D ie Wahlschlappe von Theresa May hat ihre ersten Opfer: Die Stabschefs der Premierministerin reichen ihren Rücktritt ein. May selbst ist angezählt. Lediglich die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen halten sie - wahrscheinlich nur vorübergehend - im Amt. Europa blickt mit Schadenfreude nach London. Die Premierministerin hat - wie vor einem Jahr ihr Vorgänger Cameron - in der Diskussion über den Brexit leichtfertig ihre sichere eigene Mehrheiten aufs Spiel gesetzt und diese am Ende vernichtet.
Aus europäischer Sicht ist allerdings auch der geringste Anflug von Schadenfreude unangebracht. Das Wahlergebnis untergräbt die Stabilität Großbritanniens. Die Wähler haben May ein klares Mandat für einen harten Brexit buchstäblich aus der Hand geschlagen. Sie haben Großbritannien richtungslos gemacht. Sie scheinen zu spüren, dass Europa in einer Zeit, in der die Welt weiter aus den Fugen gerät, eigentlich näher zusammenrücken muss. Die britische Regierung wird also zunächst innenpolitisch einen - neuen - Kurs für die Abkoppelung von Europa bestimmen müssen - Re-Brexit nicht völlig ausgeschlossen. Erst dann wird sich zeigen, wie groß der Riss zwischen Europa und Großbritannien tatsächlich ausfallen wird.
Somit stehen weitere Wochen und Monate der Unsicherheit für Europa an. Diesem Europa zwischen dem G7-Gipfel in Taormina und dem G20-Gipfel in Hamburg fehlt es also weiter an Klarheit. Will die EU den Schaden für die europäische Idee gering halten, dann ist nicht nur triumphierende Schadenfreude fehl am Platz. Auch die anstehenden Austrittsgespräche sollten unter langjährigen Partnern so geführt werden, dass Elemente der Bestrafung des oder der Rache am vereinigten Königreich nicht vom Start weg als Folterinstrumente wie Damoklesschwerter über den Verhandlungen schweben. Verbales Säbelrasseln kommt seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA bereits zur Genüge von jenseits des Atlantiks. Diesen von Miss- und Verachtung geprägten, egozentrischen Stil sollte sich ein zivilisiertes Europa nicht aneignen.