Ob Messer im Spiel waren, als die 19 und 21 Jahre alten Kosovaren M. und B. am Sportplatz neben der Asylbewerberunterkunft in Aschbach einen afghanischen Flüchtling angegriffen haben, ließ sich nicht klären.

Deshalb ging es am Ende eines Prozesses am Bamberger Landgericht nicht mehr um die Frage, ob sich die beiden eines versuchten Totschlags schuldig gemacht haben, wie ursprünglich angeklagt. Sie wurden am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt und müssen Freiheitsstrafen von zwei Jahren und drei Monaten sowie zwei Jahren und zehn Monaten verbüßen - sofern sie nicht vorher entlassen beziehungsweise abgeschoben werden.

Bewährungsstrafen, wie von den Verteidigern beantragt, kamen für die Zweite Strafkammer nicht in Frage. Dazu hätten die beiden Männer ihr Opfer, einen 19 Jahre alten Flüchtling aus Afghanistan, zu brutal behandelt.

Die Angeklagten hatten ihn am 31. August 2014 erst mit Fäusten geschlagen und dann noch gezielt getreten, als er schon am Boden lag, rekapitulierte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in der Urteilsbegründung. Das sei eine "lebensgefährliche Behandlung" gewesen.

Wer sich so etwas zu schulden kommen lasse, könne nicht mit Milde rechnen. Dass der Geschädigte mit einem Nasenbeinbruch, Blutergüssen und Hautabschürfungen davon kam, sei "Glück für ihn, aber nicht das Verdienst der Angeklagten", so Schmidt: "Es ist völlig unkalkulierbar, was bei jemandem alles bricht, dem man ins Gesicht tritt."

War Rache das Motiv?
Eine Auseinandersetzung zwischen den drei jungen Männern am 29. August 2014, ebenfalls am Sportplatz, war nach Ansicht der Richter der Auslöser für die gefährliche Körperverletzung zwei Tage später. Die beiden Kosovaren hätten sich wohl am Afghanen rächen wollen, weil der sich gewehrt und dem 21-jährigen B. ein blaues Auge verpasst habe.

Für Eifersucht als mögliches Motiv sah die Strafkammer auch nach Anhörung mehrerer Zeugen keine sicheren Indizien. Der jüngere Angeklagte hatte zu Prozessauftakt behauptet, der Streit sei daran entbrannt, dass der Afghane sich am Sportplatz mit einem deutschen Mädchen unterhalten habe, für das er, M., sich interessiert haben will.

Außerdem will der 19-Jährige betrunken gewesen sein. Auch das nahmen ihm die Richter nicht ab; höchstens zwei Bier hätten die Angeklagten vor der Tat konsumiert, sagte der Vorsitzende Richter.

M. und das Opfer lebten zur Tatzeit als Asylbewerber in der Unterkunft in Aschbach. B. hielt sich damals illegal in Deutschland auf. Er ist am 26. Juni 2014 rechtskräftig abgewiesen und abgeschoben worden. Die Verstöße dagegen brachten ihm jetzt zusätzlich eine Verurteilung wegen unerlaubter Einreise und unerlaubten Aufenthalts in der Bundesrepublik ein. Er hatte sich über das Einreiseverbot hinweggesetzt, um angeblich seinen erkrankten Bruder besuchen zu können, der in Oberbayern leben soll.

Einbruch und Hausfriedensbruch
In Zusammenhang mit seinem illegalen Aufenthalt steht ein Diebstahl in einem besonders schweren Fall am 12. August 2014 in München. Da war B. in eine Pizzeria eingebrochen und hatte Kleingeld und einen Laptop gestohlen.
Er versuchte jetzt gar nicht, die Tat zu leugnen. Es wäre sinnlos gewesen: Fingerabdrücke und der Computer, den die Polizei in seinem Besitz sicherstellte, haben ihn überführt.

Beide Angeklagten wurden schließlich noch des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung schuldig gesprochen: Sie hatten sich zwischen 13. und 19. Juni 2014 in München Zugang zu einem fremden Wohnanhänger verschafft und darin übernachtet. Das hätten sie gemacht, weil sie sich kein Hotelzimmer leisten konnten.

B. wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der 19-jährige M. muss zwei Jahre und drei Monate Jugendstrafe verbüßen. Weil er mittellos ist, machten die Richter von der im Jugendstrafrecht vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch, ihm die Kosten des Verfahrens zu erlassen.

Ob B. jemals in der Lage sein wird, die Prozesskosten zu zahlen, stellte der Vorsitzende Richter in Frage. Er geht auch davon aus, dass sich weder die Besitzer des Wohnwagens und der Pizzeria in München noch das Aschbacher Opfer Hoffnungen auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld machen können.

Zu Gute hielten es die Richter den beiden reuig wirkenden Angeklagten, dass sie sich bei dem Asylbewerber aus Afghanistan entschuldigt haben.