Nach der Trennung von Trainer Chris Fleming und dem Rücktritt des Sportlichen Leiters Wolfgang Heyder sitzt in der Basketballstadt Bamberg der Schock tief. Viele nehmen gerade den Rücktritt von Heyder als Zeichen des endgültigen Endes einer Ära bei den Brose Baskets wahr.

Beim Fanclub Faszination Basketball hat sich eine Debatte entwickelt, wie sich die Vertretung der größten Brose-Baskets-Fan-Vereinigung zu den jüngsten Hiobsbotschaften verhalten soll. "Fanclub Faszination - wo bleiben eure Kommentare zur Abservierung von Fleming und Heyder? Seid ihr zu feige oder habt ihr Angst vor Stoschek? Schämt euch!", schreibt etwa eine Anhängerin auf der Facebookseite des Fanclubs. Man hätte längst schon Stellung beziehen können, finden andere, die nicht verstehen, warum sich die Fanclub-Führung nicht deutlich positioniert. "Der Fanclub Faszination ist weder zu feige noch haben wir Angst vor Herrn Stoschek. Wir werden nur unsere Neutralität bewahren", entgegnet Vorsitzender Günter Kolb, der zur Zeit im Urlaub ist, schriftlich auf der Facebook-Fanseite.

Deutliche Worte von Kemmer
Das Beispiel zeigt, wie verunsichert die Fanbasis im Moment ist. Vor allem der Abschied von Heyder setzt aus Sicht vieler Fans den Tiefpunkt der tief greifenden Veränderungen, die im Herbst 2013 mit der Übernahme der Gesellschaftsanteile am erfolgreichsten deutschen Basketballteam der letzten Jahre durch die Brose-Gruppe begonnen hatten. Wolfgang Heyder stand für Kontinuität. Was jetzt unter Michael Stoschek kommen wird, weiß keiner so richtig.

Einer, der deutliche Wort findet, ist Hannes Kemmer: "Vom Prinzip her hat Stoschek recht, für seine Anforderungen ist zu wenig herausgekommen ", sagt der ehemalige Vereins-Präsident (2003 bis 2006) und Weggefährte von Wolfgang Heyder. Doch die Art und Weise, wie nun Entscheidungen getroffen wurden, habe ihm nicht so gefallen. Man dürfe die Verdienste gerade von Heyder nicht unterschätzen. Schließlich sei Bamberg in der Vergangenheit auch ohne Brose deutscher Meister geworden. "Bei uns war es Herzblut, jetzt ist es Finanzkraft", sagt Kemmer. Das könne gut gehen, es sei aber eine andere Art, einen Club zu führen. "Wir waren früher eine Mannschaft, weil die Identifikation da war, die inzwischen immer weniger wird, weil immer weniger Bamberger dabei sind. Alle sind weg", sagt Kemmer. Vor allem sei Wolfgang Heyder in der Lage gewesen, auch Kleinsponsoren Wertschätzung zu vermitteln. Das sei keine leichte Aufgabe. Die kleinen Sponsoren seien für die Stabilität des Clubs wichtig. Durch den jüngsten Streit zwischen den Kleinsponsoren und Stoschek wackle dieses Gleichgewicht gehörig.

OB: Heyder als Titelgarant
Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke äußerte sich ebenso zum Abschied von Chris Fleming und Wolfgang Heyder. Starke würdigte deren Verdienste für den Bamberger Basketball: "Ohne sie gäbe es die Basketballhochburg Bamberg nicht." Wolfgang Heyder habe über viele Jahre hinweg erfolgreiche Strukturen aufgebaut und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass große Titel gewonnen wurden. "Besonders in der Jugendarbeit verdanken wir ihm außerordentliche und segensreiche Leistungen für die ganze Region! Ich hoffe, er bleibt dem Bamberger Basketball erhalten." Ebenso dankte Starke Fleming, "weil er sich auch außerhalb der Brose Baskets in das städtische Leben positiv eingebracht hat."

Klaus Stieringer, Geschäftsführer Stadtmarketing, dankte via persönlicher Facebookseite Wolfgang Heyder: "Der Basketball wird nicht untergehen. Vielleicht sogar noch erfolgreicher werden. Ich bin aber entsetzt, mit welcher Leichtigkeit wir unsere Basketball-Idee und den Vater von ,Freak City' opfern, nur um möglicherweise noch mehr Titel gewinnen zu können. Danke Wolfgang für Dein Lebenswerk. Und. Hoffentlich auf Wiedersehen!"

Auf der Facebookseite "Initiative PRO Fleming", die in kurzer Zeit über 1000 Unterstützer bekam, steht seit Mittwoch in deutlichen Worten geschrieben: "28.5.2014 - R.I.P. Baskets Bamberg. Und nun leider auch endgültig: Willkommen seelenloser Retortenverein ,Br*se' Bamberg".