Karl-Heinrich Ertl vom gleichnamigen Einkaufszentrum in Hallstadt bringt die Frage auf den Punkt: "Ich hätte gerne eine Antwort vom Täter - was sind die Beweggründe, warum er so etwas tut?" So etwas wie das Verschandeln der Ertl-Toiletten mit schwarzem wasserfesten Filzstift, das Verteilen von Kot oder Urin.

In anderen öffentlich zugänglichen Toiletten in Bamberg hatten unbekannte Täter in den vergangenen Wochen ganze Fliesenwände und Spiegel verkratzt - wie im Klinikum am Bruderwald - oder gleich sämtliche sanitäre Anlagen vollkommen verwüstet und zertrümmert. Hiervon war das öffentliche Toilettenhäuschen an der Promenade betroffen.

Im Rathaus am Maxplatz hatten unbekannte Täter WC-Kabinen mit Butter und Kot verschmiert, im Rathaus Geyerswörth mit Schokoladenpudding und Filzstift. Solche "Edding"-Schmierereien tauchten schließlich auch in der Toilette des Klinikums am Michelsberg auf.

Mit all diesen Vandalismus-Schäden hat sich am 31. März ein Artikel im FT beschäftigt, in dem die Polizei einen Zeugenaufruf gestartet hat. Was ist seitdem passiert? Die Sachbeschädigungen halten an.

Beschmiert mit schwarzem Stift

"Momentan häufen sich die Schmierereien mit schwarzem Edding", sagt Silke Gahn, Sprecherin der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Sie hofft weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat, möge sich unter der Nummer 0951/9129-210 bei der Polizei melden. Deren Ermittlungen dauern an.Insgesamt kam es seit 31. März wohl zu vier neuen Vorfällen, die bekannt sind.

Ein oder mehrere unbekannte Täter tobten sich erneut zwei Mal kurz nacheinander mit schwarzem "Edding" in WCs am Klinikum am Michelsberg aus. Einmal in der Behindertentoilette im Eingangsbereich, das andere Mal in der Herrentoilette im ersten Stock. Der Sachschaden beläuft sich nach Schätzungen der Polizei auf 1000 Euro.
Brigitte Dippold, Pressesprecherin der Sozialstiftung Bamberg, gibt dennoch bekannt: "Wir werden unsere Toiletten auf keinen Fall zusperren. Unsere Patienten und Besucher, die ,notwendig müssen‘, können ja nichts dazu, wenn Vandalen ihr Unwesen treiben."

Auch das Ertl-Zentrum in Hallstadt hat es erneut erwischt. Dort waren die Toilettenanlagen kurz vor Beginn der Schmierereien erst für rund 60 000 Euro komplett renoviert worden.

Kunden nicht bezahlen lassen

Nach wie vor möchte die Geschäftsführung aber auf Toilettenpersonal verzichten. "Unsere Kunden sind zu 99,9 Prozent anständig. Wir wollen sie nicht bezahlen lassen", sagte Karl-Heinrich Ertl auf Anfrage. Allerdings: Mittlerweile wirft eine Reinigungskraft alle 15 Minuten einen Blick zur Kontrolle in die Toiletten.

Zusätzlich seien die Mitarbeiter, deren Toiletten sich gleich neben den Kunden-WCs befänden, angewiesen, auf etwas Auffälliges zu achten. Hinweise auf einen möglichen Täter gebe es leider noch nicht. "Vielleicht ist das jemand, der seine Aggressionen nicht im Griff hat? Wir sind ja nicht mal sicher, ob es dieselbe Person ist. Möglicherweise handelt es sich um Trittbrettfahrer", mutmaßt Ertl. In jedem Fall würden sämtliche Schäden zur Anzeige gebracht.

Mit dieser Praxis muss sich nun auch Tedox, ein Geschäft für Bodenbeläge und Tapeten, in Hallstadt vertraut machen. Das Unternehmen liegt in unmittelbarer Nähe zum Ertl-Zentrum und ist sozusagen neu auf die "Liste" der Vandalen gerückt. Auch hier die gleichen Spuren in der behindertengerechten Damentoilette: Fliesen, Plastikteile, Papierspender, alles mit "Edding" verunstaltet. David Jennen, Gebietsverkaufsleiter der Niederlassung Hallstadt, schätzt den Schaden auf rund 1000 Euro. Das Unternehmen hat bereits Strafantrag gegen Unbekannt gestellt. Die Toiletten werden derzeit instand gesetzt, doch was ist danach? Ist es eine Option, dass sich Kunden den Schlüssel zum WC aushändigen lassen müssen? "Nein, das finden wir zu umständlich für unsere Kunden", sagt Jennen. Auch das Abschließen der Räume käme auf keinen Fall in Frage.

So ist bei Tedox das Gleiche angesagt wie im Ertl-Zentrum: den wasserfesten schwarzen Stift mit Lösungsmittel abrubbeln. Allerdings, und das merkt Karl-Heinrich Ertl an: "Der Untergrund wird natürlich mit jeder Anwendung empfindlicher."