Kann man sich einen August in Bamberg ohne Sandkirchweih vorstellen? Oder einen mit einer Mini-Festmeile rund um die Elisabethenkirche samt eines drastisch reduzierten Angebots? Kann man nicht?
Bei diesen Überlegungen handelt es sich um mittlerweile mögliche Szenarien, sollten sich die beiden Hauptakteure, die Genehmigungsbehörden und die Veranstalter der Kerwa-Gesellschaft nicht doch noch auf einen Kompromiss einigen.

Am morgigen Freitag besteht in einem Treffen zwischen den Akteuren noch eine Chance dazu, drei Monate vor dem geplanten Kirchweihstart wäre es gewissermaßen in letzter Minute. Es ist ernst: Hört man die Vorsitzende des Bürgervereins Sand, Gisela Bosch, und die Geschäftsführerin der Sandkerwa GmbH, Ulrike Heucken, dann hängt die größte Festveranstaltung in Bamberg mit geschätzten 300 000 Besuchern im 65. Jahr am seidenen Faden.

Zusage der Stadt reicht nicht

Dabei geht es den rund 20 Mitgliedern im Vorstand und Ausschuss des Bürgervereins nicht allein um die finanziellen Unwägbarkeiten, die durch erhöhte Anforderungen an die Rettungskräfte und die Errichtung einer Lautsprecheranlage entstehen. Um hier Hilfestellung zu leisten, hat sich der Stadtrat am Mittwoch bereit erklärt, eine Art Ausfallbürgschaft in Höhe von 30 000 Euro zu übernehmen.

Ob die Kerwa damit gerettet ist, ist dennoch fraglich. Es ist vor allem die Haftungsfrage, die dem ehrenamtlich arbeitenden Veranstaltungsteam nun schon seit Wochen schlaflose Nächte bereitet. Der Kompromissvorschlag des Unterhändlers und Alt-OBs Herbert Lauer beruhigt Bosch, Heucken und Co. nur bedingt. Grund sind die juristischen Folgen der Tatsache, dass die Genehmigungsbehörde eine Lautsprecheranlage für notwendig erklärt hat, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass diese bis zum August nicht mehr errichtet werden kann. Sollte es zu einem Unglück kommen, sei die Haftungsfrage hoch brisant.

Heucken und Bosch legen Wert darauf, dass die Macher der Sandkirchweih den Fragen rund um die Sicherheit schon immer höchste Priorität eingeräumt haben, was auch daran abzulesen sei, dass 64 mal "eine prima Kerwa ohne besondere Vorkommnisse" stattfand. Freilich müssen die Auflagen auch finanzierbar sein. So ist derzeit völlig unklar, wie die geforderte Lautsprecheranlage angeschafft werden soll, die dem Vernehmen nach über 100 000 Euro kostet.

Modell der Bergkirchweih als Vorbild?

Vorwürfe, der Verein oder die Wirte verdienten sich eine goldene Nase, entbehren nach Aussagen von Heucken jeder Grundlage. Ganz abgesehen von den nicht profitorientierten Zielen des Bürgervereins, speise sich die Bilanzsumme der GmbH, rund 140.000 Euro im Jahr, seit der Umstrukturierung der Veranstaltung 1996 aus den Gebühren von nur noch 80 Standbetreibern. Von ihnen sei die Masse heute schon am Ende der Belastbarkeit angekommen.

Damit die Sandkirchweih auch in Zukunft in gewohnter Form durchgeführt werden kann, wünscht sich Gisela Bosch, dass das öffentliche Interesse an der Sandkirchweih von der Stadt anerkannt wird und in Form eines Trägermodells untermauert wird. Beispiele von anderen Städten gebe es genug. So wird die eben eröffnete Bergkirchweih von der Stadt Erlangen durchgeführt, ebenso das Annafest in Forchheim. Der Villacher Kirchtag werde in gemeinsamer Trägerschaft veranstaltet. Auch dort seien die Fragen rund um die Themen Sicherheit und Haftung den Veranstaltern über den Kopf gewachsen, so dass sie die Stadt um Hilfe ersuchten.

Von einer gemeinsamen Trägerschaft war am Mittwoch im Bamberger Stadtrat noch nicht die Rede. Allerdings betonte OB Andreas Starke (SPD), dass die Sandkirchweih vom konstruktiven Miteinander zwischen der Stadt und den Veranstaltern lebe. Ob es ihm gemeinsam mit seinem Vorgänger Alt-OB Herbert Lauer gelingt, die Traditionsveranstaltung zu retten?