Oft zitiert und nun von Seiten der Polizei bestätigt: Von Oktober bis Ostern sollte nur mit Winterreifen gefahren werden. Zwar schreibt der Gesetzgeber diese Monate nicht wörtlich vor: Lediglich von winterlichen Straßenverhältnissen ist hier die Rede. Pkw-Führer sind aber mit dieser Faustregel im Ernstfall meist auf der sicheren Seite, da das grobe Zeitintervall den Kälteeinbruch mit hoher Wahrscheinlichkeit einschließt.

Obwohl dieser Sachverhalt allgemein bekannt sein dürfte, schockieren immer wieder schlimme Unfälle auf glatten Straßen. So sind im Zeitraum vom ersten Oktober 2012 bis Anfang April diesen Jahres 42 Verkehrsunfälle auf Grund von winterlichen Verkehrsverhältnissen im Raum Bamberg verzeichnet worden. Ganze zwölf davon führten zu Personenschaden. Der finanzielle Gesamtschaden beläuft sich auf circa 183 000 Euro. Es ist zwar nicht bekannt, wie viele dieser Zwischenfälle sich auf fehlende Winterreifen begründen, dennoch minimieren diese erwiesenermaßen das Risiko.

Besondere Gefährdung sieht der Polizeihauptkommissar Helmut Fischer von der Polizeiinspektion Bamberg-Land gerade in Walddurchfahrten, da das herabgefallene Laub in Kombination mit Feuchtigkeit die Straßen enorm rutschig macht. Zum Winter hin seien aber auch Fahrten über Brücken riskant, da beispielsweise die metallene Pfisterbergbrücke Feuchtigkeit anzögen und so schnell vereisen würden.

Wichtige Maßnahmen

Doch nicht nur die Bereifung sollte vor dem Wintereinbruch erneuert werden: Der Polizeihauptkommissar schlägt einen sogenannten Wintercheck, den viele Werkstätten anbieten, vor. Dabei werden die Beleuchtung überprüft, die Scheibenflüssigkeit angepasst und der Kühlerschutz getestet. Weniger prominent aber dennoch wichtig ist auch, die Gummidichtungen und Schlösser der Türen zu behandeln.

Damit man im Ernstfall nicht vor dem zugefrorenen Auto steht, ergibt es zusätzlich Sinn, ein Paket an Ausrüstung immer dabei zu haben. Dieses sollte einen Türschlossenteiser, Eisschaber für die Scheiben sowie gegebenenfalls einen Frontscheibenschutz enthalten.

Der Fachmann einer namhaften Bamberger Autowerkstatt besteht darauf, den Wagen dazu immer in professionellen Händen prüfen zu lassen, die wichtigen Aspekte könne ein Laie einfach nicht erkennen. Er rät aber nicht generell vom Gebrauchtreifenkauf ab, doch auch hier müsse man wissen, was dabei zu beachten ist und solle im Zweifelsfall immer jemanden, der sich damit auskennt, zu Rate ziehen.

Ein geringer Preis bedeutet bei so einem Angebot genau wie bei Neuware nicht automatisch verminderte Qualität: "Es gibt auch in günstigen Preisklassen gute Reifen. Der Käufer sollte Ausschau nach Zweitproduktionen namhafter Marken halten. Diese liefern den selben Standard, nur unter einer anderen Bezeichnung", verrät der Experte.

Grundlegend kann man laut dem Profi nie mit einem bestimmten Preis rechnen, dies komme immer auf die benötigte Größe an: "Man braucht den richtigen Reifen, für den richtigen Einsatzzweck."

Für alle, die ihr Auto bereits bestückt haben, gilt laut dem Mann vom Fach die Regel: "Am Anfang des Winters müssen mindestens vier Millimeter Profil auf dem Gummi vorliegen - sonst ist die Winterhaftung nicht gewährleistet. Es herrscht der Irrglaube, dies wäre ausschließlich wegen des Schnees nötig, dabei geht es auch um die optimale Verdrängung von Wasser und Matsch."

Gefährdung durch Wildwechsel

Doch nicht nur die zeitweise schwierigen Wetterumstände, sondern auch natürliche Phänomene, wie der Wildwechsel brünstiger Waldbewohner, gefährden den Straßenverkehr zur Zeit nachhaltig. Die Deutsche Wildtier Stiftung veröffentlichte im Zuge einer Studie sogar folgende Zahlen: Im vergangenen Jahr starben 27 Menschen an den Folgen eines Wildunfalls, 3000 Menschen wurden verletzt und 230 000 Wildtiere getötet.
Helmut Fischer rät deshalb, bei einer Konfrontation mit einem Tier auf der Fahrbahn, zu bremsen und auf keinen Fall abrupt auszuweichen: "In der Regel kommt dann das Wild unbeschadet weg- aber es entsteht ein erheblicher Eigenschaden."

Auch von der versicherungstechnischen Seite aus, wäre ein solches Handeln fatal, wie Eva Schenk von der Versicherungskammer Bayern bestätigt: "Schäden durch Ausweichmanöver sind in der Teilkaskoversicherung - anders als bei einer Vollkaskoversicherung - nur in sehr seltenen Fällen abgesichert."

Im schlimmsten Fall verweigert die Versicherung nicht nur für den Schaden aufzukommen, sondern kann, wenn der Unfall beispielsweise durch fehlende Winterbereifung selbst verschuldet war, den Fahrer in Regress nehmen, mahnt Fischer.

Schutz für Fußgänger

Doch nicht nur Pkw sind in dieser, immer dunkler werdenden, Jahreszeit unterwegs: Auch Fußgänger sind den Problematiken ausgesetzt. Die frühe Dämmerung behindert die Sicht vieler Verkehrsteilnehmer und es entsteht die Gefahr, sich gegenseitig zu übersehen.

"Zu diesem Thema sagen wir immer dasselbe, was wir den Erstklässlern zum Schulbeginn sagen: Es ist auf helle Kleidung zu achten und gegebenenfalls sollten Reflektoren getragen werden. Außerdem sollte man die Gehwege benutzen und gekennzeichnete Straßenübergänge wie Ampelanlagen benutzen", so Fischer.