Sie kamen aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien oder dem Sudetenland: Rund 15 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches und deutschsprachige Bewohner aus Mittel- und Osteuropa mussten unrechtmäßig vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen und sich an anderer Stelle ein neues Leben aufbauen. Viele von ihnen starben an den Folgen der Flucht durch Krankheit, Zwangsarbeit oder anderen Qualen.

"Wir erinnern heute an das furchtbare Leid dieser Bevölkerung vor 70 Jahren", so Rosemarie Pezzei, Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Bamberg, im Rahmen der feierlichen Kranzniederlegung am Vertriebenen-Mahnmal im Hain.

"Um ein Zeichen des Mitgefühls zum Ausdruck zu bringen, wurde der landesweite Tag der Heimat eingeführt. Mögen der 70. Jahrestag des Kriegsendes und seiner Verbrechen eine Mahnung für die Zukunft und ein friedliches Miteinander sein." Auch Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner mahnte, die Schandtaten des Zweiten Weltkriegs nicht zu vergessen und erinnerte, wie kostbar "Heimat" für alle Menschen sei.


Große Integrationsleistung

Jene zeichne sich durch das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Frieden aus, der auch den derzeitigen Flüchtlingen zustehe: "Denken wir mit Freude daran, dass es unserer Gesellschaft schon einmal durch gemeinsame Anstrengungen gelungen ist, in wenigen Jahren eine gewaltige Integrationsleistung zu erbringen." Das Ensemble Trumpet Voluntary umrahmte die Veranstaltung musikalisch.

Die Feierstunde am gestrigen Sonntag im Harmoniesaal zeigte einen Ausschnitt der großen Vielfalt verschiedener "Vertriebenenkulturen". Nicht nur die unterschiedlichen Trachten der Gäste, sondern unter anderem auch das vom Jugendblasorchester Pödeldorf vorgestellte Frankenlied, das Heimatlied der Siebenbürger, das Pommernlied oder das Ostpreußenlied riefen Erinnerungen wach.

Rosemarie Pezzei appellierte auf Grund der zahlenmäßig immer kleiner werdenden Erlebnisgeneration der Vertreibung, Aufklärungs- und Informationsarbeit zu betreiben: "Erzählen Sie Ihren Enkeln und vielleicht auch schon Urenkeln von Ihrer Heimat, von den Festen, Bräuchen, von der Kultur. Ermuntern Sie sie, dorthin zu fahren, in die Gebiete, aus der die Familie stammt."

Das Interesse der jetzigen Bewohner der ehemals deutschen Gebiete an der geschichtlichen Entwicklung ihrer Region sei sehr groß. Auch der Zweite Bürgermeister der Stadt Bamberg, Christian Lange, und Landrat Johann Kalb zeigten im Harmoniesaal ihre Verbundenheit und betonten nochmals das Motto des diesjährigen Tages der Heimat: "Vertreibungen sind Unrecht - gestern wie heute".


Andere Probleme als damals

In Anbetracht der aktuellen Flüchtlingslage und der steigenden Zahl von Asylbewerbern dürfe man die beiden Situationen aber nicht eins zu eins vergleichen: "Natürlich sollen Kriegsflüchtlinge unsere Empathie und Hilfe bekommen, aber heute herrschen andere Integrationsprobleme vor als damals", so Rosemarie Pezzei.

"Nach den Vertreibungen vor 70 Jahren integrierte man gleiche Landsleute, die annähernd dieselbe Sprache, Religion, Kultur und Werte teilten. Es war einfacher, gemeinsam etwas aufzubauen und eben dieser gemeinsame Wille, etwas aufzubauen, verband nochmal mehr."

Daher ruft der Bund der Vertriebenen in einer Pressemitteilung zu europäischer Solidarität auf mit den Flüchtlingsströmen, in den Krisengebieten und bei der Bekämpfung der Fluchtursachen. Er fordert weltweite Solidarität. Außenpolitische Ansätze für die Situation in Syrien und den vom IS terrorisierten Gebieten oder für die Lage in Nigeria, wo bisher 2,1 Millionen Menschen vor der Terrormiliz Boko Haram geflohen sind, seien ebenso gefordert. "Gezeigte Solidarität würde den Bleibe- und Aufbauwillen der Menschen in den betroffenen Gebieten stärken und die spätere Rückkehrbereitschaft der bereits Geflüchteten erhöhen."