Schlaglochalarm im Landkreis! Von wegen! Ein Schlagabtausch zu diesem Thema zwischen MdL Susann Biedefeld und Baudirekter Uwe Zeuschel vom Staatlichen Bauamt Bamberg. Der FT konfrontiert den Leiter der Abteilung für Straßenbau mit den Aussagen der SPD-Abgeordneten in deren Pressemitteilung.

320 Kilometer Staatsstraßen verlaufen durch den Landkreis Bamberg. 35,5 Prozent davon, also mehr als ein Drittel sind marode. Das behauptet Susann Biedefeld, deren Fraktion eine Anfrage an die Landesregierung gestellt hatte. Sie appelliert, Investitionen in die Instandhaltung zu erhöhen.

Biedefeld zufolge beträgt der durchschnittliche Sanierungsaufwand für einen Kilometer Staatsstraße 150 000 Euro. Bayernweit seien, so die Abgeordnete weiter, 4894 Kilometer oder 36 Prozent des Straßennnetzes marode. Der Nachholbedarf für die Erhaltung der Fahrbahnen, so habe Innenminister Joachim Herrmann der SPD-Landtagsfraktion mitgeteilt, liege bei 734 Millionen Euro. Die Staatsregierun sieht für Ausbau und Instandhaltung von Staatsstraßen jährlich 25 Millionen Euro vor. Zu wenig, laut SPD. Allein die ermittelten Kosten für den Sanierungsbedarf im Landkreis Bamberg lägen bei 16,9 Millionen Euro.

Baudirektor Uwe Zeuschel, Bereichsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt Bamberg sieht die ganze Angelegenheit vollkommen anders, vor allem jedoch entspannt. "Ich habe das sehr stressfrei zur Kenntnis genommen." Die von Biedefeld publizierten Zahlen stammten von einer Antwort der Staatsregierung auf eine schriftliche Anfrage von MdL Markus Rinderspacher vom Oktober letzten Jahres, führt er an.

Der Behauptung, die Straßenbauverwaltung spare beim Straßenerhalt auf Kosten der Sicherheit, widerspricht Zeuschel heftig. Einen Schlaglochalarm im Landkreis gebe es schon gar nicht. "Unser Staats- und Bundesstraßennetz in Westoberfranken, für das wir als Staatliches Bauamt Bamberg verantwortlich zeichnen, ist verkehrssicher." Sobald ein Defizit in Sachen Verkehrssicherheit erkannt werde, würden unverzüglich Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit ergriffen. Diese könnten sowohl baulicher wie auch verkehrsrechtlicher Art sein.


Wöchentliche Kontrolle

Wie er auf Nachfrage ausführt, werden alle Bundes- und Staatsstraßen beispielsweise zweimal wöchentlich kontrolliert. Schlaglöcher würden umgehend zugemacht. Man stehe immer in engem Kontakt mit den zuständigen Straßenverkehrsbehörden in den Landratsämtern und der Polizei, so Zeuschel in seiner Entgegnung weiter.
Nicht richtig sei zudem auch die Behauptung, 35,5 Prozent der Staatsstraßen im Landkreis Bamberg seien marode. Es handle sich dabei vielmehr um den Streckenanteil "mit untergeordneten Verkehrsbelastungen, bei dem Sanierungen erforderlich seien. "Und dies tun wir."


Differenzierung

Differenziert werde bei den Maßnahmen auch nach der Bedeutung der jeweiligen Straßen. Vorrang haben flächenerschließende Straßen und solche mit hoher Belastung, wie etwa die Staatsstraße 2244, die Nordsüdverbindung mit zwischen 5000 und 10 000 Fahrzeugen pro Tag. Dass die Vorrang haben vor anderen sei klar. Ein weiteres Kriterium für die Prioritätenliste sei auch die Unfallhäufigkeit, wobei hier die Staatsstraße am Ellerbberg an der Spitze liege. Bis auf einen Komplett-Neubau habe man alle Maßnahmen zu Steigerung der Sicherheit umgesetzt, betont Zeuschel.

Generell nütze es nichts, bei einer Staatsstraße mit zu geringer Fahrbahnbreite, "einfach nur einen Fahrbahnbelag aufzubringen, der schön, eben und griffig ist". Die Straße bleibe deswegen immer noch zu schmal.

Stattdessen verfolge man in Westoberfranken die Strategie, mit am Straßenbestand orientierten baulichen Erhaltungsmaßnahmen die Straßen auf sechs bis 6,50 Meter Fahrbreite zu verbreitern und gleichzeitig bauliche Defizite zu beseitigen, Zeuschel meint damit beispielsweise zu enge Kurven und zu kleine Kuppen. Dabei investiere man teilweise bis zu 350 000 bis 400 000 Euro pro Kilometer. Als gute Beispiele für diese Strategie nennt Zeuschel die letztes Jahr erfolgten Maßnahmen an der Staatsstraße 2281/2187 südlich von Tiefenellern (Ellerer Berg) und an der Staatsstraße 2188 bei Neumühle/Heiligenstadt. Mit dieser Strategie sein man auf einem guten Weg so der Bereichsleiter, was Gespräche mit Bürgermeistern und Landrat bestätigten. Zwischen elf und 14 Millionen Euro würden in Westoberfranken jährlich in die Staatsstraßen investiert, so Zeuschel abschließend.


INFO ZU STRA?ENARTEN:

Bundesstraße: Bundesstraßen stellen großräumige Verbindungen durch die Bundesrepublik dar und werden vom Bund finanziert. In ihrer offiziellen Bezeichnung führen sie ein B. Durch den Landkreis Bamberg führen die B4, die B 22, die B 26 und die B 505.

Staatsstraßen: Staats- bzw. Landesstraßen führen durch jedes Bundesland, sie beginnen bzw. enden an der jeweiligen Grenze des Bundeslandes. Ihre jeweilige Bezeichnung beginnt in Bayern mit einem "St".

Weitere: Neben den genannten Straßentypen gibt es noch von den Landkreisen gebaute und unterhaltene Straßen, die jeweilige Bezeichnung beginnt mit den Anfangsbuchstaben des Kreises wie auf den Kfz-Kennzeichen und damit für den Landkreis Bamberg mit BA. Die nur durch Gemeinden verlaufenden und von ihnen gebauten und unterhaltenen Straßen heißen Gemeindestraßen bzw. Ortsstraßen. Wenn sie zwei Kommunen verbinden nennt man sie Gemeindeverbindungsstraßen.