Für Erzbischof Ludwig Schick dient der Bamberger Dom seit tausend Jahren dazu, eine Kirche aus lebendigen Steinen im Erzbistum und darüber hinaus zu werden. "Das soll auch in Zukunft so sein", betonte der Erzbischof bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Dem Himmel entgegen - 1000 Jahre Kaiserdom Bamberg". Mit dieser Präsentation feiert das Diözesanmuseum den Geburtstag der Kathedrale auf besondere Weise mit: Es zeigt eine "wahre Schatztruhe der Geschichte des 1000-jährigen Doms", wie Wolfgang Reddig sagte.

Der Historiker Reddig ist Kurator der Ausstellung. Für ihn war es wichtig, nicht nur die reine Baugeschichte nachzuzeichnen, sondern auch den Dom als "heiligen Raum zu präsentieren, in dem Liturgie gefeiert wird". Domkapitular Norbert Jung, Leiter des Diözesanmuseums, stellt noch etwas anderes in den Vordergrund: Die Sonderausstellung solle in den Besuchern "die Wertschätzung und das Verständnis für eine Idee eines Herrschers des Hochmittelalters wecken, die bis heute lebendig geblieben ist: der Bamberger Dom". Dem Stifter Heinrich II. sei es um den Dom als "Sinnbild für die selig machende Kirche" gegangen. So ist die Kathedrale auch das eigentliche Hauptexponat dieser Ausstellung, wie Kurator Reddig betont: ein Denkmal als großartiges Kunstwerk der späten Romanik und frühen Gotik und eben ein Gotteshaus.


Modelle der Bauphasen


Ein rußschwarzer Einbau in den Kreuzgang markiert nun den verheerenden Flächenbrand auf dem Bamberger Domberg des 12. Jahrhunderts, der zum Anlass für den Neubau des Gotteshauses in seiner heutigen Gestalt wurde. Dieser Einbau gliedert die Geschichte der Kathedrale, auf die die Ausstellung unter anderem mit verschiedenen Modellen der Bauphasen eingeht. Diese beginnen etwa um 1004 mit der Grundsteinlegung für den ersten Dom, den Heinrichs-Dom, von dem nur noch Reste der Westkrypta und jetzige Bischofsgrablege künden. In die Zeit der Domweihe führen archäologische Fundstücke zurück, die den Dom als hochkarätigen Kirchenbau der ersten Jahrtausendwende zeigen. Von der Domweihe 1012 selbst kündet die älteste erhaltene Nachricht: eine Abschrift von 1475.




Auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gliedern sich rund 200 Exponate in zwölf Themenfelder. Themen sind beispielsweise "Der Heinrichsdom 1012", "Fest des Glaubens - Barockisierung", "Der Bamberger Domschatz" oder "Heiliger Raum - Liturgie im Wandel". Eingebunden in Leihgaben des Bayerischen Nationalmuseums, des Deutschen Museums München oder des Historischen Museums Frankfurt am Main ist die Dauerpräsentation: darunter die weltweit einmaligen Textilien wie die Kaisermäntel oder der Ornat von Papst Clemens II., der im Dom begraben ist. Oder die Original-Skulpturen vom Fürstenportal und von der Adams pforte, die seit einigen Jahren im Diözesanmuseum schlummern.


Besonderheiten für die Ausstellung


Extra für die Sonderausstellung sind Besonderheiten hinzugekommen wie die Replik der legendären Heinrichskrone, die Domturmuhr von 1562, die bis 1927 in Betrieb war, die Büste des heiligen Bamberger Bischofs Otto von 1651, das Bamberger Antependium von 1300 - ein prächtiges Tuch, das einst den Unterbau eines Altares im Ostchor schmückte - oder erstmals gezeigte Fußbodenreste des Heinrichs-Domes.

Der Wandel in der Innenausstattung von der Farbigkeit im Hochmittelalter über die barocke Prachtfülle bis hin zur Purifizierung und neuzeitlichen Gestalt werden beleuchtet: mit zahlreichen Stichen, Zeichnungen und greifbaren Gegenständen wie Plastiken, liturgischem Gerät oder Fotos. Wichtige Zeitabschnitte werden durch großformatige Schaubilder visualisiert oder dienen der Lokalisierung der vormaligen Position eines Exponats im Dom. Das Durchschreiten der Jahrhunderte unterstützen mehrere Medienstationen. So gibt es einen Kurzfilm über die Herstellung der nachgebildeten Heinrichskrone oder über die Fronleichnamsprozession in Bamberg, bei der die gezeigten Prozessionsstäbe und das Domkreuz mitgeführt werden. Oder einen virtuellen Rundgang durch den Dom.

Termine: Die Sonderausstellung ist vom 4. Mai bis 31. Oktober zu sehen, von Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr. Für Einzelpersonen besteht täglich von Dienstag bis Sonntag um 13 Uhr die Möglichkeit zu einer Führung. Darüber hinaus können Führungen für Gruppen per Mail oder unter Telefon 0951 / 502-330 gebucht werden.

Mehr über Domweihejahr, Rahmenprogramm und Spezialführungen finden Sie auch im Internet unter
www.dem-Himmel-entgegen.de. Der virtuelle Domrundgang findet sich auf der Dom-Homepage.