehen wird.

Von der (Schützen)Straße aus werden Durchblicke zur historischen Anlage möglich bleiben, zur privaten Nachbarbebauung hält er respektvoll Abstand. Ein Umstand, den insbesondere Baureferent Beese positiv hervorhob. Dem Bausenat des Stadtrats will er das staatliche Vorhaben noch im Juli vorstellen.

Fensterlos, aber nicht gesichtslos

Während die Fassade des Magazingebäudes aus den 1960er Jahren ungezählte Fenster aufweist, die freilich nie geöffnet wurden und werden, plant Schmidt sein Bauwerk ohne. Wenn ein Funktionsbau keine Fenster brauche, müssten auch keine vorhanden sein, sagt der Pforzheimer Architekt.
Bei den Mitgliedern des Preisgerichts kam seine konsequente Planung gut an, ebenso die vorgeschlagene Gliederung der Fassade mit unterschiedlich langen, vertikal angebrachten Betonstreben. Beim Pressegespräch versicherte Schmidt: "Was wir nicht wollen ist eine graue Betonkiste dort."