28 Jahre. Eine Ära. So lange ist Konrad Gottschall mittlerweile als Vorstand für die Sparkasse im Einsatz. Unter seiner Führung entwickelte sich das Geldhaus im kommunalen Eigentum zur heute größten Sparkasse Oberfrankens - mit einer Bilanzsumme von 3,5 Milliarden Euro, mit 864 Mitarbeitern, darunter 82 Auszubildenden. Selbst die sich 18 Jahre lang hartnäckig einer Verwirklichung verweigernde Citypassage sorgte zum Ende der Gottschallschen Dienstzeit für günstige Nachrichten. Es besteht Hoffnung, dass der Nachfolger vollenden kann, was der scheidende Sparkassenchef nicht schaffte.

Wer wird der Neue sein? Der Verwaltungsrat der Sparkasse hat am Montagabend in geheimer Sitzung die Weichen gestellt - und damit ein Zeichen gesetzt, denn die Sparkasse ist mit über 120 000 Kunden nicht nur als Geldinstitut der Platzhirsch. Mit jährlichen Ausschüttungen von über einer Million Euro leistet sie als Sponsor und Mäzen auch für kulturelle und soziale Einrichtungen Unschätzbares. An diesem Kurs will der aus Bamberger Stadträten und Kreisräten des Landkreises zusammengesetzte Verwaltungsrat offenkundig festhalten. Ein bis zuletzt im Rennen befindlicher externer Mitbewerber konnte zwar mit guten Ideen glänzen, setzte sich aber nicht gegen seinen Konkurrenten durch.

Der neue Vorstandsvorsitzende in Bamberg ist ein bekanntes Gesicht - Stephan Kirchner. 2009 kam er aus München zur Sparkasse Bamberg, wo er sich als Vorstand um den Vertrieb kümmert, das heißt das Privatkundengeschäft und die 45 Geschäftsstellen.

Kirchner übernimmt das Ruder von Gottschall in bewegter See. Die Niedrigzinsphase, die durch die Gelddruckmaschinen der EZB befeuert wird, belastet ja nicht nur die Konten der Sparer. Auch die Banken leiden, wenn die Zinsspannen wegbrechen und zudem die Digitalisierung des Geldverkehrs immer weiter um sich greift. Eine Folge der härteren Zeiten haben 14 Auszubildende und zehn Sparkassenmitarbeiter unlängst am eigenen Leib erfahren: Sie wurden nicht übernommen, ein Novum in der bis dahin als weithin sicher geglaubten Sparkassenwelt.

Mit der Wahl Kirchners zum Vorsitzenden der Geschäftsführung schrumpft die Zahl der Sparkassenvorstände ab Oktober von drei auf zwei. Ob es dabei bleibt, will der Verwaltungsrat im April entscheiden. Eine Doppelspitze wäre die Rückkehr zu den Verhältnissen vor 2009, als Gottschall lange Zeit zusammen mit Axel Mast die Verantwortung trug. Gleichzeitig winken dadurch auch Einsparungen: Abhängig von der Größe des Instituts verdienen Vorstandsmitglieder bei bayerischen Sparkassen teils deutlich über 200 000 Euro im Jahr.

Bambergs OB Andreas Starke (SPD), Chef des Verwaltungsrats, wertete die Wahl als ein Zeichen für Kontinuität. Die Sparkasse Bamberg bleibe mit Stephan Kirchner in guten Händen und werde auch in Zukunft ein leistungsfähiger Partner für Bürgerschaft und Wirtschaft sein. "Freude auch bei Johann Kalb. Starkes Vertreter im Verwaltungsrat freute sich über die gute Wahl. Er sei überzeugt, dass Stephan Kirchner wie Gottschall das "Gesicht der Sparkasse" werden könne. Kirchner selbst versprach alles dafür zu tun, das Vertrauen zu rechtfertigen. Er sieht die Sparkasse im Unterschied zu mancher aus der Ferne agierenden Online-Bank in der Verwurzelung vor Ort, in der Ausbildung der Mitarbeiter und der Fähigkeit, qualifiziert zu beraten. "Wir sind nah bei den Menschen. Aber das Digitale können wir auch."

Anlässlich des Ruhestands von Konrad Gottschall soll es keine rauschenden und teueren Feste für Honoratioren geben, die andernorts den Ruf des Sparkassensponsorings schwer beschädigt haben. Wie Starke sagte, wird der langjährige Sparkassendirektor im Rahmen der nächsten Sparkassentage verabschiedet werden. Würdig und angemessen, aber ohne zusätzliche Kosten.