Leinritt 12 an der Markusbrücke. Hier wohnt Astrid Muckelbauer. Seit 23 Jahren ist sie so etwas wie der nordwestliche Vorposten der Sandkerwa. An ihren am linkem Regnitzarm gelegenen Bänken und Tischen pilgerten jährlich Tausende Festbesucher vorbei. Viele blieben - um sich das Löwenbräu-Bier oder den "Gerupften von der Oma" schmecken zu lassen. Dieses Jahr freilich wird es keine Treffen am "3,80-Stand" mehr geben, wie es heißt. "Wir sind wie vor den Kopf gestoßen", sagt Muckelbauer.

Auch in den beiden Nachbargebäuden hängt der Haussegen schief, seit die Sandkerwa GmbH die Details ihres neuen Sicherheitskonzeptes bekannt gab. "Wir hatten schon Wein in Spanien gekauft und das Bier bei der Brauerei Krug in Geisfeld in Auftrag gegeben", ärgert sich Gert Papke, der die Bestellungen zwei Monate vor dem Fest wieder zurücknehmen musste.

Papke und seine Frau Maria Chica hätten sich gewünscht, von der Sandkerwa GmbH in die Entscheidung eingebunden worden zu sein. Sie fürchten, dass der 2015 ab der Brücke leere Leinritt nun zum Geheimtipp für Wildpinkler wird. Und sie zweifeln dass es zu einer Entspannung der von Menschenmassen überfluteten Kirchweih führen wird, wenn man das Festgebiet "verkleinert statt ausweitet". Nur so könnten sich die Massen verteilen.

Doch an der Entscheidung gibt es nichts zu rütteln. Statt des 3,80-Stand, dort, wo sich zwei Jahrzehnte lang vor allem junge Kerwafreunde drängelten, bleibt 2015 nur noch Raum für Fluchtwege. "Es war eine Bedingung der Polizei, die für den gesamten Bereich jenseits der Markusbrücke gilt", sagt Ulrike Heucken, die Geschäftsführerin der Sandkerwa GmbH. Sie hat durchaus Verständnis für den Ärger der Anwohner. Ihnen fehlten Einnahmen, die letztlich dem Sandgebiet zu Gute kämen.

Entscheidung war alternativlos
Auch der beliebte Treffpunkt am Grünhundsbrunnen fällt der "Entfluchtung" zum Opfer, Bühne und Stand sind aus Sicherheitsgründen nicht mehr dabei. "Eine Wahl gab es nicht. Hätten wir das nicht gemacht, hätte man uns die Genehmigung für die Sandkirchweih nicht erteilt."

Ein kleines Opfer für das große Fest? Das Ende eines rekordverdächtig günstigen Bierpreises und das Aus für die Livemusik am Grünhundsbrunnen sind möglicherweise nur der Auftakt für weitere Veränderungen in den kommenden Jahren. Gisela Bosch, die Vorsitzende des Bürgervereins Sand, hat unmissverständlich klar gemacht, dass es für den Träger "wie bisher" nicht weitergeht. Den Machern der Kerwa ist die Verantwortung für die Sicherheit von Hunderttausenden Festgästen über den Kopf gewachsen. Man vermisst die Wertschätzung der Stadt für die Unmengen an Arbeit - und natürlich geht es auch ums Geld.

"Die Sandkirchweih droht, ein Opfer ihres Erfolgs zu werden", beschreibt Heucken die Entwicklung, die der Bürgerverein vor 65 Jahren ausgelöst, aber nie wirklich forciert hat. Seit 20 Jahren verzichte man bewusst auf Werbung, damit nicht noch mehr Menschen in die engen Gassen kommen. Andere, sagt Heucken, halten sich nicht zurück. Sie nutzten die Zugkraft des Festes sehr gezielt, um ihre Geschäfte zu verbessern.

Bescheiden geblieben ist angesichts der Besuchermassen der Etat der Kirchweih-Macher, 140 000 Euro, der sich zum Großteil aus den Gebühren von 70 Standbetreibern und dem Abzeichenverkauf speist. Heucken sieht nur drei Möglichkeiten, um der Kirchweih auf Dauer ein solides Fundament zu verschaffen: Entweder beteilige sich die Stadt an den Kosten der Gesellschaft, wie es bei großen Kirchweihen in Erlangen, Forchheim und Fürth der Fall sei. Oder die Standgebühren müssten deutlich erhöht werden, was wohl oder übel über die Preise für Getränke und Essen an die Kunden weitergegeben werde. Dritte Möglichkeit: Die Wirte in und außerhalb des Festgebiets werden (wie die Standbetreiber) an den Kosten der Kerwa beteiligt, wenn sie von ihr profitierten.

Gastronomen wollen mitziehen
Mithelfen, dass die Sandkirchweih auf eine tragfähige Basis gestellt wird - dieser Verantwortung will man sich auch bei den Gastronomen nicht entziehen. Ralf Schmidtlein vom Gaststättenverband sagt, dass eine Beteiligung der Wirte aus seiner Sicht dann denkbar wäre, wenn es gelänge, eine gerechte und auch juristisch tragfähige Berechnungsgrundlage zu finden. Freilich ist das nicht einfach. Und Schmidtlein sagt auch, dass es vor allem die Stadt sei, der eine Schlüsselrolle bei der Zukunft der Sandkirchweih zukomme. "Dass eine solche Veranstaltung privat organisiert wird, ist weltweit wohl einmalig. Aus dieser Verantwortung kann sich die Stadt nicht einfach herausstehlen."