In über 600 Arbeitstagen haben fleißige Handwerker die große Baustelle im Herzen der Bamberger Altstadt bewältigt: Die barocke Martinskirche am Grünen Markt ist nachhaltig saniert und wird am Sonntag, 6. November, von Erzbischof Ludwig Schick im Rahmen einer festlichen Eucharistiefeier (10 Uhr) wiedereröffnet. Bis dahin sollen auch die letzten Außengerüste abgebaut sein.

"Wir sind mit dem, was wir machen wollten und gemacht haben, zufrieden", bilanzieren Architekt Johannes Sieben und Kirchenpfleger Georg Koch die vierjährige Sanierungsphase. Diese galt nicht einem "Luxusprojekt", wie sie sagen, sondern der "Pflege einer 300 Jahre alten Kirche nach den Plänen von Georg Dientzenhofer". St. Martin sei nun wieder standsicher und eine nächste Instandsetzung wohl erst wieder nach einer Generation, also nach etwa 30 Jahren, vonnöten.

Besonders freuen sich die beiden Männer über die unfallfreien Arbeiten auch in schwindelerregender Höhe auf dem Dachwerk des Gotteshauses. Kirchenpfleger Koch atmet obendrein darüber auf, dass die veranschlagten Sanierungskosten von fünf Millionen Euro "aus heutiger Sicht nicht überschritten werden".


170 000 Euro fehlen noch

Dennoch verhehlt der pfarrliche Finanzexperte nicht die Sorge, wie die Restsumme von 170 000 Euro der insgesamt erforderlichen Eigenmittel von 500 000 Euro noch aufgebracht werden können. Koch lobt die vielfältigen Aktionen des Fördervereins St. Martin, dank derer stattliche Mittel zugunsten des Pfarrkontos zusammenkamen. Auch viele Spender hätten ihr Scherflein beigetragen. "Aber noch reicht es nicht!" Ob da das Erzbischöfliche Ordinariat, das bereits den Löwenanteil der Gesamtkosten trägt, noch einmal nachlegt? Weitere Zuschussgeber sind die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesamt für Denkmalpflege.


Substanzschäden behoben

Die letzte statische Sanierung der Martinskirche erfolgte in den Jahren 1979/80. Im Jahr 2009 mussten tragende Bauteile kontrolliert und der statisch-konstruktive Zustand der Kirche beurteilt werden. Denn sichtbare Substanzschäden an der Dachkonstruktion des Chorumgangs, in der Kuppel und im Tonnengewölbe des Langhauses gaben Anlass zur Sorge. Zahlreiche Risse in den statisch hoch beanspruchten Bereichen sowie starke Verformungen an der Dachkonstruktion waren schließlich die Gründe für die Sperrung der Kirche im April 2012.
In den folgenden Jahren konnte St. Martin nur in einem Teilbereich für Gottesdienste genutzt werden oder war zeitweise sogar komplett gesperrt. Die Institutskirche am Holzmarkt wurde für die Pfarrgemeinde das Ausweichquartier.

Handwerkliche Kunst und moderne Reparaturmethoden haben sämtliche Substanzschäden instand gesetzt und notwendige Systemkorrekturen vorgenommen. Einige Zahlen, die für sich sprechen: 2520 Kilogramm Stahlteile wurden allein im Dachraum verbaut und 1654 Quadratmeter Bockshaut (Wärmedämmputz) auf die Gewölbeoberseiten zum Dachraum aufgebracht. An der Schaufassade zum Grünen Markt mussten 1500 laufende Meter Sandsteinfugen ausgebessert und 16 000 Kilogramm Trasskalk/-zement zum Verpressen von Rissen verarbeitet werden.


Restaurierter Innenraum

Der Kircheninnenraum erfuhr eine sorgfältige Restaurierung, das Kuppelfresko etwa oder die Chorseitenkapellen. Altäre und Gemälde wurden gereinigt und an Fehlstellen ausgebessert, barocke Kerzenleuchter poliert. Komplett erneuert werden mussten die Lüftungs- und Bankheizungssysteme sowie die Beleuchtung, zu der jetzt Strahler und Spots in energiesparender LED-Technik gehören.

"Wir danken ausdrücklich allen Nachbarn für die Geduld im Zusammenhang mit den Bauarbeiten", sagt Kirchenpfleger Koch nachdrücklich. Dank gelte auch der Pfarrgemeinde, wenngleich es etliche Mitglieder gebe, die wegen der anhaltenden Sanierung in andere Kirchen zum Gottesdienst abgewandert seien. "Wir hoffen, dass sie jetzt wiederkommen", so Georg Koch, der damit sicher Pfarrer Anton Heinz aus dem Herzen spricht.