Wenn der Himmel über Mainfranken derzeit beharrlich milchiggrau aussieht, dann ist nicht Nebel daran schuld. Sondern tatsächlich Saharastaub. "Ohne ihn hätten wir jetzt den schönsten blauen Himmel", erläutert Professor Heiko Paeth, der an der Uni Würzburg Geografie lehrt und sich der Klimaforschung widmet. Paeth zufolge ist der Sand der Preis, den die Süddeutschen für die aktuell sehr milden Temperaturen zahlen: "Im Moment treiben Süd- und Südwestwinde Luftmassen aus wärmeren Regionen zu uns. Deswegen haben wir diese frühsommerlichen Temperaturen. Gleichzeitig bringen die Winde aber eben auch den Staub mit."

Nichts mit dem Kimawandel zu tun

Normalerweise, so Paeth, werde Saharasand nicht in Richtung Europa, sondern in Richtung Westafrika geweht, der Senegal etwa sei "extrem staubbelastet". Aber ein paar Mal pro Jahr komme der Staub nach Europa. Kein neues Phänomen, auch keines, das ihn als Klimafolgenforscher auf den Plan rufe. "Dass wir in Mainfranken derzeit Saharastaub haben, hat mit dem Klimawandel nichts zu tun."

Die Menge an Saharastaub, der die Franken derzeit ausgesetzt sind, ist allerdings ungewöhnlich hoch. Am Donnerstag war die Gegend um Würzburg die Region, die, verglichen mit allen anderen deutschen Regionen, den meisten Saharastaub abbekam: "Über Unterfranken haben wir bundesweit die höchste Konzentration; gemessen werden zwischen 100 und 500 Mikrogramm pro Kubikmeter", sagt Stefan Bach, Meteorologe vom Dienst beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Das sei "relativ viel" für hiesige Verhältnisse; "relativ wenig" allerdings, wenn man die übliche Saharastaub-Belastung in Marokko zum Vergleich nehme: "Dort leben die Menschen durchschnittlich mit 4000 Mikrogramm pro Kubikmeter Saharastaub." Paeth zufolge wird der Saharastaub über Süddeutschland auch am Freitag bleiben; sich am Wochenende aber deutlich vermindern.

Asthmatiker und Allergiker berichten, dass sie unter der derzeitigen Wetterlage leiden. Aber ist es der Saharastaub, oder sind es doch die Pollen, die diesen Menschen zu schaffen machen?

Es drohen Asthmaanfälle

"Diese doch geringe Konzentration von Staub hat keine krankheitswertige Wirkung", sagt Dr. Max Zellner, HNO-Arzt und Allergologe aus Ochsenfurt. Andererseits reiche gerade bei Asthmatikern ein geringer Reiz aus, um Asthmaanfälle auszulösen; insofern sei es durchaus denkbar, dass einzelne Asthmatiker sich durch den Saharastaub beeinträchtigt fühlten. Auch andere Ärzte aus der Region bestätigen, dass eine, durch den Staub bedingte rein physikalische Reizung der Bronchien gegebenenfalls zu Asthmaanfällen führen könne.

Laut dem Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg wird in den nächsten Tagen möglicherweise ein "Staubniederschlag" auch über Unterfranken niedergehen: Durch eine zunehmend feuchte Luftmasse müsse mit lokalen Regenschauern gerechnet werden. Die Wassertropfen könnten dabei den in der Luft enthaltenen Staub binden und zu Boden fallen lassen. Deshalb könne sich auf Autos oder Gegenständen eine dünne, rotbräunliche Staubschicht ausbilden.

Laut Roland Eichhorn, dem Leiter des geologischen Dienstes beim Landesamt für Umwelt in Augsburg, haben unsere unterfränkischen Vorfahren schon vor vielen Jahrtausenden Staubwolken über sich niedergehen sehen. "Vor rund 8000 Jahren türmte sich Staub auf bis zu einem Meter und sorgte gerade in der sogenannten Ochsenfurter Senke, einer natürlichen Talform, für nährstoffreiche Böden", sagte Eichhorn.

Damals sei der Staub allerdings nicht aus der Sahara gekommen, sondern aus einer westlich von Mainfranken gelegenen Eiswüste. Das sei für die Landwirtschaft gut gewesen, Staub speichere Wasser.