Drei rumänische Landsmänner stehen seit Donnerstag vor dem Landgericht Bamberg. Sie müssen sich wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. In insgesamt 14 Fällen sollen sie in verschiedenen Städten und Gemeinden in Franken, der Oberpfalz, Niederbayern und Sachsen-Anhalt Buntmetalle gestohlen haben. Die Beute hatte in mehreren Fällen einen Wert von über 20.000 Euro, heißt es in der Anklageschrift. Die drei Angeklagten waren nach umfangreichen Ermittlungen gegen eine bundesweit agierende 19-köpfige Diebesbande aus Rumänien festgenommen worden. Auch die Häuser in ihrem Heimatland wurden im Zuge der Rechtshilfe von Fahndern durchsucht.


Brachiales Vorgehen

Der Landkreis Bamberg war von den Diebstählen nicht betroffen, jedoch der Nachbarkreis Forchheim. Die Bande soll bei einer ihrer ersten Aktionen in Hallerndorf brachial zugeschlagen haben. Dort hatten die Angeklagten im September 2014 mit anderen Verdächtigten zusammen rund 1,2 Tonnen eines Kupfer-Messing-Eisengemischs, 2,5 Tonnen Messing aus Erodierdraht, 1,5 Tonnen Dachblei sowie mindestens einen 300 Kilogramm schweren Trafo gestohlen. Insgesamt beläuft sich der Schaden bei der Hallerndorfer Firma auf über 16.000 Euro.

Um auf das Gelände zu kommen hatten Komplizen laut Anklageschrift eine Überwachungskamera abgeschlagen und einen Zaun niedergerissen.

Das Vorgehen war laut Staatsanwaltschaft Bamberg in allen Fällen ähnlich: Die Männer im Alter von 30, 31 und 33 Jahren suchten mit Komplizen spät in der Nacht die Unternehmen auf. Die Angeklagten sollen ohne Rücksicht auf den Schaden, den sie auf den Grundstücken der Recyclingunternehmen anrichteten, vorgegangen sein. In einem Fall wurde sogar eine 30 Zentimeter starke Mauer mit Werkzeugen durchbrochen, da das Tor zum Lagerraum von einem Bagger versperrt war.

Die Männer wollten sich offenbar mit den Diebeszügen in Deutschland eine dauerhafte Einnahmequelle verschaffen.


Keine Berufsausbildung, kein Geld

Als Motiv gaben die Beschuldigten vor der Kleinen Strafkammer des Landgerichts ihre ärmlichen Lebensverhältnisse an. Der 31-jährige Angeklagte erklärte unter Tränen, dass seine vier Kinder zu Hause in Rumänien nicht einmal Strom oder genug zu Essen hätten. Einen erlernten Beruf hat keiner der Angeklagten. Das Geld sei immer knapp gewesen.

Mit der Schulbildung sieht es ebenso mager aus: "Ich war keinen einzigen Tag in der Schule, ich kann nicht mal meinen Namen schreiben", sagte der 31-Jährige laut dem vom Gericht bestellten Übersetzer. Auch der 33 Jahre alte Angeklagte gab an, dass er nicht lesen könne.

Der Dritte im Bunde, ein 30-jähriger Familienvater, saß schon einmal ein paar Monate in Spanien in Haft, wo er seit 2007 immer wieder bei der Olivenernte geholfen habe. Er wurde in Spanien verurteilt, weil er dort bereits Altmetall gestohlen haben soll.

Ins Rollen waren die Ermittlungen gekommen, als Bundespolizisten im Raum Hof im Februar 2015 einen Transporter stoppten, der randvoll mit Buntmetallen war. Die Ladung stammte von einem Einbruch in eine Firma in Neumarkt in der Oberpfalz.

Neben der Staatsanwaltschaft Hof waren dann auch die Staatsanwaltschaften in Bamberg, Nürnberg-Fürth und Halle (Saale) in verschiedenen Tatkomplexen in die umfangreichen Ermittlungen eingebunden gewesen. In Halle an der Saale hatten die drei Angeklagten in der Zeit, in der sie in Deutschland waren, gewohnt.

Weitere Verhandlungstage sind vom Landgericht angesetzt. Der nächste Fortsetzungstermin soll am 7. November stattfinden. Den Männern drohen mehrjährige Haftstrafen.