Ob es die Gene von Ur-Ahn Wolf Philipp sind, der in Bamberg Karriere machte, weil er so tüchtig war? Wer weiß. Auf jeden Fall wurde die Familie derer von Schrottenberg in Reichmannsdorf einer wahrlich harten Bewährungprobe unterzogen - und hat sie bestanden. Wer sonst wagt sich, einen gigantischen Rohbau, der 15 Jahre verwaist war, teilweise zu verwildern, ja zum Schandfleck zu werden drohte, zum Vier-Sterne-Hotel zu verwandeln? Franz von Schrottenberg, Sohn Ferdinand und die Ihren haben an ihre Vision geglaubt und es nun allen Kritikern gezeigt: Seit einem Jahr läuft das "Best Western Hotel Schloss Reichmannsdorf". Vier Sterne, wohl gemerkt. Damit scheint die Zukunft des im 18. Jahrhundert erbauten Schlosses gesichert. Denn: Was macht man heute mit einem Schloss? "Amtssitz, Museum, verkaufen oder abfackeln", erwidert Franz von Schrottenberg mit einem pikanten Unterton in Anspielung auf den Fall Ebelsbach...

In die Zukunft gerichtet nutzen


In den 80ern jedenfalls hatte Franz von Schrottenberg die Vision von einer zeitgemäßen, attraktiven Nutzung, mit der die Schlossanlage für die Zukunft gesichert und erhalten und mit einer sinnvollen Funktion betrieben werden konnte. Denn so, wie sie es jahrhundertelang getan hatte, also von Forst- und Teichwirtschaft, davon konnte die Familie nicht mehr leben. Der Golf-Sport schien eine perfekte Symbiose zu ermöglichen: Golf und Gäste in Hotel und Schloss. Die Vision war in ein Konzept gegossen, eine Betreiber-Firma gegründet, mehr als genügend Anteilseigner gefunden. Der Rohbau stand, doch dann ließen die Banken das Vorhaben platzen, drehten einfach den Geldhahn zu. Im Frühjahr 1995. Über die Gründe haben von Schrottenbergs so ihre eigene Theorie... Was folgte, waren für alle ganz furchtbare Jahre, in der die Familie mit ihren fünf Kindern nicht nur stets auf einen verlassenen und vor sich hindümpelnden Rohbau blicken, sondern auch im zur Baustelle gewordenen Schloss hausen musste. "Wohnen", wäre bei dem, was Franz von Schrottenberg und sein Sohn Ferdinand schildern, eine üble Übertreibung gewesen. Man habe gehaust, alles in Kauf genommen aber sich immer gesagt: "Wir packen das."
Man lebte von der Substanz, und allmählich vom Golfplatz, der 1995 fertig geworden war. Obwohl dessen Image natürlich auch stark gelitten hatte. Mit nur 40 Mitgliedern begann der Club. Die ganze Familie packte mit an, war sich für nichts zu schade, vom Kartenverkauf bis zum Papierauflesen. 1999 schließlich wurde der mit der Betreibergesellschaft geschlossene Erbpachtvertrag aufgelöst, womit von Schrottenbergs endlich wieder Herr im eigenen Haus waren. Franz von Schrottenberg und sein Sohn Ferdinand waren stets von der guten Substanz des Rohbaus überzeugt. Die Vorgeschichte machte es jedoch nicht unbedingt einfacher, Mittel aufzutreiben. Und doch hat sich die Beharrlichkeit ausgezahlt. 2010 erfolgte der zweite Startschuss, nun für die Vollendung von Neubau, Anbau- und Schloss-Umbau. September 2011 fand die Eröffnung des 75 Doppelbetten-Hotels statt, das baulich und funktional eng mit dem Schloss verbunden ist.
Weil Ferdinands vier Schwestern im Laufe der Jahre eigene Familien gründeten, verließen sie das Schloss. Auch der 32-Jährige ist mit seiner Gattin Grita und den drei Kindern umgezogen - ins nahe Schlösschen. Während Ferdinand wie alle Schrottenbergs auf dem Schlossflur und zwischen den Ahnengemälden das Radfahren lernte, wäre das bei seinen eigenen Kindern keine unbeschwerte Sache mehr. Weil es wohl beim einen oder anderen Seminar im Schloss Teilnehmer ablenken könnte. Hier finden diverse Veranstaltungen statt, auch in Privaträumen wie etwa der großen und der kleinen Bibliothek. Schränke, Bücher, Bilder - alles ist original, so wie die Familie es seit Jahrhunderten und noch heute nutzt. Hotelgäste und Familie begegnen sich. Gäste, die ihm besonders sympathisch sind, bittet Franz von Schrottenberg schon mal in seine eigentlichen Privatgemächer im obersten Stockwerk. Dafür öffnet er die moderne Glastüre, die für eine gewisse Abgrenzung sorgt. Überhaupt: Moderne und Historie begegnen sich hier auf Schritt und Tritt, sie gehen ganz gezielt eine Verbindung ein. Im wahrsten Sinne transparent wird das im gläsernen Aufzug, der einen an alter Substanz emporfahren, sie erleben lässt. Auch das: "Gewollt und Teil des Konzepts", erklärt Diplom-Betriebswirt (BA) Ferdinand von Schrottenberg. In dessen Hände hat Vater Franz die Zukunft des Schlosses gelegt. Und er hat sich für die Hotelkette "Best Western" als Vertriebs-Partner entschieden. Der habe sich deswegen empfohlen, weil jedes der Häuser individuell ist, Schloss Reichmannsdorf sich also nicht anpassen, verbiegen oder verfremden lassen musste. Schließlich leben von Schrottenbergs von, in und mit ihrem Erbe.
"Wir sind ein Familienbetrieb", betont Ferdinand von Schrottenberg. Alle helfen zusammen, jeder hat seinen Bereich. Nach dem ersten Jahr könne man endlich einmal wieder aufschnaufen und lächeln. Die Rechnung mit dem Kongress- und Tagungskonzept scheint aufzugehen, die Lage gut: Mit einem Einzugsgebiet von 200 Kilometern kommen die Gäste etwa aus den Ballungsräumen Nürnberg, Frankfurt und München mit den entsprechenden großen Unternehmen. Die Auslastung betrug beim Start 46 Prozent, im ersten Jahr 60 Prozent, Tendenz steigend. So wie beim Golfclub. Der zählt mittlerweile knapp 600 Mitglieder, wie Präsident Franz von Schrottenberg stolz berichtet. Der 70-Jährige verwaltet den Golfplatz nicht nur, er ist hier Ansprechpartner für alles und alle, wie Sohn Ferdinand speziell in Hotel und Schloss. Wo beide gerne auch mal Gäste führen. Dabei könnten sie auch auf Wolf Philipp von Schrottenberg "treffen". Der ließ sein Sommerschloss in Reichmannsdorf 1714 von Johann Dietzenhofer erbauen.