Rund 100 ausländische Studierende waren der Einladung der Uni Bamberg zum Podiumsgespräch "Study and Stay in Bavaria" am Mittwochabend gefolgt. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch war eigens aus München angereist, um mit Arbeitsmarktexperten und Studierenden aus aller Welt über deren Möglichkeiten nach einem Studium in Deutschland zu sprechen.

Anderthalb Stunden dauerte das intensive Gespräch, das schon bald nicht mehr allein auf dem Podiums stattfand, wie die Pressestelle der Universität mitteilte. Die ausländischen Studierenden im Hörsaal folgten der Aufforderung von Moderatorin Inga Pflug, sich einzubringen und Fragen zu stellen bzw. Probleme einzubringen, prompt. Schnell sei deutlich geworden, dass die Aktion "Study and Stay in Bavaria" keineswegs nur für die ausländischen Zuhörer interessant war, sondern auch Vertreter aus Unternehmen bei dieser Gelegenheit neu darüber nachdachten, wie wertvoll internationales Personal sein kann.

"In der Welt passiert vieles, was wir einordnen müssen", erklärte beispielsweise Philipp Froben, Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken. Spezielles Wissen über spezielle Regionen sei in seinem Haus grundlegend wichtig. Die Aktion habe ihn zum Nachdenken gebracht. Auf die Frage, welche Chancen ausländische Journalisten denn auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten, zeigte sich Froben denn auch zuversichtlich. Neben 150 Redakteuren würden in der Mediengruppe noch "850 andere Menschen" arbeiten. Internationale Kompetenzen könne man an vielen Stellen brauchen.

Auf dem Arbeitsmarkt suchen Unternehmen aber keineswegs gezielt nach internationalem Personal, weiß Brigitte Glos, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bamberg und Coburg - mit Ausnahme von Unternehmen, die natur- und ingenieurwissenschaftliche Stellen zu vergeben haben. "Denen ist egal, woher jemand kommt."
Für die Studierenden im Saal war die Aufforderung von Brose-Personalchefin Ester Loidl eine Ermutigung: Pragmatisch sein, Kontakt zu Unternehmen aufnehmen, sich über Praktika und Werkverträge bekannt machen und Möglichkeiten des Arbeitsmarktes kennenlernen - das sei der richtige Weg. "Jeder Personaler schaut auf die Unternehmenserfahrung!" Brigitte Glos bestätigte, dass es wichtig sei, zu "finden, was zu einem passt". Das könne man schließlich nur in der Praxis.

Ermutigend waren auch die konkreten Hinweise von Thomas Hummel, der im Landratsamt Bamberg für das Ausländerwesen zuständig ist. Er zeigte die Entwicklungen auf, die das Aufenthaltsrecht seit 2005 genommen hat. Ausländische Studierende haben seither 18 Monate lang Zugang zum Arbeitsmarkt, wenn sie in diesem Zeitraum auf Arbeitsplatzsuche sind. Auch Nebentätigkeiten während des Studiums im Umfang von 120 Tagen bzw. 240 halben Tagen seien nun möglich. Das verbessere die Integration, stelle bereits den ersten Kontakt zur Arbeitswelt her und helfe bei der Suche nach einem geeigneten Platz.

Für die wissenschaftliche Laufbahn in Deutschland gibt es für ausländische Studierende eine eigene Anlaufstelle in der Universität: Alexandra Wolf vom Welcome-Center für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellte sich den Interessierten als Kontaktperson vor, die ausländische Doktorandinnen und Doktoranden individuell und umfassend berät und betreut und ihnen "durch den Dschungel der verschiedenen Aufenthaltstitel" hilft.

Die beiden Studentinnen auf dem Podium, Valeriya Zaozerna aus der Ukraine und Meruyert Alibekova aus Kasachstan, zeigten sich mit den Informations- und Beratungsmöglichkeiten an der Universität sehr zufrieden. Sie und die vielen ausländischen Mitdiskutanden gaben dem Minister aber auch einige Anregungen für die politische Arbeit mit: die Einkommensgrenze, bürokratische Hürden, die Wohnsituation... An zahlreichen Stellen im System seien Verbesserungen möglich.

Heubisch betonte, wie sehr Deutschland und die EU international ausgebildete Leute brauchen und ermutigte alle Anwesenden, über einen Arbeitsplatz in Deutschland nachzudenken. Er versprach den Studierenden, sich dafür einzusetzen, dass es "so wenig Hürden wie möglich" gebe.

Diejenigen unter den anwesenden Zuhörern, denen es ernst war mit einer Arbeitsstelle in Deutschland, hatten im Anschluss noch die Gelegenheit, erste Erfahrungen mit Personalleuten im Rahmen eines Speed-Datings zu sammeln.