Es ist eine lange Liste, und für Bamberger Verhältnisse sind vor allem zwei Dinge auffallend. Erstens: die vielen verschiedenen Drogenarten. Zweitens: die Menge des Rauschgiftes. Max S. (Name von der Redaktion geändert) hat rund 1,5 Kilogramm Marihuana, drei Kilogramm Amphetamin, 900 Gramm Haschisch und 500 Ecstasy-Tabletten in der Region verkauft. Teilweise lagerten noch Substanzen bei ihm zu Hause.

"Er hat skrupellos Handel getrieben mit allen Drogen, die Geld bringen. Er hat das komplette Repertoire bedient", sagte Staatsanwalt Markus Reznik in seinem Plädoyer. Die Verteidigung von Max S. sah diese Skrupellosigkeit nicht. Ihr Mandant sei "massiv abhängig" und habe Straftaten begangen, um den eigenen Konsum zu finanzieren, wie es Rechtsanwältin Stephanie Fremuth darstellte. Alleine für diesen Eigenkonsum hätte Max S. auch seine Plantage betrieben.


Cannabispflanzen kultiviert

Mit zwei Mittätern hatte der Student 70 Cannabispflanzen mit einer Wuchshöhe von etwa einem Meter kultiviert. Vorsitzender Richter Manfred Schmidt merkte an: "Die Aufzuchtanlage sollte noch auf einen deutlich höheren Ertrag kommen." Doch schon vorher seien sowohl die Mengen an Rauschgift, mit denen Max S. gedealt hatte, als auch der Gewinn daraus, erheblich gewesen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 27-Jährige in elf Fällen mit Betäubungsmitteln "in nicht geringer Menge" Handel getrieben hatte. Zugleich wurde er des Anbaus, der Einfuhr sowie des Besitzes schuldig gesprochen, und: Er besaß ohne Erlaubnis eine Schusswaffe - die er im Wald vergraben hatte. Dass er den Ermittlungsbehörden das Versteck verriet, wertete die Zweite Strafkammer positiv für den Angeklagten. Ebenso, dass er weitestgehend ein Geständnis abgelegt und den Namen eines Bamberger Drogenhändlers und eines mutmaßlichen Mittäters genannt hatte.

Max S. hatte sich einen Großteil der Drogen im Internet bestellt, im Juli vergangenen Jahres war er dann im Auftrag des Bambergers nach Tschechien gefahren - und kam mit knapp 400 Gramm Crystal Meth zurück. Max S. hatte an einem früheren Verhandlungstag berichtet, dass er bis zu 4000 Euro für die Kurierdienste erhalten habe.


Mitglied einer Bande

Bei zwei von drei Fahrten nach Tschechien betrachtete das Gericht den Angeklagten als Mitglied einer Bande - ein weiterer Punkt zu seinen Lasten. Zu seinen Gunsten wertete die Zweite Strafkammer - neben bereits Genanntem -, dass S. selbst drogenabhängig ist, bisher aber nicht vorgeahndet. "Das kommt hier sehr selten vor", merkte Richter Manfred Schmidt an. Zwischen ihm, den anderen Mitgliedern der Kammer, dem Staatsanwalt und den beiden Verteidigern hatte bereits ein sogenanntes Rechtsgespräch stattgefunden. Diesem, und der Tatsache, das ein Fall als minderschwer gewertet wurde, hat es der 27-Jährige aus Hessen zu verdanken, dass seine Strafe nicht höher ausgefallen ist.

Das Gericht hat keinen Zweifel daran, dass der Verurteilte sich durch fortlaufende Betäubungsmittelgeschäfte seinen Lebensunterhalt finanzieren wollte.
Die Drogenkarriere des 27-Jährigen hatte laut dessen eigener Aussagemit 13 Jahren begonnen, nachdem sich sein Vater das Leben genommen hatte. Es habe mit Alkohol und Kleber-Schnupfen angefangen, später sei er mit Drogen aller Art in Kontakt gekommen, wie er am ersten Verhandlungstag ausgesagt hatte.
Thomas Gärtner, zweiter Verteidiger des Angeklagten, merkte am Montag an: "Er war ein Suchender, die ganze Zeit. Er hat endlos studiert und ist eine unsichere und unfertige Persönlichkeit. Sein eigener Konsum und der Rückzug in die Spiele-Welt sprechen dafür."

Staatsanwalt Markus Redznik dagegen sagte über Max S.: "Der Angeklagte hat sich als Checker gegeben und wollte einen größeren Handel aufbauen." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.