Auf der Warteliste stehen 22 Namen. 22 Kinder, die in die Mittagsbetreuung der Gangolfschule aufgenommen werden möchten, doch nur fünf Kinder werden kommendes Schuljahr gehen. "Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welchen Eltern Sie absagen?", fragt Christiane Alter. Die Vertreterin des Trägers, der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (GFI) sitzt in den Räumen der Mittagsbetreuung an einem Tisch mit sechs anderen Leuten.

Sie kritisieren: Die Räumlichkeiten seien zu beengt, mehr Plätze für Kinder nötig und die Träger müssten finanziell besser unterstützt werden. "Bei uns ist das Personal gut qualifiziert, aber das ist die Ausnahme", sagt Martina Rambacher, Leiterin der Mittagsbetreuung der Gangolfschule. Es sei schwierig, sich hochqualifiziertes Personal leisten zu können, merkt Gisela Filkorn, Familienbeauftragte der Stadt Bamberg, an.

Jeder hat anderen Aufgabenbereich

Wie funktioniert dieses System? Eine Grundschule, die eine Mittagsbetreuung einrichten will, beantragt diese bei der Bezirksregierung und beauftragt dann einen Träger. Dies kann ein Elternverein sein, aber auch die AWO oder die GFI. Der Träger(-Verein) stellt das Personal ein, um die Räumlichkeiten kümmert sich die Stadt.

Die Finanzierung speist sich laut Christiane Alter zu einem Drittel aus Elternbeiträgen, über den Träger - der von der Regierung bezuschusst wird - und gegebenenfalls aus freiwilligen Leistungen der Kommune. In Bamberg stehen dafür allerdings keine Haushaltsmittel bereit, wie Schulreferent Christian Lange mit Verweis auf einen Stadtrats-Beschluss anmerkt.

Er betont: Man könne nicht generell die Situation in der Mittagsbetreuung kritisieren. So hätten zwei Grundschulen erhöhten Bedarf angemeldet und "wir prüfen derzeit, ob wir zusätzliche Plätze in der Hainschule und der Gangolfschule einrichten können". In der Domschule etwa habe sich herausgestellt, dass gar nicht genügend Kinder für eine weitere Gruppe zusammenkommen würden.

An den 13 Bamberger Grundschulen variiert die Zahl der Gruppen zwischen einer und bisher maximal acht. Spitzenreiter sind die Kaulbergschule und Hainschule mit rund 100 beziehungsweise 90 betreuten Grundschülern.

Jürgen Vogel ist Elternbeiratsvorsitzender der letztgenannten und fordert: "Es sind Infrastrukturmaßnahmen notwendig!" Er spielt nicht nur auf zusätzliche Gruppen, sondern auch die Tatsache an, dass es bisher keine Mittagsbetreuung in den Ferien gibt.

Teilzeit ist nicht unbedingt die Lösung

Jemand, der überhaupt froh über eine Betreuung für den Nachwuchs wäre, ist Stefanie Mauder. Die berufstätige Mutter stellt klar: "Wichtig für Eltern ist, dass das Kind am 15. September einen Platz hat." Die Mutter arbeitet zwar schon in Teilzeit, das heißt aber nicht, dass sie jeden Tag pünktlich zur gleichen Zeit zuhause ist.

So steht der Name ihres Sohnes auf der Warteliste für die Mittagsbetreuung an der Gangolfschule. Denn die Oma wohnt weit weg. Matthias Birzer vom Elternbeirat der Gangolfschule moniert: "Anfangs waren genug Räume für die Betreuung da, doch jetzt wird der Bedarf größer. Die Stadt hat zu lange gewartet." Und Franz Merdian, Vorsitzender des Familienbeirats der Stadt, nennt ein Beispiel aus der Praxis: Es gebe einen permanenten Zeit- und Raumdruck, die Kinder müssten beim Essen in drei Etappen durchgeschleust werden. "Wir müssen jetzt was machen, nicht erst in fünf Jahren."

Das geschehe bereits, merkt Bürgermeister Christian Lange an. Er weist auf die Existenz einer Arbeitsgruppe aus Schulreferat, Schulleitern, Elternvertretern und Trägern hin. Das Schulreferat bediene den Bedarf, den es gemeldet bekommt. "Man muss die jeweilige Schulsituation individuell anschauen." Im Falle von Hain- und Gangolfschule wolle man bis zum Ende der Pfingstferien eine Aussage zu weiteren Gruppen an beiden Schulen treffen.

Eine andere, die Heidelsteigschule, ist für ein bayernweites Projekt vorgesehen. Stimmt der Stadtrat Mitte Juni zu, wird sie Teil der Pilotphase einer offenen Ganztagesform an der Grundschule. Damit wäre eine kostenlose Betreuung, auch in den Ferien, möglich. Allerdings: Das Kind müsste bis 16 Uhr bleiben und könnte nicht, wie bei der Mittagsbetreuung, vorher geholt werden.

Kommentar von Redakteurin Anna Lienhardt

Verändern sich die Strukturen einer Gesellschaft, muss die Politik flexibel regieren. Wenn der Betreuungsbedarf nicht nur für die ganz kleinen Kinder unter Drei steigt, sondern eben auch für Grundschulkinder, muss zügig etwas passieren. Denn viele Eltern sind des Berufs wegen nach Bamberg gekommen, die Verwandtschaft lebt andernorts und kann den Nachwuchs nicht mal eben hüten. Außerdem ist heute manches Teilzeit-Arbeitsmodell nicht mehr gleichbedeutend mit einer geregelten Arbeitszeit von acht bis zwölf. Deswegen ist es wichtig, dass sich die politisch Verantwortlichen mit Eltern, Schulen und Trägern individuell abstimmen, wie der Bedarf gedeckt werden kann. Dann müssen zeitnah Taten folgen - beziehungsweise neue Gruppen.