Das war noch nieht da: Eine Skulptur von ansehnlicher Größe flankiert den Eingang des Medienhauses an der Ecke Berliner Ring/Gutenbergstraße. Der Herkules-Torso aus Sandstein lädt ein zur Ausstellung mit Werken des Bildhauers Manfred Reinhart, die eine nun schon kleine Tradition von Expositionen in den Räumen der MGO-Zentrale fortführt.

Naturgemäß sind es Künstler der Region, die die Regionalzeitung würdigt. Und Reinhart ist gebürtiger (Jahrgang 1964) und nach Lehr- und Wanderjahren wieder heimgekehrter Steigerwälder. Verwurzelt, doch weltoffen: Das war noch immer eine fürs künstlerische Schaffen fruchtbare Mischung. Denn der Bildhauer stammt aus dem Steinmetzbetrieb Reinhart in Untersteinbach, Gemeinde Rauhenebrach, den heute ein Bruder des Künstlers führt. Manfred Reinhart absolvierte beim Vater eine Steinbildhauerlehre, bevor er an Kunsthochschulen in Florenz und Carrara plastisches Gestalten und Bildhauerei studierte und mit "summa cum laude" abschloss. Seit Mitte der 90er Jahre unterhält er ein Atelier in seinem Heimatort, was Studienreisen nach Ägypten, Rom, immer wieder in die Toskana sowie die von ihm als essenziell angesehenen Kontakte zu Künstler-Kollegen nicht ausschließt.

Verwurzelt: Von der Pike beziehungsweise dem Meißel auf gelernt hat Reinhart seine Kunst, deren Basis ja solides Handwerk ist, die Vertrautheit mit Material wie Werkzeug. Seine Studien in Italien haben ihn mit den Grundlagen des Fachs auf eine konservativ-altväterliche Weise vertraut gemacht, wie es in Deutschland kaum mehr möglich ist, worauf Kunsthistoriker Matthias Liebel in seiner Laudatio zur Vernissage hingewiesen hat.

Weltoffen: Die menschliche Gestalt ist das Thema Reinharts, wie bei so vielen Kollegen. Doch er huldigt nicht der klassischen Idealisierung oder Vervollkommnung, obwohl er Vorbilder wie Michelangelo oder Rodin genau studiert hat ("Das Klassische schreckt mich nicht ab"). Er bezieht sich eher auf Künstler wie Igor Mitoraj oder Alfred Hrdlicka, die das für immer vergangene Goldene Zeitalter durch das Fragmentarische, Beschädigte ihrer Figuren dokumentieren. Reinhart benutzt ebenso diese "Non-finito"-Technik, indem er seine Gestalten auf unbearbeitete Sockel stellt. Ein weiblicher Akt scheint verschoben, unproportioniert, fragmentiert, ganz das Gegenteil der kalten Ästhetik etwa eines Arno Breker, von der sich Reinhart distanziert.

Ein Hauptmotiv des 50-Jährigen ist die Verschmelzung der Körper, zumal von Mann und Frau, etwa in der Bronzeplastik "Die Liebenden". Er greift dabei zurück auf den antiken Mythos von der Aufspaltung der einst vereinten Menschen in Geschlechter, aber auch auf Dantes Liebespaar "Paolo und Francesca". Gegenseitiges Stützen, Hilfe, den Zumutungen der Welt vereint begegnen - das taucht als Motiv wiederholt auf.

Dissident in der Vierergruppe

Die Konkordanz von Material und künstlerischer Intention ist für ihn, wie sollte es anders sein, enorm wichtig. Als sein Hauptwerk sieht er die "Denker" an, eine Gruppe von mittelgroßen Büsten aus geädertem Marmor. Die Adern scheinen wie Gedanken von Kopf zu Kopf zu springen; sie verbinden die Denker. Einer ist allerdings Dissident in der Vierergruppe, sein Antlitz ist zur Fratze verzerrt, der Kopf verdreht. Ein allerdings allzu konventionell geratenes Kind auf einem Erdball soll den Raubbau an der Natur geißeln: Hier wäre Andeutung wie im "Roten Torso", der auch durch absichtlich gelassene Bearbeitungsspuren geschunden wirkt, treffender gewesen. Reinhart sprudelt verbal nicht über. Er äußert sich durch den Willen, dem Stein eine Form zu geben, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Seine etwa 20 Werke im Medienhaus sind begreifbar für jeden.

Die Ausstellung